Sparen mit ETF: Rürup-Rente clever nutzen
Wer die Rürup-Rente nutzen darf
Bei der Rürup-Rente fördert der Staat die private Altersvorsorge mit Steuervorteilen und nicht wie bei der Riester-Rente auch mit Zulagen.
Gedacht sind die Rürup-Verträge für Selbständige, die für eine spätere Rente sparen wollen. Sie können dabei gleichzeitig freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder dort pflichtversichert sein, müssen das aber nicht. Die Rürup-Rente kann somit ein Grundbaustein oder eine Ergänzung zur gesetzlichen Rente oder einer anderen bereits bestehenden Altersversorgung sein, etwa wenn über ein berufsständisches Versorgungswerk (zum Beispiel für Ärzte, Architekten oder Rechtsanwälte) bereits vorgesorgt wird.
Was dabei jedoch oft vergessen wird: Die Rürup-Rente ist für alle Erwerbstätigen offen. „Riestern“ können nur Arbeitnehmer und Beamte, „Rürupen“ kann jeder.
Was die Rürup-Rente attraktiv machen kann
Wer „rürupt“, kann kräftig Steuern sparen. Maßgeblich dafür sind in der Steuererklärung die sogenannten Vorsorgeaufwendungen fürs Alter. 2024 können Sparer und Sparerinnen dafür Beiträge von bis zu 27.566 Euro in ihrer Steuererklärung steuermindernd gelten machen. Das Finanzamt erkennt davon nun 100 Prozent an, um eine Doppelbesteuerung auszuschließen.
Auf den steuerlichen Höchstbetrag werden aber auch andere Beiträge, etwa für die gesetzliche Rente oder für ein berufsständisches Versorgungswerk, angerechnet. Einzahler sollten deshalb die Höchstgrenzen im Blick haben, für Verheiratete sind sie mit 55.132 Euro doppelt so hoch.
Von der Steuerersparnis profitieren vor allem Anleger mit hohem Einkommen und größeren Sparbeiträgen. Beispiel: Wer nach Abzug von Betriebskosten einen Gewinn von 30 .000 Euro erzielt, 465 Euro monatlich in eine Rürup-Rente einzahlt und seinen Beitrag bei der Steuererklärung voll geltend machen kann, hat nach Berechnungen von “Finanztip” eine jährliche Steuerersparnis von rund 1.400 Euro. Bei einem Gewinn von 70.000 Euro und einem Beitrag von 1.085 Euro im Monat wären es schon 4.677 Euro.
Wann sich die Rürup-Rente nicht lohnt
Knapp 2,4 Millionen Verträge wurden laut dem Versichererverband GDV bereits abgeschlossen. Die meisten davon sind klassische Rentenversicherungen. Diese versprechen eine garantierte Rente nach einer vereinbarten Laufzeit, in der monatlich oder jährlich ein bestimmter Beitrag angespart wird.
Verbraucherschützer sehen hier gravierende Nachteile:
Die Zinsen waren jahrelang sehr niedrig. Der Garantiezins liegt derzeit noch bei gerade einmal 0,25 Prozent. 2025 wird er voraussichtlich auf 1,0 steigen. Die Abschluss-, Vermittlungs- und Verwaltungskosten können sehr hoch sein. Die Organisation „Finanzwende“ hat 111 geförderte Riester- und Rürup-Produkte untersucht. Das Ergebnis: Nur zwei Rürup-Produkte erreichen über die gesamte Vertragszeit eine Rendite von zwei Prozent, nicht zuletzt wegen der hohen Kosten. Wer mit Rürup-Renten mehr herausbekommen will, als vorher eingezahlt wurde, muss demnach sehr alt werden – den Berechnungen von „Finanzwende“ zufolge bei typischen Rürup-Angeboten im Durchschnitt 100 Jahre. Das liegt vor allem an den ungünstigen Annahmen zur Lebenserwartung, die dazu führen, dass bei der Rentenauszahlung für die Versicherten weniger herausspringt.
Wegen der Nachteile empfiehlt die Stiftung Warentest Selbständigen zu prüfen, ob es für sie nicht besser ist, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.
Welche Nachteile die Rürup-Rente noch hat
Die Verträge kann man nicht vorzeitig kündigen, sondern nur beitragsfrei stellen oder Beiträge verringern. Ans Geld kommt man in der Einzahlungsphase deshalb nicht heran.
Auch gibt es anders als bei der Riester-Rente nicht die Möglichkeit, sich im Rentenalter zumindest einen kleineren Teil des angesparten Kapitals auszahlen zu lassen. Die Rürup-Rente gibt es immer nur als Monatsrente bis zum Lebensende. Die Steuerlast wird ins Alter verschoben, weil im Ruhestand die ausgezahlte Zusatzrente zu versteuern ist. Allerdings ist im Ruhestand auch meistens der Steuersatz deutlich geringer als im Arbeitsleben.
Wie sich Partner mit einer Rürup-Rente absichern lassen
Kundinnen und Kunden können eine lebenslange Rente für ihren Ehe- oder Lebenspartner vereinbaren. “Dieser Schutz ist jedoch teuer. Viel günstiger ist eine Rentengarantiezeit von zehn Jahren”, heißt es bei der Stiftung Warentest. Stirbt der oder die Versicherte in dieser Zeit, wird die Rente an den Hinterbliebenen bis zum Ablauf von zehn Jahren nach Rentenbeginn gezahlt. Ohne diesen Schutz für Hinterbliebene gehen diese leer aus.
Das angesparte Kapital lässt sich nicht vererben. Stirbt der Sparer in der Ansparphase, geht das Geld an den Versicherer oder die Fondsgesellschaft. Kunden sollten bei Bedarf aber fragen, ob sich stattdessen eine Auszahlung der gesparten Beiträge an Hinterbliebene vereinbaren lässt.
Welche Alternativangebote es gibt
Wer noch ein, zwei oder mehr Jahrzehnte bis zur Rente hat, kann eine fondsgebundene Rürup-Rentenversicherung abschließen. Darin wird ein bestimmter Teil in Aktienfonds angelegt, der andere beim Versicherer. Die Sparer haben so die Chance auf höhere Renditen am Aktienmarkt. Sie sollten aber genug Zeit haben, längere Schwächephasen an der Börse durchzustehen.
Nachteil: Die Kosten können noch höher sein als bei der klassischen Variante, weil dann für die Versicherung und das Fondsmanagement Kosten anfallen. Man kann aber einen Versicherer wählen, der ETFs zur Auswahl anbietet, die einen bestimmten Aktienindex nachbilden, ohne dass Ausgaben fürs Fondsmanagement fällig sind. Interessenten sollten daher den jeweiligen Anbieter fragen, ob eine Anlage in marktbreite weltweit anlegende ETFs möglich ist.
Was Rürup-Sparer bei der ETF-Variante beachten müssen
Rürup-ETF-Sparer dürfen nicht vergessen, dass das aufgebaute Vermögen zu einem festgelegten Zeitpunkt in eine lebenslange Rente umgewandelt wird. Sollte es aber wenige Jahre vor diesem Termin zu einem länger anhaltenden Börsencrash kommen, wäre schlimmstenfalls ein beträchtlicher Teil des angesparten Kapitals verloren.
Solche Beitragszahler müssen sich deshalb rechtzeitig darum kümmern, dass vor dem Renteneintritt Aktien-ETFs in sicherere Anleihen-ETFs und Geldmarktfonds umgeschichtet werden. Ansonsten müssten sie versuchen, im Falle eines Kursabsturzes den Rentenbeginn zu verschieben.
