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Was die Dax-Erweiterung für Sparer bedeutet

Von 30 auf 40: Deutschlands wichtigster Börsenindex wird erweitert. Für Anleger lohnt es sich, deshalb einmal genau auf den Dax zu schauen.

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Deutsche Börse Frankfurt, Börsensaal. Bild: IMAGO / Westend61 /  imago stock&people

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Wie verändert sich der Dax durch die Erweiterung?

Der deutsche Leitindex wächst um zehn Mitglieder von 30 auf 40. Dadurch wird innerhalb des Börsenbarometers der Gesundheitssektor gestärkt, weil drei Unternehmen aus dieser Branche dazu kommen: Siemens Healthineers (Medizintechnik), Sartorius (Laborausrüster) und Qiagen (Biotechnologie). Weiter an Gewicht gewinnt auch der Industriesektor durch den Flugzeugbauer Airbus und den Chemikalienhändler Brenntag. Ein Autowert kommt mit Porsche dazu, BMW, Daimler, VW sind ja schon drin. Außerdem wird der Dax zumindest etwas digitaler, weil Zalando (Internethändler) und Hellofresh (Lebensmittel-Lieferservice) den Dax verjüngen. Außerdem neu dabei: Symrise (Duftstoffe) und Puma (Sportartikel).

Wie schwer wiegt die Dax-Erweiterung?

Die Anlageprofis sind sich einig: Die Umstellung ist eher ein Reförmchen als eine Reform. Der Grund: Die zehn neuen Werte werden einen Anteil von maximal 15 Prozent im Dax innehaben. Allein Airbus dürfte dabei auf nicht ganz fünf Prozent kommen. Die Aufsteiger werden deshalb den Kurs des Index eher unmaßgeblich beeinflussen.

Wie wirkt sich die Dax-Erweiterung auf den Indexstand aus?

Anleger und Anlegerinnen müssen sich keine Sorgen machen: Mit den zehn Neulingen springt der Kurs des Index nicht auf einmal zum Beispiel 200 Punkte nach oben oder gar nach unten. Nur die Gewichte verschieben sich etwas: Die Gewichtung der Alt-Mitglieder wird etwas geringer, damit die Neulinge einrücken können. Das Dax-Niveau verändert sich dadurch nicht. Auch wird der Dax nicht riskanter, das zeigen zumindest Berechnungen der Deutschen Börse, die die Dax Schwankungen eines Dax 30 mit denen eines fiktiven Dax 40 verglichen hat.

Was passiert bei ETFs, die den Dax und den MDax nachbilden?

Die börsengehandelten Exchange Traded Funds (ETF) werden in Deutschland bei Privatanlegern immer beliebter. Viele haben in ETFs, die die Wertentwicklung des Dax nachbilden, Geld gesteckt oder sparen in die Dax-ETFs monatlich an. Diese Anleger müssen wegen der Dax-Umstellung nichts tun.

Die Anbieter der ETFs, die Deutschlands wichtigsten Börsenindex physisch, also mit tatsächlichen Werten und nicht über Derivate nachbilden, kaufen nicht am Tag der Umstellung selbst und lösen damit womöglich nicht gewünschte Preisturbulenzen aus. Die ETF-Anbieter besorgen sich die Aktien über Partner bereits vorher, kaufen und verkaufen im Hintergrund ein, so dass ihre Portfolios pünktlich zum 20. September entsprechend der neuen Dax-Zusammensetzung gewichtet sind. 

Das gleiche gilt für die wenigen ETFs, die sich am MDax orientieren. Der MDax schrumpft von 60 auf 50 Mitglieder, weil der deutsche Nebenwerte-Index seine zehn gemessen am Börsenwert schwersten Unternehmen an den Dax verliert. Auch hier wird schon im Vorfeld gekauft und verkauft, Privatanleger mit den entsprechenden ETFs müssen sich zumindest deswegen keine Sorgen machen.

Warum gilt der Dax für ETF-Anleger nur als bedingt geeignet?

Die Liebe zum Heimatland beeinflusst auch Geldanleger. Nicht nur die Deutschen setzen deshalb vorwiegend auf Aktien aus dem eigenen Land.

Damit verbunden ist jedoch ein sogenanntes Klumpenrisiko: Läuft die heimische Wirtschaft schlecht – der Dax vereint in sich derzeit etwa zwei Drittel des Börsenwerts aller Unternehmen im regulierten Aktienmarkt – leiden darunter wahrscheinlich nicht nur die Aktien im Dax. Schlimmstenfalls sind auch in großem Umfang Jobs gefährdet – und damit auch die der Anleger.

Der Dax gilt als wenig innovativ, weil aussichtsreiche Digitalunternehmen im Gegensatz zur alten Industrie eher schwach in dem Börsenbarometer vertreten sind.

Kritisch wird außerdem gesehen, dass eine kleine Gruppe von Schwergewichten den Kursverlauf des Dax dominiert, wie Allianz, SAP, Telekom oder Siemens, während auf der anderen Seite Weltmarktführer aus dem deutschen Mittelstand fehlen.

Hinzu kommt ein Problem, das sich auch durch die Reform nicht ändert: Die meisten Leitbarometer weltweit bilden nur die Kursgewinne ab. Bei dem Punktestand des Dax, den man aus den Nachrichten im TV und Radio kennt, sind hingegen die ausgezahlten Dividenden zusätzlich eingerechnet. Dieser Dividenden-Dax hat sich seit der Jahrtausendwende in etwa verdoppelt, der Dax ohne Dividenden hingegen nur etwa 25 Prozent zugelegt. Die Süddeutsche Zeitung spricht deshalb sogar vom „Etikettenschwindel“.

Was bedeutet die Dax-Reform für den MDax?

Hier sind sich die Marktbeobachter uneinig: Die einen verweisen auf den Bedeutungsverlust und eine „Verzwergung“ des MDax, wenn der Index auf einen Schlag die wichtigsten zehn Mitglieder verliert. Die anderen argumentieren, Anleger müssten deshalb den Nebenwerteindex nicht abschreiben. Ihr Argument: Im MDax haben künftig wieder kleinere, wendigere Unternehmen mehr Gewicht, die in bestimmten Wirtschaftsnischen besonders gut sind.

Verbunden ist damit ein höheres Risiko von Kursverlusten – aber auch die Chance auf höhere Kursgewinne. In der Vergangenheit jedenfalls sind ETF-Sparer mit dem MDax deutlich besser gefahren als mit dem Dax. Der MDax legte seit seinem Start im Januar 1996 etwa doppelt so viel zu wie der Dax.

Was raten Experten ETF-Anlegern?

Anleger sollten mit ihren ETFs nicht allein auf den Dax oder MDax setzen. Vielmehr sollten deutsche Aktien innerhalb eines Portfolios eher eine kleine Beimischung sein, von nicht mehr als zehn Prozent. Um das Risiko zu streuen und das Depot ausgewogener zu mischen, raten Experte zu ETFs, die breiter angelegte Indizes nachbilden wie den MSCI World mit 1600 Aktien von Industrieländern oder MSCI All Country World mit knapp 3000 Aktien weltweit inklusive Schwellenländer.


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