Ihre-Vorsorge Logo

„Rentenabschläge beim Einzelnen besser als Kürzungen für alle“

Wissenschaftler: Für die Alterssicherung sind Abschläge auf vorzeitig genutzte Renten pauschalen Rentenminderungen vorzuziehen.

Artikel vorlesen

Tags

Autor / Quelle

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Ein Stapel Münzen liegt auf einem Dokument, daneben ein Taschenrechner.

© Nicht definiert

Berlin/Bad Homburg (sth). Die kommenden Jahrzehnte werden für die Alterssicherungssysteme in Deutschland eine enorme Herausforderung. In dieser Einschätzung sind sich Fachleute aus Wissenschaft, Politik und in der Rentenversicherung einig. Grund ist die in den kommenden Jahren deutlich steigende Zahl von Beschäftigten, Beamten und Selbstständigen, die in den Ruhestand treten. Schätzungen zufolge werden etwa zwölf Millionen sogenannte Babyboomer spätestens Anfang der 2030er-Jahre den Beruf an den Nagel hängen und auf die Seite der Rentnerinnen und Rentner wechseln.

Zugleich werden dauerhaft deutlich weniger junge Beschäftigte auf den Arbeitsmarkt drängen, um mit ihren Rentenbeiträgen die Ruhestandsbezüge der Senioren zu finanzieren. Selbst eine weiterhin starke Zuwanderung von Arbeitsuchenden aus dem Ausland wird nach Ansicht von Expertinnen und Experten nicht ausreichen, um das derzeitige Rentenniveau von etwa 49 Prozent langfristig zu sichern. Zwar erklärten kürzlich fünf führende Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Herbstprognose, dass diesen Herausforderungen „durch eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung begegnet werden“ könne. Zudem könnten die Renten „durch eine schrittweise Ergänzung des Umlagesystems mit einer Kapitaldeckung“ gesichert werden. „Eine sofortige Umstellung ist allerdings unmöglich, da die derzeitigen Rentenansprüche durch Umlage erfüllt werden müssen“, stellten die Wirtschaftsforscher klar.

Wissenschaftler suchen nach Auswegen bei der Finanzierung

Da das Rentenniveau inzwischen bis 2025 gesetzlich bei mindestens 48 Prozent und der Beitragssatz bei höchstens 20 Prozent stabilisiert wurden, sei bei diesen Stellschrauben des Rentensystems der Spielraum für Reformen derzeit „deutlich eingeschränkt“, heißt es in einer Studie der Berliner Wissenschaftler Timm Bönke und Holger Lüthen. Um dem wachsenden Ausgabendruck in der Rentenversicherung effektiv zu begegnen, müsse man deshalb für die Zukunft entweder über pauschale Rentenkürzungen – etwa durch geringere jährliche Rentenerhöhungen – oder über die Höhe der Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn nachdenken. Der Unterschied zwischen diesen Möglichkeiten: Während von Rentenkürzungen alle Rentnerinnen und Rentner betroffen wären, richte sich die Höhe von Abschlägen nach dem individuellen Renteneintrittsalter, so Bönke und Lüthen.

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler ein „Rentenzugangsmodell“ entwickelt, das die Entscheidung von Menschen erklärt, zu welchem Zeitpunkt zwischen dem 63. und 65. Lebensjahr sie in Rente gehen. So sei ein Rentenbeginn vor 65 „zwar mit Freizeitgewinn verbunden, geht aber auf Kosten des Erwerbseinkommens, der Rentenanwartschaften sowie der Möglichkeit, zusätzliches privates Vermögen anzusparen“, heißt es in dem Konzept von Bönke und Lüthen. Das Fazit ihrer Modellrechnungen: Abschläge auf Frührenten seien gegenüber pauschalen Rentenkürzungen „klar vorzuziehen“. Sollte die demografische Entwicklung weitere Einsparungen in der Rentenversicherung erforderlich machen, stelle eine „Erhöhung der Abschläge zumindest das schonendere Mittel dar“, schreiben die Forscher. 

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Das rentenupdate der Deutschen Rentenversicherung Bund liefert Zahlen, Daten und Fakten zu aktuellen Themen rund um die Rente.

Time
3 Minuten

Krempelt die Koalition die Rente wie angekündigt um – trotz aller Widerstände auch in den Reihen von CDU und SPD? Schwarz und Rot bemühen sich, die Reihen zu schließen.

Time
1 Minuten

Die Deutsche Rentenversicherung bietet kostenlose Onlinevorträge zu unterschiedlichen Themen an – auch zur Frage, welche Leistungen Hinterbliebene erhalten können.

Time
2 Minuten

Ab Januar 2027 gilt das neue GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Es wird auch als Krankenkassen-Reform bezeichnet. Was sich für Menschen ändert, die arbeiten und Altersrente in Teilrente beziehen.

Time
2 Minuten

Das Ende der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren ist ein Zankapfel der geplanten Rentenreform. Thorsten Frei wendet sich gegen SPD-Vorstellungen, wie lang die Übergangsfrist sein soll.

Time
2 Minuten

Setzt die Koalition die Rentenreform um oder überlegt es sie sich bei der populären „Rente mit 63“ noch einmal anders? Die Sozialministerin will die Reform – und macht ein Versprechen.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026