Ihre-Vorsorge Logo

Gesamtmetall warnt vor 15 Euro Mindestlohn - DIW wirbt dafür

Schaden 15 Euro Mindestlohn der Wirtschaft? Arbeitgeber und Wissenschaftler kommen zu ganz unterschiedlichen Ansichten.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Gesamtmetall warnt vor 15 Euro Mindestlohn - DIW wirbt dafür

© Nicht definiert

Umstrittenes Ziel im Blick: 15 Euro Mindestlohn pro Stunde. Quelle: Imago

Berlin (dpa). Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt die SPD vor einer von der Politik festgelegten Anhebung des Mindestlohns auf 15 Euro pro Stunde. “Eine politisch erzwungene Anhebung auf 15 Euro würde einen Anstieg in nur zehn Jahren von über 76 Prozent bedeuten. Damit können die Tariflöhne nicht Schritt halten”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Oliver Zander, der “Bild”. Seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns sei dieser um mehr als 50 Prozent von 8,50 Euro auf 12,82 Euro gestiegen. Die Tariflöhne hätten in der gleichen Zeit aber nur um 29 Prozent zugelegt.

Zander warnte, ein Mindestlohn von 15 Euro würde “in der längsten Wirtschaftskrise seit Gründung der Bundesrepublik schwere wirtschaftliche Schäden anrichten”. Die Folge seien massiv steigende Preise etwas beim Friseur, Bäcker oder in der Kneipe. “Auch viele Geschäftsaufgaben gerade in Ostdeutschland, weniger reguläre Stellen und mehr Schwarzarbeit wären die Folge”, sagte Zander. 

DIW-Chef: Höherer Mindestlohn macht die Wirtschaft produktiver

Dem widersprach das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). “Ein Mindestlohn von 15 Euro dürfte sich gesamtwirtschaftlich positiv für die deutsche Wirtschaft auswirken”, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der “Rheinischen Post” (Donnerstag). Die Haltung vertritt das Berliner Institut schon lange. Fratzscher argumentierte, ein höherer Mindestlohn bedeute mehr Konsum und ein stärkeres Wirtschaftswachstum. 

Die Erfahrung mit dem Mindestlohn zeige, dass eine deutliche Erhöhung zu einer Verschiebung der Beschäftigung hin zu solchen Unternehmen und Branchen führe, die einen höheren Mindestlohn zahlen können. Das bringe jenen, die das nicht können, wirtschaftliche Nachteile. “Für die gesamte Wirtschaft erhöht die Verschiebung jedoch die Effizienz und die Produktivität”, betonte der DIW-Chef. 

Koalitionsvertrag verweist auf Mindestlohnkommission

SPD-Generalsekretär Matthias Miersch hatte darauf verwiesen, dass 15 Euro Mindestlohn notfalls auch per Gesetz erreichbar seien, wenn die aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzte Mindestlohnkommission nicht dementsprechend handele. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wandte sich daraufhin gegen einen “politischen Mindestlohn”. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), erklärte: “Im Koalitionsvertrag haben wir eine gute Regelung gefunden. Daran sollten wir uns auch orientieren.” 

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist vereinbart, dass die maßgeblich von Arbeitgebern und Gewerkschaften besetzte Kommission unabhängig von der Politik arbeiten soll. Dabei soll sie sich im Rahmen einer Gesamtabwägung unter anderem sowohl an der Tarifentwicklung als auch an 60 Prozent des Bruttomedianlohns von Vollzeitbeschäftigten orientieren. “Auf diesem Weg ist ein Mindestlohn von 15 Euro im Jahr 2026 erreichbar”, heißt es im Koalitionsvertrag.

Laumann mahnt Kommission

Den nächsten Beschluss zur Anpassung der Höhe des Mindestlohns will die Mindestlohnkommission bis Ende Juni 2025 fassen. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann richtete mahnende Worte an das Gremium. “Die Mindestlohnkommission muss ein starkes Gremium bleiben, aber auch faire Empfehlungen aussprechen, die die Inflation und die Lebensrealität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wirklich im Blick haben. Hier hat sie zuletzt keine gute Arbeit geleistet”, sagte der CDU-Politiker dem “Tagesspiegel”. 2023 hatte es Ärger gegeben, denn die Empfehlung in der Kommission wurde erstmals nicht im Einvernehmen getroffen. Die Arbeitnehmervertreter hielten die Anhebung für zu niedrig, wurden aber überstimmt.

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
4 Minuten

53 Prozent fühlen sich psychisch belastet, 50 Prozent berichten von Fehlern bei der Medikation: Eine Umfrage zeigt, welche Schwierigkeiten pflegende Angehörige oft haben.

Time
2 Minuten

Pflegeheime verwahren Bargeld oft sicher für die Bewohner und zahlen es bei Bedarf aus. Das aber führt nicht selten zu Streit.

Time
3 Minuten

Der Gesetzentwurf zur Wohngeldreform fokussiert auf Vereinfachungen für Bürger und Verwaltung. Welche Änderungen geplant sind.

Time
2 Minuten

„Ich geh‘ dann mal in die Pause!“ In vielen Jobs geht das ganz flexibel. Prinzipiell können Vorgesetzte hier aber mitreden. Ein Anwalt erklärt kurz und kompakt, was rechtlich gilt.

Time
2 Minuten

Weil weniger Kinder geboren werden, besuchen auch weniger Kinder eine Kita. Das hat auch Folgen für die Einrichtungen.

Time
3 Minuten

Kinder krank, Anspruch erschöpft: Was Eltern tun können, wenn keine Kinderkrankentage mehr übrig sind – vom Übertragen bis zur unbezahlten Freistellung.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026