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Ohne Mütterrente wäre Altersarmut größer

DIW-Studie: Das Einkommen der einkommensschwächsten Rentnerinnen würde im Schnitt um acht Prozent sinken, das Armutsrisiko dagegen um 14,4 Prozent steigen.

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Berlin (diw/sth). Bei einem Wegfall der im Juli 2014 eingeführten sogenannten Mütterrente könnte die Bundesregierung künftig jährlich rund 14 Milliarden Euro einsparen. In diesem Fall würden aber fast neun Millionen Rentnerinnen, deren Kinder vor 1992 Kinder geboren wurden, durchschnittlich 107 Euro im Monat fehlen. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach wären von einer solchen Kürzung insbesondere Frauen aus den unteren Einkommensgruppen, Frauen mit mehr als drei Kindern und geschiedene Frauen betroffen. Die Armutsrisikoquote von Rentnerinnen würde dann von 19,4 auf 22,3 Prozent steigen, heißt es in der Studie. Durch die Mütterrente wurden Frauen, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, für die Rente nachträglich in zwei Stufen besser gestellt. Für nach 1991 geborene Kinder erwerben Mütter schon immer höhere Rentenansprüche. 

In Zeiten klammer Kassen sei die Mütterrente wieder stärker als Sparpotenzial in den Fokus gerückt, erläutert das DIW den Grund seiner Untersuchung. Der mögliche Plan, die Mütterrente rückgängig zu machen, sei aber “nicht nur rechtlich fragwürdig, es hätte auch finanziell erhebliche negative Folgen“, sagt Studienautorin Annica Gehlen. So würden die unteren Einkommensgruppen durch einen Wegfall der Mütterrente verhältnismäßig “deutlich stärker belastet” als die oberen Einkommensgruppen. ”Die ärmsten 20 Prozent würden über gut acht Prozent weniger Einkommen verfügen", heißt es in der Studie. Bei den reichsten 20 Prozent wäre es hingegen nur gut ein Prozent weniger. Rentnerinnen mit mehr als vier Kindern hätten ohne die Mütterrente “im Schnitt sogar Einkommenseinbußen von rund 15 Prozent”, so Gehlen. Besonders betroffen wären geschiedene und ledige Mütter, da ein Wegfall der Mütterrente meist nicht durch Partner-Einkünfte abgepuffert werde.

Großer Gender Pension Gap vor allem im Westen

„Die Mütterrente mildert einige Ungleichheiten ab, die vor allem aufgrund von Kindererziehung während der Erwerbsphase entstanden sind", sagt DIW-Ökonomin Gehlen. Vor allem in Westdeutschland hätten die heutigen Rentnerinnen mit der Geburt ihrer Kinder häufig ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen und später weniger am Erwerbsleben teilgenommen als nachfolgende Generationen. Entsprechend hoch sei auch der geschlechtsspezifische Unterschied bei den Renten, der sogenannte Gender Pension Gap. Mit Abschaffung der Mütterrente würde er von derzeit 32 Prozent auf 39 Prozent erheblich steigen, also um gut 20 Prozent, so das DIW.

„Sicherlich ließe sich kurzfristig mit der Abschaffung der Mütterrente Geld sparen", räumt DIW-Rentenexperte Johannes Geyer ein. Langfristig sinnvoller wäre es aus seiner Sicht aber, Ungleichheit und Altersarmutsrisiken schon während der Erwerbsphase anzugehen. Dazu müssten gezielt Maßnahmen für eine höhere Frauenerwerbstätigkeit und eine bessere partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit ergriffen werden. Nach Ansicht Geyers hieße dies vor allem, die Angebote zur Kinderbetreuung und der Pflegeinfrastruktur auszubauen sowie die Anreize im Steuersystem durch eine Reform des Ehegattensplittings und der Minijobs zu verbessern.

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