München (tö). Obwohl der Kostendeckel bei der neuen staatlich geförderten privaten Altersvorsorge von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt wurde, können Anleger mit einem geförderten Altersvorsorgedepot sogar schlechter abschneiden als beim Sparen mit einem kostenfreien Depot ganz ohne jede Staatsförderung. Das zeigen aktuelle Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox. Anlegende, die von der neuen, teilweise verbesserten Förderung von 2027 an profitieren wollen, sollten deshalb in Ruhe Angebote prüfen und dabei nicht zuletzt auf die Kosten schauen.
Die Reform der staatliche geförderte privaten Altersvorsorge, die die bestehende Riester-Rente ablösen wird, ist beschlossene Sache. Vorsorgesparerinnen und Sparer erhalten nun die Möglichkeit, in ein staatlich organisiertes Standardprodukt zu investieren und – anders als bei der alten Riester-Förderung – ihr Geld künftig ohne teure Beitragsgarantien anlegen und zum Beispiel in einen weltweit breit gestreuten ETF-Sparplan anlegen zu können. Die Konditionen stehen dafür noch nicht fest. Die jährlichen Kosten für das staatlich organisierte Standardprodukt dürften jedoch sehr gering sein, und angelehnt an den Kosten für ETFs, die Marke von 0,2 Prozent pro Jahr eher womöglich sogar deutlich unterschreiten. Gleichzeitig werden von 1. Januar 2027 an viele neue Angebote von Anbietern aus der Finanzindustrie auf den Markt kommen, für die es ebenfalls die staatliche Förderung gibt. Für diese gilt ein Kostendeckel von 1,0 Prozent. Sie dürfen also nicht mehr als ein Prozent jährliche Kosten verursachen. Zur Erklärung heißt es auf der Homepage des Bundesfinanzministeriums: “Erzielt die Vermögensanlage Ihres Vertrags beispielsweise eine Rendite von 5 Prozent vor Kosten und betragen die Effektivkosten 1,0 Prozent, kommen Sie auf eine Nettorendite von 4 Prozent.” Doch was nach nicht viel klingt, kann für die Sparenden sehr teuer werden, wie die Modellrechnungen von Verivox zeigen.
Bis zu 149.000 Euro mehr dank staatlicher Förderung
Verivox rechnet nun so: Unterstellt ist zunächst eine durchschnittliche Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr. Das entspreche der historischen Durchschnittsrendite des Weltindex MSCI World abzüglich marktüblicher ETF-Kosten, so Verivox. Steuern bleiben in der Betrachtung laut dem Vergleichsportal unberücksichtigt. Das hängt mit der Besteuerung der staatlich geförderten Altersvorsorgeverträge zusammen. Im Bundesfinanzministeriums heißt es dazu: “Während der Ansparphase erfolgt keine Besteuerung von Wertsteigerungen und Erträgen in den Altersvorsorgeverträgen. In der Ansparphase fallen somit keine steuerpflichtigen Kapitalerträge an. Besteuert werden die Leistungen aus diesen Verträgen erst nachgelagert– also während der Auszahlungsphase.”
Was kommt nun bei den Modellrechnungen heraus?
Beispiel eins: Ein heute 25-jähriger Sparer kann bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren rund 496.000 Euro Vermögen ansparen, wenn er jeden Monat 150 Euro in einen ETF-Sparplan mit 7,5 Prozent Jahresrendite investiert. Voraussetzung ist, dass für den Sparplan ein Wertpapierdepot ohne jährliche Gebühren verwendet wird, bei dem auch die monatlichen Sparplanausführungen kostenfrei sind. Bei einer Anlage im neuen geförderten Altersvorsorgedepot könnten die monatlichen Sparbeträge durch die staatlichen Zuschüsse laut Verivox noch 45 Euro höher ausfallen. Ohne Berücksichtigung jedweder Kosten beliefe sich der Depotwert bei Rentenbeginn in diesem Fall auf knapp 645.000 Euro. Durch die staatlichen Zuschüsse hätten Anleger am Ende der Ansparphase somit 149.000 Euro mehr als beim Sparen ohne Förderung.
Beispiel zwei: Eine heute 45-Jährige käme bei einem entsprechenden Sparplan ohne Förderung bis zur Rente auf rund 98.000 Euro. Mit Hilfe der staatlichen Zuschüsse würde zu Beginn des Ruhestands mit 67 Jahren ein Vermögen von immerhin 127.000 Euro herausspringen. In beiden Fällen tragen die staatlichen Zuschüsse also erheblich dazu bei, dass Anlegende bis zur Rente deutlich mehr Vermögen aufbauen können, als sie dazu aus eigener Kraft in der Lage wären.
Wie aber würde die Rechnung aussehen, wenn die maximale Kostenquote von 1,0 Prozent erreicht wird?
Im Beispiel zwei hätte die heute 45-Jährige beim geförderten Altersvorsorgedepot mit jährlichen Kosten von 1,0 Prozent bis zum Renteneintritt aufgerundet 111.000 Euro Vermögen angespart. Das sind 16.000 Euro weniger als mit dem kostenfreien Sparplan. In den 22 Jahren bis zum Ruhestand sind also Gesamtkosten von rund 16.000 Euro abgeflossen.
Ist die Sparphase länger, wirken sich die Kosten noch gravierender aus. Im Beispiel eins würde der heute 25-Jährige bei 1,0 Prozent jährlichen Kosten in den verbleibenden 42 Jahren bis zur Rente insgesamt knapp 480.000 Euro Vermögen ansparen. Das sind verglichen mit dem kostenfreien Sparplan – auf Grund der jährlichen Abzüge wegen der Kosten – 165.000 Euro weniger. Die knapp 480.000 Euro liegen sogar noch rund 16.000 Euro unter dem Wert, den der Anleger beim Sparen ganz ohne Förderung mit einem kostenfreien Wertpapierdepot und Sparplan erzielt hätte.
Da die privaten Anbieter künftig in den Wettbewerb mit dem staatlich organisierten Angebot treten müssen, gilt es als wahrscheinlich, dass sie den Kostendeckel von 1,0 Prozent (deutlich) unterschreiten werden. Trotzdem wird jedes zusätzliche Zehntel hinter dem Komma mitentscheidend dafür sein, was beim langfristigen Sparen mit einem staatlich geförderten Vorsorgevertrag am Ende herauskommt. Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier rät deshalb: “Bei der Auswahl ihres Altersvorsorgedepots sollten Verbraucher die Kosten sehr genau im Blick haben. Es ist wichtig, ein Produkt zu wählen, das den gesetzlichen Deckel nicht voll ausreizt”, sagt Oliver Maier. “Kosten in Höhe von 1 Prozent klingen zwar überschaubar. Doch über die Jahre und Jahrzehnte fließt bei dieser Kostenquote so viel Vermögen ab, dass es die gesamte staatliche Förderung mehr als aufzehren kann.”
Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge auf der Website des Bundesfinanzministeriums
Wie man künftig fürs Alter vorsorgen kann
Wie hohe Kosten bei der Altersvorsorge besonders junge Sparer belasten
