Berlin (dpa). Der Beitragssatz für die Rentenversicherung könnte einer offiziellen Schätzung zufolge 2028 auf 19,9 Prozent steigen. Das wären 1,3 Prozentpunkte mehr als der aktuelle Beitragssatz von 18,6 Prozent und 0,1 Prozentpunkte mehr als bislang angenommen.
Bei den Zahlen dieser Frühjahrsfinanzschätzung 2026 handelt es sich um „Prognosen unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtslage“, wie ein Sprecher erläuterte. Die tatsächliche Entwicklung hänge unter anderem von der geplanten Rentenreform der Koalition und der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung ab.
Gleichbleibende Schätzung für 2029
Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, würde bei einem Eintreten der Prognose bei einem Bruttogehalt von beispielsweise 4.500 Euro die jährliche Belastung um 351 Euro wachsen. Mehr als 5.300 Euro flössen dann pro Jahr als Arbeitnehmerbeitrag an die Rentenkasse. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich den Rentenbeitrag je zur Hälfte.
Bis 2027 soll der Beitragssatz laut der Finanzschätzung bei 18,6 Prozent stabil bleiben, 2029 wie bereits angenommen bei 20 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens liegen und in den Folgejahren weiter steigen. Für die Rentenversicherung komme der prognostizierte Anstieg des Beitragssatzes „nicht unerwartet“, sagte der Sprecher.
Erste Erhöhung seit 2007
Die Rentenversicherung wies darauf hin, dass der aktuelle Beitragssatz seit 2018 durchgehend stabil sei und in den Jahren zuvor bereits deutlich höher als heute gelegen habe. „Bei dem für 2028 erwarteten Anstieg handelt es sich um die erste Erhöhung seit 2007.“
Mit der Schätzung schreiben die Fachleute bisherige Vorausberechnungen mit den neuen Entwicklungen aus der Frühjahrsprojektion der Regierung für die Wirtschaft fort. Im April hatte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose halbiert. Erwartet wird in diesem Jahr noch ein leichtes Wachstum von 0,5 Prozent, vor allem wegen der massiven Auswirkungen des Iran-Kriegs.
Ausgaben 2025 um sechs Prozent gewachsen
Schon seit langem ist bekannt, dass die Rentenausgaben mit dem Übertritt geburtenstarker Jahrgänge in die Rente künftig hinter den Einnahmen zurückzufallen drohen. Die Bundesregierung will deshalb auf Basis von Vorschlägen der sogenannten Alterssicherungskommission noch bis zum Sommer eine große Rentenreform auf den Weg bringen.
Im vergangenen Jahr stiegen die Gesamteinnahmen der Rentenversicherung laut der Frühjahrsschätzung um 5,3 Prozent auf 417,4 Milliarden, die Ausgaben um 6 Prozent auf 421,3 Milliarden Euro, wobei insbesondere der Aufwand für die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) um überdurchschnittliche 12,1 Prozent (plus 3,3 Milliarden Euro) zugenommen hat.
Sozialbeiträge drohen massiv zu steigen
Vergangene Woche hatten die sogenannten Wirtschaftsweisen von ungebremst steigenden Sozialbeiträgen auf fast 50 Prozent gewarnt. Bis 2040 würden wegen der fortschreitenden demografischen Alterung die Beitragssätze in allen Sozialversicherungen steigen. Reformen seien dringend nötig. Die geplante Rentenreform soll Teil eines größeren Reformpaktes werden, das die Koalition bis zur Sommerpause schnüren will.
