Ihre-Vorsorge Logo

IAB-Studie: Deutsche Kurzarbeiterregelung international konkurrenzfähig

Vor allem im Vergleich mit den USA und Australien schneidet das deutsche Kurzarbeitergeld gut ab. Es gibt aber auch Schwächen.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Ordner Kurzarbeitergeld mit Münzen, Geldscheinen, Taschenrechner und einem Stift.

© Nicht definiert

Nürnberg (dpa). Deutschlands Kurzarbeiterregelung hält dem internationalen Vergleich stand: Eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommt zu dem Schluss, dass die Stützung der Beschäftigung in der Corona-Krise über das Kurzarbeitergeld sinnvoll war. Im Ausland angewandten Modellen ist die deutsche Lösung in Teilen überlegen, wenngleich es auch Schwächen gebe, sagten die Autoren der Studie, IAB-Direktor Bernd Fitzenberger und IAB-Vize Ulrich Walwei im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir haben es in Deutschland bis Mitte 2021 sehr gut gemacht. Beim Ausstieg gibt es Verbesserungsmöglichkeiten.“ Andere europäische Länder hätten ihre Sonderkonditionen für die Pandemie zum Teil deutlich schneller zurückgefahren als Deutschland. Nicht geglückt sei in der Bundesrepublik auch die Verknüpfung von Kurzarbeit und Weiterbildung. Andererseits sei auch nicht der befürchtete Effekt eingetreten, dass nicht überlebensfähige Unternehmen mit staatlicher Unterstützung vorübergehend am Leben gehalten wurden. Es habe keine Insolvenz- oder Entlassungswelle nach der Kurzarbeit gegeben.

In Deutschland waren in der Spitze im April 2020 fast sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit. Die Bundesagentur musste allein im Jahr 2020 mehr als 20 Milliarden Euro für Kurzarbeitergeld auszahlen.

„Wir haben versucht Lehren zu ziehen, aus der Nutzung von Kurzarbeit in Deutschland und im Ausland“, sagte Fitzenberger. „Man sieht überall gewisse Erfolge, man sieht aber auch Grenzen.“ Die Frage sei: „Kann man einzelne Elemente sinnvoll übertragen?“, sagte Walwei.

US-Modell nicht nachahmenswert

Verglichen wurde das deutsche System mit den Kurzarbeiter-Hilfen in Italien, Spanien, Frankreich, Australien und den USA. Die Studie ergab, dass die außereuropäischen Modelle nicht nachahmenswert sind. In Australien wurde einfach ein Lohnkostenzuschuss an die Unternehmen gezahlt – mit der Folge erheblicher Mitnahmeeffekte derjenigen Betriebe, die das gar nicht nötig hatten. In den USA wurde in vielen Bundesstaaten gar keine staatliche Hilfe angeboten, sondern Arbeitslosigkeit vorübergehend in Kauf genommen.

Anderen europäischen Kurzarbeits-Systemen, wo die Zugänge während der Pandemie teils noch stärker erleichtert wurden als in Deutschland, sei es gelungen, schneller aus den Sonderregelungen wieder auszusteigen. In Italien sei etwa eine Regelung eingeführt worden, die es Unternehmen zur Pflicht macht, später höhere Beiträge in die Kurzarbeiterkasse einzuzahlen, wenn sie Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen.

Spanien habe dank einer großzügigen Kurzarbeiterregelung seine erste Rezession erlebt, in der der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes größer war als der Rückgang der Beschäftigung. In der Spitze seien 20 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit gewesen. Spanien hatte als erstes EU-Land schon im Juni 2020 den Status der Höheren Gewalt wieder auslaufen lassen und die Sonderregelungen sukzessive zurückgefahren. In Deutschland gilt der erleichterte Zugang noch bis Juni 2023.

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Die meisten Pflegebedürftigen werden daheim betreut. Immer mehr pflegende Angehörige könnten künftig laut einer Prognose dem Arbeitsmarkt verloren gehen – vor allem Frauen.

Time
4 Minuten

Privatversicherte bekommen in der Regel schneller Termine beim Facharzt als gesetzlich Versicherte. Die Forderungen nach einer Gleichbehandlung werden stärker. Doch der Reformweg bleibt umstritten.

Time
4 Minuten

Ein Sturz oder ein Überforderungsmoment zu viel: Das sind typische Vorgeschichten, wenn Familien sich auf die Suche nach einem Pflegeheimplatz für einen Angehörigen machen. Worauf kommt es an?

Time
3 Minuten

Ein Rahmenvertrag kann für Freelancer das Risiko der Scheinselbstständigkeit erhöhen. Und das hat unter Umständen Folgen für beide Seiten.

Time
2 Minuten

Die deutsche Wirtschaft erlebt laut einer Ifo-Studie einen „verschärften Strukturwandel“. In der Industrie gehen viele Stellen verloren. Ein Befund alarmiert die Wirtschaftsforscher besonders.

Time
3 Minuten

Was passiert, wenn Millionen Babyboomer ihre Wohnungen oder Häuser verkaufen, vererben oder schlicht sterben? Löst das den Wohnungsmangel in Deutschland? Eine neue Studie zeigt Fakten.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026