München (tö). Die geplante Obergrenze bei den Kosten für die staatlich geförderte, private Altersvorsorge würde vor allem junge Vorsorgesparinnen und Sparer belasten. Dies geht aus Berechnungen des Versicherungsmathematikers und früheren Chefs des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, hervor. Er rechnet vor, dass dann einem heute 20-jährigen mehr als ein Drittel dessen, was er einzahlt, als Kosten abgezogen werden. Vorgesehen ist laut dem Gesetzesentwurf des Bundesfinanzministeriums ein Kostendeckel von 1,5 Prozent. “Dieser Kostendeckel ist zu hoch und ein Freifahrtschein, besonders junge Kunden zu schröpfen”, sagte der Versicherungsexperte. Der Bundesrat und die Verbraucherzentralen hatten in Stellungnahmen den Kostendeckel ebenfalls als zu hoch kritisiert.
Der Kostendeckel soll die sogenannten “Effektivkosten” auf jährlich 1,5 Prozent für das in dem Entwurf vorgesehene Altersvorsorge-Standarddepot beschränken. Das sieht auf den ersten Blick nach wenig aus. Tatsächlich ist die Kostenbelastung enorm.
Beispiel: Die Einzahlungen in einen Vorsorgevertrag bringen eine jährliche Rendite von fünf Prozent. Bei Effektivkosten von 1,5 Prozent pro Jahr bleiben nur jährlich 3,5 Prozent tatsächliche Rendite. In absoluten Zahlen gerechnet bedeutet dies laut Kleinlein: Ein Kunde zahlt monatlich 100 Euro ein. Würden bei einem kostenlosen Vertrag bei einer Laufzeit von 47 Jahren und einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent pro Jahr knapp 220.000 Euro zusammenkommen. Bei Kosten von 1,5 Prozent im Jahr entgehen dem Sparer allerdings gut 78.000 Euro, so dass er nur gut 141.000 Euro im Alter 67 zur Verfügung hat.
“Durch den Zinseszinseffekt schlagen die Effektivkosten bei langen Laufzeiten besonders stark zu”, warnt Kleinlein. Rechnerisch wirkten Kosten von 1,5 Prozent so, als ob man nicht 100 Euro, sondern 64,25 Euro in einen kostenfreien Sparvertrag monatlich einzahlt beziehungsweise Kosten in Höhe von monatlich 35,67 Euro abgezogen werden. “Die Angabe der Effektivkosten ist nur für einen Finanzmathematiker wirklich verständlich und geben kein Gefühl für die echte Kostenbelastung”, sagt der Versicherungsfachmann. Würde hingegen ein heute 50-jähriger bei fünf Prozent Verzinsung und Effektivkosten von 1,5 Prozent ebenfalls bis 67 sparen, so fällt die Rechnung anders aus. Die Kosten wirken nun so, als würden ihm von den 100 Euro monatlich nur 12,75 Euro für Kosten abgezogen werden (siehe Tabelle).
“Wenn wir besonders junge Menschen dazu animieren wollen fürs Alter vorzusorgen, dann müssen die Kosten runter”, forderte Kleinlein. “Altersvorsorge sollte sich besonders für junge Menschen lohnen und nicht ihre Jugend bestrafen.” Besser wäre ein Kostendeckel bezogen auf den Sparbeitrag. “Nur wenn klar ist, welcher Anteil meines Sparbeitrags für Kosten abgezogen wird, dann kann ich günstige oder teure Verträge erkennen”, sagte Kleinlein.
Wie Effektivkosten von 1,5 % pro Jahr besonders junge Sparer treffen
| Alter, in dem das Sparen anfängt | Angespartes Kapital zu Rentenbeginn | wegen Kosten entgangenes Kapital | Kosten auf Beitrag von 100 Euro |
| 20 Jahre | 141.031,61 Euro | 78.457,43 Euro | 35,75 Euro |
| 30 Jahre | 89.811,83 Euro | 35.420,24 Euro | 28,28 Euro |
| 40 Jahre | 53.501,16 Euro | 13.865,30 Euro | 20,58 Euro |
| 50 Jahre | 27.759,84 Euro | 4.082,15 Euro | 12,82 Euro |
Lesebeispiel: Wenn eine heute 40-jährige Person jeden Monat 100 Euro bis Rentenbeginn in 27 Jahren sparen will und die Kapitalanlage 5 Prozent bringt, aber davon 1,5 Prozent an Kosten abgezogen werden, stehen zu Rentenbeginn nur 53.501,16 Euro zur Verfügung. Wäre der Vertrag kostenfrei gewesen, so hätte der Sparer aber 13.865,30 Euro mehr für die Rente. Die Kosten wirken also so, als würden ihm jeden Monat 20,58 Euro vom Sparbeitrag abgezogen.
