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Paus will Ende des Ehegattensplittings

Naht mit der Reform der Steuerklassen auch das Ende des seit langem umstrittenen Ehegattensplittings? Familienministerin Paus interpretiert das so – und erhält prompt vehementen Widerspruch.

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Lisa Paus, Bündnis90/Die Grünen, spricht im Bundestag

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Linda Paus (Die Grünen) sieht in der Steuerklassenreform den Startpunkt für die Abschaffung des Ehegattensplittings.

Berlin (dpa). Mit der geplanten Reform der Steuerklassen ebnet die Bundesregierung aus Sicht von Familienministerin Lisa Paus den Weg zu einer Abschaffung des Ehegattensplittings. „Der Abschied vom veralteten Instrument des Ehegattensplittings ist überfällig“, bekräftigte die Grünen-Politikerin in der „Bild“. „Es ist ein Instrument, das allein die klassische Ehe steuerlich begünstigt. Und das, obwohl vielfältige Familienmodelle längst Teil unserer Gesellschaftsrealität sind.“ Das FDP-geführte Finanzministerium wies Paus' Aussagen umgehend zurück: Das Splittingverfahren bleibe erhalten.

Bevorzugung von Eheleuten bei der Einkommensteuer?

Um das Ehegattensplitting gibt es seit Jahren immer wieder Diskussionen. Bei dem Verfahren wird das gemeinsame Einkommen eines Paares rechnerisch halbiert, die darauf entfallende Einkommensteuer berechnet und die Steuerschuld anschließend verdoppelt. Davon profitieren bei der Steuer vor allem Paare, bei denen einer viel und der andere wenig verdient. Begründet wird dies mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie. 

Mit dem Entwurf eines zweiten Jahressteuergesetzes 2024 hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) eine Reform bei den Steuerklassen auf den Weg gebracht. In ihrem Koalitionsvertrag hatten SPD, Grüne und FDP vereinbart, dass statt der Steuerklassen 3 und 5 künftig das sogenannte Faktorverfahren in Steuerklasse 4 genutzt werden soll. Damit werde die Lohnsteuerbelastung gerechter auf die Eheleute, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner verteilt, heißt es im Gesetzentwurf. 

Finanzministerium: Keinerlei Pläne zur Abschaffung des Ehegattensplittings

Paus sagte, dies sei „gleichzeitig der Startpunkt in Richtung Abschaffung des Ehegattensplittings.“ Im Finanzministerium sieht man das allerdings anders. „Das Gegenteil der Einschätzung von Ministerin Paus ist der Fall“, hieß es. „Es gibt keinerlei Pläne oder auch nur politischen Willen zur Abschaffung. Ministerin Paus spricht nicht für die Bundesregierung, sondern nur für die Grünen.“

Paus sagte der Deutschen Presse-Agentur, als Frauen- und Familienministerin sei es ihre Aufgabe, auf negative Auswirkungen des Ehegattensplittings hinzuweisen. „Es setzt falsche Erwerbsanreize für Frauen, führt zu einer hohen Teilzeitbeschäftigung mit Folgen wie geringere Lohnersatzleistungen bei Kurzarbeitergeld oder Erwerbslosigkeit und auch zu geringen Rentenansprüchen und mehr Altersarmut bei Frauen.“ Eheleute, die heute vom Splitting profitierten, dürften bei einer Abschaffung aber keine Nachteile haben. Dafür seien Übergangsregelungen nötig.

FDP sieht Gefahr einer massiven Steuererhöhung

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai betonte, die Abschaffung des Ehegattensplittings käme einer massiven Steuererhöhung gleich. „Das ist mit der FDP nicht zu machen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die finanzpolitische Sprecherin der Unionsfaktion im Bundestag, Antje Tillmann (CDU), betonte, es bestehe objektiv überhaupt kein Sachzusammenhang zwischen einer Reform der Steuerklassen und einer Abschaffung des Ehegattensplittings. „Wir werden auch nicht zulassen, dass ein solcher Zusammenhang hergestellt wird“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. 

SPD hält Ehegattensplitting für ein „Relikt aus alter Zeit“

Die SPD-Familienpolitikerin Leni Breymaier zeigte dagegen Sympathie für die Abschaffung des Ehegattensplittings. Dieses sei ein Relikt aus alter Zeit, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es „stärkt das Alleinverdienermodell und Minijobmodell mit allen Nachteilen für die Ehefrauen – spätestens im Alter“. Für die SPD sei klar: „Wir wollen Familien mit Kindern stärken, nicht Ehen.“
 


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