Wiesbaden (dpa). Die Corona-Krise hat am deutschen Ausbildungsmarkt tiefe Spuren hinterlassen und zu einer anhaltenden Flaute geführt. Noch nie seit der Wiedervereinigung standen in Deutschland weniger junge Menschen in einem Ausbildungsverhältnis als zum Jahresende 2022, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch berichtete. Nur 1,216 Millionen Auszubildende sind auch das Ergebnis fehlender Praktika und Kontaktmöglichkeiten während der Pandemie, gleichzeitig aber auch Ausdruck einer schon länger anhaltenden Krise des dualen Ausbildungssystems.
Junge Menschen entscheiden sich immer seltener für eine duale Ausbildung: Trotz dringend benötigtem Fachkräftenachwuchs wurden im vergangenen Jahr mit 468.900 Verträgen deutlich weniger neue Ausbildungen begonnen als im letzten Vorkrisenjahr 2019 mit 510.900 Neuverträgen. Die geringe Steigerung um 0,6 Prozent gegenüber 2021 kann die Lücken der Vorjahre nicht ausgleichen. Zehn Jahre zuvor waren es noch fast 100.000 Neuverträge pro Jahr mehr (2011: 561.100).
Umfassender Fachkräftemangel in Handwerk und Pflege
Deutliche Rückgänge gab es bei den Handwerksberufen mit einem Minus von 2,3 Prozent. Im Bereich Industrie und Handel stieg die Zahl der Neuverträge in der Jahresfrist hingegen um 2,9 Prozent. Zum Jahresende 2022 befanden sich damit 1,22 Millionen Personen in den mehrjährigen Berufsausbildungen. Das waren noch einmal 3 Prozent weniger als im Jahr 2021.
Die duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule findet seit Jahren immer weniger Zuspruch und erfährt Konkurrenz durch akademische Bildungsangebote. Auch aus demografischen Gründen ist die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen seit Jahren rückläufig, während von Betrieben und Verbänden ein umfassender Fachkräftemangel beklagt wird – zum Beispiel im Handwerk oder in der Pflege.
Zugleich geht der Anteil der Ausbildungsbetriebe nach Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zurück. Die Bundesregierung plant in diesem Zusammenhang eine gesetzlich verankerte Ausbildungsgarantie mit Anreizen und außerbetrieblichen Angeboten.
