München (tö). Wer sich ein Haus oder eine eigene Wohnung kaufen will, muss derzeit mehr für seine Finanzierung ausgeben als noch vor einigen Wochen. Die Bauzinsen sind nämlich seit Beginn des Irankrieges deutlich gestiegen. Im Februar, vor Beginn des Krieges, bewegten sich die durchschnittlichen Zinsen für Hypothekendarlehen mit einer Bindungsfrist von zehn Jahren bei um die 3,6 Prozent. Mittlerweile sind sie nach Angaben des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp auf etwas mehr als 3,9 Prozent (Stand: 20.04.2026) gestiegen. Für 20-jährige Baudarlehen liegen die durchschnittlichen Zinsen sogar laut Interhyp bei 4,24 Prozent. Die Angaben basieren auf den Zinssätzen von 500 Darlehensgebern, die mit dem Vermittler zusammenarbeiten. Aufschläge von mehreren Zehntel hinter dem Komma verteuern die Kreditkosten langfristig erheblich: Bei einer durchschnittlichen Kreditsumme von 340.000 Euro bedeuten 0,2 Prozentpunkte Unterschied laut Berechnungen von Interhyp bereits eine Mehrbelastung von rund 600 Euro im Jahr.
Inflationserwartung treibt Zinsniveau
Nach Beginn des Irankrieges sind die Energiekosten gestiegen. Große Anleger wie Investmentfonds, Versicherungen oder Pensionskassen rechnen deshalb mit einer steigenden Inflation, weswegen die Renditen für Staatsanleihen gestiegen sind. Als Folge des allgemein höheren Zinsniveaus verteuert sich für Banken und Sparkassen die Refinanzierung der Kredite, die sie ihren Kundinnen und Kunden gewähren – und daher verlangen sie auch von ihren Kundinnen und Kunden höhere Zinsen für Darlehen. Nach Beginn des Überfalls Russlands auf die Ukraine waren die Bauzinsen sogar innerhalb weniger Monate um mehr als zwei Prozentpunkte gestiegen, von einem Prozent auf drei und zum Teil sogar auf vier Prozent.
Vergleich der Konditionen wichtig
Wie es nun weitergeht, ist offen. Während die Hälfte der von Interhyp befragten Bankexperten und Expertinnen mit kurzfristig weiter steigenden Zinsen rechnet, prognostiziert die andere Hälfte ein gleichbleibendes oder sogar sinkendes Niveau bei den Bauzinsen. Auch was die langfristigen Aussichten angeht, sind die Meinungen unterschiedlich. Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe, rät: „Wer eine passende Immobilie gefunden hat, sollte nicht auf sinkende Zinsen spekulieren.“ Gerade jetzt sei es aber wichtig, Konditionen zu vergleichen. Der Grund: „Gerade, weil der Markt so unruhig ist, unterscheiden sich die Angebote der Banken oft deutlich“, sagte Utecht. Das gelte nicht nur für den erstmaligen Kauf einer Immobilie, sondern auch für alle, die in nächster Zeit eine Anschlussfinanzierung brauchen.
