Nürnberg (iab/sth). Wer noch im Ruhestand erwerbstätig ist, hat überdurchschnittlich oft einen akademischen Bildungsabschluss. Zudem stehen arbeitende Senioren häufiger bis zum Rentenbeginn im Berufsleben als nicht erwerbstätige Rentnerinnen und Rentner. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) entwickelt wurde. Demnach macht es auch ein niedriges Haushaltseinkommen wahrscheinlicher, als Rentnerin oder Rentner weiter einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Fast alle Befragten gaben der Studie zufolge aber auch an, aus Spaß an der Arbeit im Ruhestand noch erwerbstätig zu sein.
Es gebe verschiedene Gruppen arbeitender Rentnerinnen und Rentner, „die sich hinsichtlich ihrer sozioökonomischen Situation und Erwerbsmotive stark unterscheiden”, erklärte IAB-Forscherin Stefanie Gundert zu der Studie. Auch in den Motiven spiegele sich das wider: Während die meisten Ruheständler bei der IAB-Befragung auch Spaß an der Arbeit (97 Prozent), das Bedürfnis nach einer sinnvollen Aufgabe (92 Prozent) oder sozialen Kontakten (91 Prozent) als Gründe für ihre Arbeit angaben, spielten für 43 Prozent finanzielle Motive eine Rolle – vor allem für Menschen im unteren Einkommensbereich und für Frauen.
Rentnerinnen und Rentner ohne Arbeit wollen selten neu starten
Nur vier Prozent der nicht erwerbstägigen Rentnerinnen und Rentner planen der Studie zufolge einen erneuten Arbeitsbeginn. Den Verzicht auf weitere Erwerbstätigkeit begründeten acht von zehn befragten Senioren damit, im Leben genug gearbeitet zu haben und über ein ausreichendes Haushaltseinkommen zu verfügen. Im untersten Einkommensviertel habe allerdings nur rund die Hälfte der Studienteilnehmer ein ausreichendes Einkommen als Grund dafür genannt, warum sie auf eine weitere Erwerbstätigkeit im Ruhestand verzichten, so IAB-Expertin Gundert. Dafür hätten von den Einkommensschwächeren zwei Drittel auch gesundheitliche Gründe für ihre Nichterwerbstätigkeit angegeben – fast doppelt so viele wie im obersten Einkommensviertel.
Insgesamt ist laut der Studie nur eine Minderheit der Rentnerinnen und Rentner erwerbstätig, überwiegend im jüngeren Ruhestandsalter: von den 65- bis 69-Jährigen etwa 15 Prozent, von den 70- bis 74-Jährigen rund 13 Prozent, bei den über 75-Jährigen nur noch zwei Prozent. Die Studie beruht nach Angaben der beteiligten Institute auf den Daten des IAB-Panels Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung (PASS). Darin werden jährlich Haushalte zu ihren sozialen und wirtschaftlichen Lebensverhältnissen befragt.