Berlin (sth). Deutlich mehr Erwerbstätige im Alter von über 60 Jahren haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass viele Seniorinnen und Senioren heute über auskömmliche Alterseinkünfte verfügen. Das geht aus der Daten-Basis für den alle vier Jahre neben dem jährlichen Rentenversicherungsbericht von der Bundesregierung vorgelegten “Alterssicherungsbericht” hervor - zuletzt im Herbst 2024. Der Bericht beschreibt die Einkommenssituation der Menschen über 60 Jahren in Deutschland. Die umfangreiche Daten-Grundlage dafür entstammt einer ebenfalls alle vier Jahre erstellten Studie unter dem Titel “Alterssicherung in Deutschland (ASID)”. Die jüngste ASID-Untersuchung mit Daten aus dem Jahr 2023 hat das zuständige Bundesarbeitsministerium (BMAS) jetzt veröffentlicht.
Für die neue Studie befragten Wissenschaftlerinnen und Forscher des Bonner infas-Instituts im Auftrag des BMAS insgesamt knapp 32.000 deutsche und ausländische Menschen ab 60 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet nach ihren finanziellen Verhältnissen, darunter
- 11.616 in einem Haushalt zusammenlebende Paare,
- 5.956 alleinstehende Frauen und
- 2.708 alleinstehende Männer.
Damit auch Befragte mit ausländischer Herkunft und geringen Deutschkenntnissen unmissverständliche Antworten zu ihrer Einkommenslage abgeben konnten, nutzten die Sozialforscher neben Fragebögen in deutscher Sprache auch solche in den Sprachen Polnisch, Türkisch, Russisch, Italienisch, Englisch und Kroatisch.
Fast 25 Millionen Menschen hierzulande sind über 60 Jahre alt
Im Jahr 2023 lebten der “ASID"-Studie zufolge insgesamt rund 24,7 Millionen Menschen im Alter ab 60 Jahren in Deutschland. Der Anteil der Frauen belief sich demnach auf 55 Prozent, der Anteil der Männer auf 45 Prozent. In Ostdeutschland lebten 4,7 Millionen Menschen ab 60 Jahre (19 Prozent aller Senioren), in Westdeutschland rund 20 Millionen (81 Prozent). In Ostdeutschland lag der Frauenanteil im vorvergangenen Jahr mit 58 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 55 Prozent.
Eine wesentliche Erkenntnis der Studie war laut BMAS, dass die Erwerbsbeteiligung von Menschen zwischen 60 und 65 Jahren “in den vergangenen 20 Jahren sehr stark zugenommen” hat. “Drei Viertel der Männer und zwei Drittel der Frauen dieser Altersgruppe sind (noch) erwerbstätig”, heißt es in der 155-seitigen Studie. Bei den Männern habe sich die Erwerbstätigenquote von 31 Prozent im Jahr 2003 “auf 75 Prozent mehr als verdoppelt”.
Erheblich mehr Frauen sind vor Rentenbeginn berufstätig
Bei den Frauen stieg der Anteil der Erwerbstätigen über 60 Jahren demnach “noch deutlich stärker”. Seien 2003 nur 11 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe einer Erwerbstätigkeit nachgegangen, so waren es laut der Studie 2023 bereits 67 Prozent. “Die Erwerbsbeteiligung der Frauen in dieser Altersgruppe nähert sich weiter der Beteiligungsquote der Männer an”, stellten die Forschenden fest. Ursache für die zunehmende Erwerbsbeteiligung älterer Beschäftigter sei die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre.
Für die insgesamt gute Altersversorgung älterer Menschen ebenfalls bedeutsam ist der ASID-Studie zufolge die im Schnitt gestiegene Zahl der Erwerbsjahre vor Rentenbeginn - allerdings mit unterschiedlichen Trends bei Männern und Frauen sowie zwischen West und Ost. Für die ostdeutschen Männer betrug die Erwerbszeit demnach unverändert im Schnitt etwa 42 Jahre, Männer in Westdeutschland arbeiteten 2023 vor dem Ruhestand aber nur noch 39 statt 43 Jahre (im Jahr 2003). “Bei den ostdeutschen Frauen ist es umgekehrt”, heißt es dagegen. Hätten sie 2003 noch von durchschnittlich 37 Erwerbsjahren berichtet, seien es 2023 etwa 41 Jahre gewesen. Erheblich mehr Erwerbsjahre seien vor allem bei den westdeutschen Frauen zu verzeichnen, schreiben die Studienautoren. “Blickten sie 2003 noch auf 25 Erwerbsjahre zurück, sind es 2023 zwölf Jahre mehr.”
