München (tö). Immer mehr Rentner aus Deutschland verbringen ihren Lebensabend im Ausland und lassen sich ihre gesetzliche Rente in ihre neue Heimat überweisen. So ist die Anzahl der an deutsche Staatsangehörige mit Wohnsitz im Ausland gezahlten Renten seit 2016 von rund 214.000 auf knapp 245.000 bis Ende 2024 gestiegen. Das teilte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) auf Anfrage von ihre-vorsorge.de mit. Als mögliche Gründe für den Anstieg nannte die DRV die zunehmende Globalisierung, die „ein flexibleres Umziehen wegen niedrigerer Lebenshaltungskosten oder besseren klimatischen Bedingungen“ ermögliche. Hinzu komme „die Rückkehr von eingebürgerten ,Gastarbeitern‘ in ihre Heimatländer“.
Auslandsrenten sind durchschnittlich deutlich niedriger
Laut DRV wurden 2024 weitere etwa 1,46 Millionen in Deutschland erworbene Renten an ausländische Staatsangehörige mit Wohnsitz im Ausland gezahlt. Im Durchschnitt bewegte sich die ausgezahlte Altersrente für die insgesamt 1,7 Millionen Auslandsrenten auf lediglich 445 Euro pro Monat. Zum Vergleich: In Deutschland belief sich die durchschnittliche ausgezahlte Altersrente im vergangenen Jahr auf 1202 Euro. Der Beitrag für die Krankenversicherung ist davon bereits abgezogen.
Viele Arbeitnehmer, vor allem aus der Türkei, Griechenland, dem ehemaligen Jugoslawien, Italien und Spanien fanden in den Sechziger- und Siebzigerjahren Jobs in Deutschland und zahlten in die Rentenkasse ein. Nicht wenige aus diesem Kreis sind inzwischen in ihr Heimatland zurückgekehrt und lassen sich ihre hierzulande erarbeitete Rente dorthin überweisen. Der Statistik der Deutschen Rentenversicherung zufolge fließen deshalb die meisten Rentenzahlungen an ausländische Staatsangehörige nach Italien (343.970), gefolgt vom ehemaligen Jugoslawien: (200.112), Spanien (171.393), Griechenland (88.571) und der Türkei (84.933).
Österreich ist das beliebteste Auswandererland für Ruheständler
Die meisten deutschen Rentnerinnen und Rentner leben hingegen nach früheren Angaben der DRV in Österreich (Anzahl der ausgezahlten Auslandsrenten gesamt: 128.219), in der Schweiz (61.569) und in den USA (60.254). Wie die DRV weiter mitteilt, ist die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner „kleiner als die Zahl der dargestellten Renten“. Das liegt daran, dass manche Ruheständler mehrere Renten bekommen, zum Beispiel ihre eigene Altersrente plus eine Witwenrente.
Höhere Renten gehen nach Thailand und auf die Philippinen
Auffällig ist in der Statistik der Rentenversicherung, wie stark sich die ausgezahlten Auslandsrenten von Land zu Land unterscheiden. Überdurchschnittlich hoch sind sie in den beiden beliebten südostasiatischen Urlaubsländern Thailand und den Philippinen – bei einer aber sehr überschaubaren Zahl an ausgewanderten Ruheständlern: Demnach wurden 2024 in Thailand annähernd fast 6000 deutsche Altersrenten in Höhe von im Durchschnitt 1221 Euro ausgezahlt. Vermutlich dürften dabei die meisten Renten an deutsche Staatsbürger gegangen sein, die davon profitieren, dass in Thailand die Lebenshaltungskosten gemessen an der Kaufkraft ihrer Rente eher gering sind.
Beliebt unter ausgewanderten Seniorinnen und Senioren sind offensichtlich auch die Philippinen. In den Inselstaat überwies die deutsche Rentenversicherung fast 1800 Altersrenten in Höhe von 998 Euro im Durchschnitt. Auch hier dürften viele Nutznießer deutsche Staatsangehörige sein. In den Ländern, in die besonders häufig Auslandsrenten fließen, sind die ausgezahlten Beträge deutlich niedriger: So lag die deutsche Altersrente in Italien bei durchschnittlich 300 Euro, in Spanien bei 421 Euro, in Griechenland bei 500 Euro und in Österreich bei 516 Euro.
In welche Länder die höchsten Auslandsrenten fließen, teilte die Rentenversicherung auf Anfrage von ihre-vorsorge.de nicht mit, „da Ausreißer mit sehr kleinen Fallzahlen die Statistik verzerren“, so ein Sprecher der DRV. 2021 hatte das Bundesarbeitsministerium auf Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag noch bekannt gegeben, dass die durchschnittlich höchsten Zahlungen 2020 in die Südsee, und zwar nach Mikronesien und Palau, geflossen waren. Dort lebten damals jedoch weniger als fünf Bezieher deutscher Renten mit Zahlungen von im Durchschnitt 1533 Euro (Mikronesien) und 1336 Euro (Palau).
Die niedrigsten Rentenzahlungen flossen dem Ministerium zufolge mit rund 90 Euro nach Burkina Faso und 205 Euro in den Kosovo. In der nun vorgelegten, um statistische Ausreißer bereinigten DRV-Statistik liegt der Kosovo auf dem letzten Platz. Dort wurde im Durchschnitt eine Altersrente von 232 Euro aus Deutschland ausgezahlt.
