München (tö). Die in den vergangenen Jahren hohe Inflation in Deutschland hat sich in den vergangenen drei Jahren negativ auf die Kaufkraft der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland ausgewirkt. Seit der Jahrtausendwende konnten die teilweise deutlichen Rentenerhöhungen den Anstieg der Lebenshaltungskosten aber weitgehend ausgleichen. Dies zeigt eine Auswertung der Deutschen Rentenversicherung (DRV), die ihre-vorsorge.de vorliegt. Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.
Demnach haben sich die Verbraucherpreise zwischen 2000 und 2023 um 54,6 Prozent erhöht. Die Brutto-Standardrente stieg in diesem Zeitraum für West-Rentner und -Rentnerinnen hingegen nicht ganz so stark zu, nämlich um 51,4 Prozent. Für die Ost-Rentner und -Rentnerinnen betrug das Plus jedoch 74,0 Prozent. Bei der Berechnung der Standardrente wird unterstellt, dass eine fiktive Person 45 Jahre lang jedes Jahr genau durchschnittlich verdient und entsprechend Rentenbeiträge zahlt. Dieser Durchschnittsverdienst beläuft sich 2024 auf monatlich rund 3780 Euro brutto. Brutto heißt in diesem Fall vor Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und vor Zahlung von Steuern. Die Standardrente wird sich bundesweit nach der Rentenerhöhung zum 1. Juli um 4,57 Prozent auf 1769,40 Euro erhöhen.
Auch Rentner mit wenigen Beitragsjahren profitieren von Rentenerhöhung
Allerdings kommen viele gesetzliche Rentenversicherte gar nicht auf 45 Beitragsjahre, etwa weil sie länger studieren oder vorzeitig in Rente gehen und nicht so lange berufstätig sind. Rentner mit weniger als 45 Beitragsjahren profitieren aber genauso von den Rentenerhöhungen. Das zeigt auch ein Blick auf den sogenannten Rentenzahlbetrag: Das ist der Betrag, der auf dem Konto der Rentner nach Abzug ihres Eigenanteils für die Kranken- und Pflegeversicherung tatsächlich ankommt.
Dieser belief sich für alle Altersrenten 2022 auf durchschnittlich 1054 Euro im Monat, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Der Betrag ist auch deshalb niedriger als die Brutto-Standardrente, weil viele Mini-Renten, etwa von Versicherten, die nur wenige Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt oder nur wenig verdient und Teilzeit gearbeitet haben, den statistischen Durchschnitt nach unten ziehen.
Vergleicht man nun den Rentenzahlbetrag mit der langfristigen Entwicklung der Inflationsrate, sieht das Ergebnis für die Rentner und Rentnerinnen gut aus: Die durchschnittlich ausgezahlten Altersrenten legten zwischen 2000 bis 2022 um fast 52 Prozent zu, die Teuerungsrate hingegen um fast 46 Prozent. Das zweite Inflationsjahr, 2023, mit einem Anstieg der Inflationsrate um 5,9 Prozent, wird die Bilanz zwar verschlechtern. Aber 2024 sieht es schon wieder besser aus, mit einer vorläufigen Inflationsrate im März von 2,2 Prozent und einer Rentenerhöhung von 4,57 Prozent.
Unterschiedliche Trends in den 2010er- und 2020er-Jahren
Auch die beiden zurückliegenden Jahrzehnte liefen sehr unterschiedlich: Von 2000 bis 2010 legte die Inflation um 16,7 Prozent zu. Der ausgezahlte Betrag für Altersrentner erhöhte sich durchschnittlich um 8,0 Prozent. In diese Zeit fallen die Finanzkrise und die darauffolgende Rezession, was auf die Löhne und Rentenanpassungen drückte, die maßgeblich von der Entwicklung der Löhne abhängen. Hinzu kamen die Rentenreformen mit der Einführung der Riester-Rente, die ebenfalls Erhöhungen der Rentenwerte begrenzte.
Im darauffolgenden Jahrzehnt war es umgekehrt. Die Renten zwischen 2010 und 2020 stiegen unter dem Strich viel deutlicher an als die Inflation. Die Konjunktur lief prächtig, die Anzahl der Beschäftigten und Beitragszahler wuchs kräftig, entsprechend gut entwickelten sich die Löhne und damit auch die Renten. In den vergangenen Jahren verloren Rentner und Rentnerinnen hingegen an Kaufkraft: Der Auswertung der DRV zufolge legte die Inflation von 2020 bis 2023 um 16,7 Prozent zu, die Brutto-Standardrente West: um 10,0 Prozent, die Brutto-Standardrente Ost um 13,2 Prozent (siehe Tabelle).
Auf die Problematik der Geldentwertung wird in der sogenannten „Renteninformation “, die die Rentenversicherten jedes Jahr erhalten, ausdrücklich aufmerksam gemacht: Darin steht nicht nur, wie viel oder wie wenig Rente später einmal zu erwarten ist, sondern auch der Satz: Die ermittelten Beträge für die zukünftige Rente seien „wegen des Anstiegs der Lebenshaltungskosten und der damit verbundenen Geldentwertung (Inflation) in ihrer Kaufkraft aber nicht mit einem heutigen Einkommen in dieser Höhe vergleichbar (Kaufkraftverlust)“.
| Rentenanpassung zum 1. Juli des Jahres | West (in %) | Ost (in %) | Inflationsrate (in %) im Vergleich zum Vorjahr |
| 2000 | 0,60 | 0,60 | 1,3 |
| 2001 | 1,91 | 2,11 | 2,0 |
| 2002 | 2,16 | 2,89 | 1,4 |
| 2003 | 1,04 | 1,19 | 1,0 |
| 2004 | - | - | 1,6 |
| 2005 | - | - | 1,6 |
| 2006 | - | - | 1,6 |
| 2007 | 0,54 | 0,54 | 2,3 |
| 2008 | 1,10 | 1,10 | 2,6 |
| 2009 | 2,41 | 3,38 | 0,3 |
| 2010 | - | - | 1,0 |
| 2011 | 0,99 | 0,99 | 2,2 |
| 2012 | 2,18 | 2,26 | 1,9 |
| 2013 | 0,25 | 3,29 | 1,5 |
| 2014 | 1,67 | 2,53 | 1,0 |
| 2015 | 2,10 | 2,50 | 0,5 |
| 2016 | 4,25 | 5,95 | 0,5 |
| 2017 | 1,90 | 3,59 | 1,5 |
| 2018 | 3,22 | 3,37 | 1,8 |
| 2019 | 3,18 | 3,91 | 1,4 |
| 2020 | 3,45 | 4,20 | 0,5 |
| 2021 | - | 0,72 | 3,1 |
| 2022 | 5,35 | 6,12 | 6,9 |
| 2023 | 4,39 | 5,86 | 5,9 |
| 2024 | 4,57 | ||
| Quellen: Deutsche Rentenversicherung, Statistisches Bundesamt | |||
- Rentenerhöhung 2024 kostet mehr als 17 Milliarden Euro jährlich
- www.ihre-vorsorge.de/rente/allgemein-rente/warum-von-der-rentenerhoehung-so-wenig-uebrig-bleibt
- www.ihre-vorsorge.de/finanzen/nachrichten/inflation-schwaecht-sich-weiter-ab-rate-sinkt-auf-2-2-prozent
- Deutsche Rentenversicherung - Rentenanpassung 2024: Renten steigen wieder deutlich
