Wie hoch ist mein Vorsorgebedarf?
Ohne zusätzliche Vorsorge reicht die Rente im Alter nicht. Diese Aussage dürften die meisten Renten-Experten unterschreiben, denn so wichtig die gesetzliche Rente als fester Baustein der Alterssicherung auch ist: Als einzige Einnahmequelle im Alter wird sie den gewohnten Lebensstandard nicht mehr bieten können. Dann wird schnell vom Vorsorgebedarf oder der „Rentenlücke” gesprochen. Aber wie groß ist meine Vorsorgebedarf eigentlich? Wie berechne ich ihn? Eine Anleitung zum Selberrechnen.
Einkünfte berechnen
Wenn man die Rentenlücke definieren will, dann werden die meisten sie als Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen vor Rentenbeginn und der Rente beschreiben, die für das Alter schon heute eingeplant werden kann.
Wer in zwei Jahren in Rente geht, der wird diese „planbare Rente“ recht gut abschätzen können. Bei einem Rentenbeginn in 20, 30 oder gar 40 Jahren sieht das anders aus. Hier muss man tatsächlich selbst ein wenig nachrechnen. Das hört sich aber nach mehr Arbeit und Aufwand an, als es wirklich ist. So gehen Sie vor:
Nehmen Sie Ihr heutiges Einkommen und schlagen Sie pro Jahr bis zum Rentenbeginn zwei Prozent auf die Summe auf. Damit dürften Sie einen Anhaltspunkt haben, wie hoch Ihr Einkommen mit 67 Jahren sein wird.
Beispiel: Sie sind heute 40 Jahre jung und verdienen 2.600 Euro netto. In 27 Jahren gehen Sie in Rente, sodass Ihr Einkommen dann nach dieser Rechnung bei 4.400 Euro und damit 70 Prozent höher als heute liegt. Zum Berechnen eignet sich zum Beispiel der Zinsrechner von zinsen-berechnen.de. Geben Sie dort als Anfangskapital das Einkommen heute an und als Zinssatz die Gehaltssteigerung, die Sie im Schnitt pro Jahr erwarten. Zusammen mit der Anzahl der Jahre bis zur Rente als Laufzeit berechnen Sie Ihr voraussichtliches Einkommen kurz vor Rentenbeginn.
Auf der anderen Seite stehen alle Alterseinkünfte, die im Alter voraussichtlich zur Verfügung stehen. Das kann insbesondere der Anspruch auf die gesetzliche Rente sein, der Anspruch aus einer Riester-Rente, einer Betriebsrente oder auch Mieteinnahmen einer dann abbezahlten Eigentumswohnung.
Von der Deutschen Rentenversicherung erhalten Versicherte ab 27 Jahren einmal pro Jahr die Renteninformation. Darin finden Sie eine Prognose über die voraussichtliche Höhe Ihrer Bruttorente. Davon müssen Sie noch etwa 11 Prozent für Kranken- und Pflegeversicherung abziehen. Aber was ist mit der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge?
Hier soll die neue digitale Rentenübersicht für Überblick sorgen. In dem frisch gestarteten Online-Portal fließen auch Standmitteilungen zum Beispiel aus privaten Verträgen ein. Das Angebot befindet sich allerdings noch im Aufbau. Bislang sind nur wenige Anbieter vertreten.
Bedenken Sie außerdem
- dass Sie im Alter unter Umständen auch Steuern zahlen müssen. Ausführliche Information dazu finden Sie in unserem Ratgeber Abgaben und Steuern auf Renten.
- dass durch die Inflation Ihre Rente weniger wert sein wird als heute. Nutzen Sie den Renteninflationsrechner auf ihre-vorsorge.de, um den Kaufkraftverlust abzuschätzen.
Beispiel
- Aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten Sie voraussichtlich eine Rente von 1.550 Euro, die Betriebsrente beträgt 760 Euro, die private Rentenpolice zahlt garantiert 435 Euro und die Miete für die Eigentumswohnung beträgt im Alter nach Abzug der Kosten rund 550 Euro.
- Das macht zusammen 3.295 Euro, von denen zur Sicherheit 15 bis 20 Prozent abgezogen werden sollten für die mögliche Steuerbelastung. Verbleiben also rund 2.600 Euro Alterseinkünfte.
- Jetzt ziehen Sie einfach von Ihrem Einkommen mit 67 die Summen ab, die Sie im Alter sicher haben. Die Differenz ist Ihre Rentenlücke.
- Im Beispielsfall würde die Rentenlücke 1.800 Euro betragen, weil von den etwa. 4.400 Euro Einkommen kurz vor Rentenbeginn 2.600 Euro bereits abgedeckt sind.
Dieser Wert ist nur ein Anhaltspunkt und kann schwanken, auch, weil einige Faktoren auf lange Sicht unberechenbar sind. So kann es sein, dass Sie später doch mehr Geld verdienen als geplant oder die Vermiet-Immobilie höhere Nebenkosten hat als geplant.
Und natürlich werden viele Menschen im Alter auch mit weniger Geld über die Runden kommen als im Erwerbsleben, weil Kosten wegfallen – etwa für Raten für den Immobilienkredit, die Fahrten zur Arbeit oder bestimmte Versicherungen. Als Faustregel gilt: Rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens reichen im Rentenalter meist aus.
Wie fülle ich die Rentenlücke?
Nehmen wir trotz aller Unwägbarkeiten einmal die Rentenlücke von 1.800 Euro als Beispiel. Und nehmen wir an, Sie wollen diese 1.800 Euro als Zusatzrente für 25 Jahre sicher haben. Dann benötigen Sie bei einem Zinssatz von drei Prozent im Alter rund 380.000 Euro Kapital.
Den eigenen Kapitalbedarf kann man mit einem Entnahmeplan-Rechner, zum Beispiel auf zinsen-berechnen.de berechnen.
Ein Riesenbatzen Geld – dieser Gedanke geht jedem durch den Kopf, wenn er schwarz auf weiß sieht, wie viel Geld bis zum Alter angespart werden muss. Aber das Geld muss natürlich nicht von heute auf morgen angespart werden, sondern dafür sind meist ja noch Jahre und Jahrzehnte Zeit. Trotzdem sollte man ausrechnen, wie hoch die monatliche Sparrate sein muss, um das erforderliche Kapital aufzubauen.
Der wichtigste Faktor dabei ist der Zins und der Zinseszins. Denn ohne den müsste man für die 380.000 Euro im Monat über 1.000 Euro sparen – das dürfte bei den meisten eher unrealistisch sein.
Bei einer Jahresrendite von sechs Prozent erreichen Sie die 380.000 Euro nach 27 Jahren hingegen mit einer monatlichen Sparrate von „nur“ knapp 600 Euro, wenn man die steuerlichen Belastungen einrechnet. Wären heute bereits 25.000 Euro Kapital vorhanden, die mit gespart werden, sinkt die Sparrate auf knapp 465 Euro. Bei 50.000 Euro sind es nur noch 334 Euro.
Wie finde ich die passende Vorsorge?
Sechs Prozent Rendite – wer zahlt so viel Zinsen? Tatsächlich wird niemand diese Zinsen zahlen, selbst, wenn die Zinsen jetzt gerade deutlich ansteigen. Diese Rendite muss sich jeder Sparer selbst erarbeiten. Und das gelingt am besten mit Geldanlagen, die an der Börse die Möglichkeit haben, solche Renditen auch tatsächlich auf längere Anlagedauer zu erreichen.
Ob man sich als Sparer jetzt selbst daran macht, sein Portfolio zusammenzustellen oder eine fondsgebundene Versicherungslösung wählt oder den Anlageberater die Entscheidungen treffen lässt, muss jeder für sich entscheiden. Wer sich aber selbst mit seiner Rentenlücke beschäftigt und damit, wie er sie am besten stopft, der kommt schneller zum Ziel, weil die Kosten geringer und die Rendite damit höher ist.
Lassen Sie sich beraten
Die Deutsche Rentenversicherung berät kostenlos, neutral und unabhängig zu allen Fragen der Altersvorsorge, also nicht nur zur gesetzlichen. Hier erfahren Sie auch, wie der Staat die Altersvorsorge fördert. Vereinbaren Sie am besten einen Termin für eine ausführliche und individuelle Beratung.
Die Deutsche Rentenversicherung berät Sie zu Ihren Fragen der Altersvorsorge – kostenlos und vollkommen unabhängig. Was Sie dazu mitbringen müssen, erklärt Jacqueline Müller von der Deutschen Rentenversicherung.
Praktische Rechner
- Renteninflationsrechner auf ihre-vorsorge.de
- Sparbetrag berechnen mit Sparrechner-Rechner auf zinsen-berechnen.de
- Kapitalbedarf berechnen mit Entnahmeplan-Rechner auf zinsen-berechnen.de
- Finanzbedarfs-Rechner der Stiftung Warentest
