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It's a match: So klappt Jobsharing in der Praxis

Die 40-Stunden-Woche passt immer weniger in die Lebenskonzepte der Menschen. Jobsharing ist ein Modell, um das aufzufangen.

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Zwei Kolleginnen im Büro sitzen zusammen an einem Schreibtisch und schauen in ein Dokument.

© Nicht definiert

München (dpa/tmn). „Lydecca“, unter diesem Namen sind sie inzwischen bekannt. Lydia Leipert und Rebecca Zöller teilen sich eine Stelle: Sie koordinieren den Bereich „Film Digital“ beim Bayerischen Rundfunk. Jobsharing heißt das Modell, das die beiden praktizieren. Eine Position – und zwei Personen, die sie ausfüllen.

Neu ist das nicht, wirklich verbreitet aber noch nicht. Kein Wunder. Das Angebot, zwei Mitarbeiter auf eine Stelle zu setzen, kommt selten vom Arbeitgeber selbst. Vor allem, wenn es um Positionen mit Verantwortung geht. Da sind Initiative und Kreativität gefragt.

Leipert und Zöller sind beide Mütter von je zwei kleinen Kindern. Die Frauen kennen sich schon lange und hatten beim Bayerischen Rundfunk unter der gleichen Chefin gearbeitet. Als Lydia Leipert nach ihrer Elternzeit zurückkehrte, bot ihr Rebecca Zöller die Hälfte einer Vollzeitstelle im digitalen Bereich an. Ihre Chefin unterstützte den Gedanken.

Das Tandem will auch andere dazu ermuntern, das Modell Jobsharing zu verfolgen: „Als Mutter hat man da erstmal einen Makel auf dem Arbeitsmarkt. Man darf sich aber nicht mit irgendwas zufrieden geben, weil man in Teilzeit arbeiten möchte“, sagt Leipert.

Wie Duos ihren Arbeitgeber überzeugen

Wichtig sei, dem Arbeitgeber klar zu machen, dass zwei Personen auf einer Position zwar finanziell mehr als eine Stelle bedeuten. „Der Arbeitgeber bekommt aber auch mehr als 100 Prozent“, so Leipert. Ein weiteres Verkaufsargument: Es ist immer jemand da. Mit Urlaub und Abwesenheiten wechseln sich die Koordinatorinnen ab.

Das ist nicht der einzige Vorteil. Carola Garbe bildet zusammen mit Catherine-Marie Koffnit ein Führungsduo bei der DB Netz AG. Sie hat ein weiteres Argument, mit dem sich der Vorstand überzeugen lässt: „Wenn man zu zweit arbeitet, ist man sich gegenseitig auch Coach.“ Es bringe einen dazu, noch einmal über Entscheidungen oder Probleme nachzudenken. Davon profitiert nicht nur das Job-Team, sondern auch der Arbeitgeber.

Es braucht ihrer Erfahrung nach auf jeden Fall einen „Schlachtplan“ für die ersten Schritte. Mit wem sprechen wir wann? Wie können wir nach den ersten Gesprächen weitermachen? Diese Fragen sollte man sich schon vorab stellen.

Sharing-Modell nach eigenen Bedürfnissen

Es gibt verschiedene Ansätze für Jobtandems. Leipert und Zöller haben sich die Arbeitswoche untereinander aufgeteilt. Im Schnitt arbeiten sie jeweils etwa 12 Tage im Monat. „Bis 14 Uhr ist immer einer von uns beiden im Büro und es gibt einen Tag in der Woche, an dem wir zusammen da sind und Übergabe machen“, erklärt Leipert. Nachmittags hat jeweils eine der beiden Rufbereitschaft. Meetings nach 16 Uhr gibt es in der Regel nicht, denn beide müssen ihre Kinder abholen.

Ähnlich halten es Bianca Ebermayer und Eva Elsner. Bei Amazon hat das Führungsduo insgesamt sechs Teams unter sich. Beide arbeiten 30 Stunden pro Woche, haben also jeweils eine 75-Prozent-Stelle. Beide sind fünfmal die Woche am Arbeitsplatz, haben mal kurze und mal lange Tage. Mit Homeoffice-Tagen wechseln sie sich ab. Etwa 60 Prozent der Zeit überschneiden sie sich, schätzen die beiden. Der Jour fixe mit ihrem Vorgesetzten zum Beispiel findet immer gemeinsam statt: „Im Dreier-Konglomerat müssen immer alle Bescheid wissen“, betont Elsner.

Möglichst viel Freizeit am Stück

Während es für Eltern wichtig ist, Kita-Abholzeiten und Meetings unter einen Hut zu bekommen, hatte Carola Garbe von der DB Netz Agentur andere Gründe, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Sie wollte schlicht nicht mehr rund um die Uhr arbeiten, für Verabredungen nicht mehr drei Monate Vorlauf brauchen. Ihr Ziel: so viel Freizeit am Stück wie möglich.

Einen Karriereschritt zurückzugehen war aber auch keine Option. Deswegen hat sich die 56-Jährige eine Partnerin gesucht. Das Modell von ihr und Catherine-Marie Koffnit sieht so aus: Montags sind beide im Büro. „Da ist unser Übergabe-Tag“, erklärt Garbe. Donnerstag und Freitag sind die Partner abwechselnd da – jede zweite Woche hat eine der beiden also vier Tage frei. Garbe hat jetzt wieder mehr Zeit, ihren Kopf auszulüften, wie sie sagt. „Diese Selbstbestimmtheit ist sehr viel wert.“

Gesplittet wird auch nach Verantwortlichkeiten

Die Tandems splitten ihren Job nicht nur zeitlich, sondern auch nach Aufgaben. Ebermayer und Elsner etwa haben jeweils andere Hauptverantwortlichkeiten in Projekten. Bei Entwicklungsgesprächen mit Mitarbeitern sind aber jeweils beide an Bord. „Das lässt sich nicht aufteilen. Und wir versuchen mittlerweile insgesamt mehr gemeinsam zu machen – Sharing statt Splitting“, sagt Ebermayer.

Carola Garbe musste als Teil eines Jobtandems erstmal lernen, Macht abzugeben, wie sie sagt. „Man ist so konditioniert, dass Verantwortung nicht teilbar ist.“ Sobald sie aber realisiert hatte, wie sehr Kontrolle nach Misstrauen aussieht, habe sie damit aufgehört.

„Aber Mama hat gesagt...“

Wenn plötzlich zwei an der Spitze stehen und sich die Verantwortung teilen, macht das auch etwas mit dem Team. Dann wird das „Mama-Papa-Spiel“ beliebt: Wer glaubt, dass er bei einer Partnerin mit einem Anliegen nicht weiterkommt, geht zur anderen. Oder versucht etwas Druck aufzubauen, nach dem Motto „Aber Mama hat gesagt...“.

Carola Garbe hat ihrem Team deshalb klar gemacht: „Geht immer zu dem, bei dem ihr glaubt, dass ein Thema am besten ankommt. Ihr dürft das, aber euch muss klar sein, dass wir beide immer darüber sprechen.“

Damit es nicht zu Konflikten kommt, müssen sich die Tandems den Rücken frei halten. Vertrauen ist entscheidend. „Wir haben entschieden: Wir können einander vertreten, und stehen dann auch hinter der Entscheidung der anderen“, erzählt Ebermayer.

Matching: So findet man den richtigen Partner

Um auf Vertrauensbasis zu arbeiten, braucht es aber den richtigen Partner. Grundsätzlich gilt: „Jobsharing ist überall möglich“, wie Carola Garbe sagt. Aber es brauche Menschen, die loslassen können. „Und das geht manchmal persönlich nicht.“ Wenn sich ein Pärchen gefunden hat, sollte es sich ihrer Empfehlung nach ein paar Tage mit einem externen Berater zusammensetzen und alle wichtigen Themen durchsprechen. Ist das Modell finanziell für beide okay? Welchen Hintergrund bringt das Gegenüber mit?

Für Elsner von Amazon entsteht ein gutes Jobsharing-Duo dann, wenn beide Parts eine ähnliche Mentalität mitbringen. „Man muss nicht befreundet sein, aber ähnlich ticken.“ Beruflich sollte man gleiche Prinzipien verfolgen. Elsner und Ebermayer arbeiten beide „hands-on“, wie sie sagen.

Tut sich ein entscheidungsfreudiger Mensch mit einem zusammen, der alles immer durchdenken möchte, könnte es aber schwierig werden. Daneben sei Verständnis für die jeweilige private Situation des anderen wichtig – ganz egal, ob der Partner sich in seiner Freizeit Kindern, Hobbys oder pflegebedürftigen Eltern widmet.

Tools und IT müssen mitspielen

Wenn sich zwei eine Stelle teilen, kommen digitale Tools und Helfer zum Einsatz. Sie machen die Übergaben leichter. Das kann ein Trello-Board sein oder ganz simpel Whatsapp – für das schnelle Update vom Spielplatz in den Meetingraum.

Über die Frage, ob es eine oder zwei getrennte Mail-Adressen sein sollen, sind sich die Duos uneins. „Wir haben theoretisch neben unseren eigenen eine gemeinsame Mail-Adresse, die benutzen wir aber kaum“, erklärt Zöller vom BR. Stattdessen pflegen die beiden die „CC-Kultur“. Es sei aber wichtig klare Regeln aufzustellen, welche Mails in Kopie zu schicken sind und welche nicht.

Knifflig kann es für Führungskräfte werden, wenn Zugänge, etwa zu Personaldaten, nur für eine Person freigeschaltet werden können. Aber auch dann hilft nur Vertrauen weiter. Und etwas Lockerheit: „Das muss man mit einem Lächeln hinnehmen“, sagt DB-Netz-Mitarbeiterin Garbe. „Wenn dann mal vier Tage kein Zugriff auf ein Feedback-System ist, hat das auf den Zugverkehr keine Auswirkungen.“


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