München (tö). Wer in den nächsten Wochen und Monaten eine Immobilie finanzieren will, muss höhere Bauzinsen in Kauf nehmen. Im April waren laut dem Index des Verbraucherportals biallo.de für einen Hypothekenkredit mit zehn Jahren Laufzeit im Durchschnitt von fast 70 Anbietern 3,68 Prozent Zinsen fällig (Stand: 10.4). Anfang März waren es noch 3,41 Prozent. Nun klingt ein Anstieg um fast 0,3 Prozentpunkte nach nicht viel. Tatsächlich können dadurch stattliche Zusatzkosten zusammenkommen. Die Zinsen waren infolge des von den künftigen Regierungspartnern Union und SPD geplanten Schuldenpakets für Infrastruktur und Verteidigung deutlich gestiegen, weil mehr Konjunkturprogramme mehr Staatsverschuldung bedeuten. Wenn sich der Staat stärker verschuldet, steigen aber die Zinsen am Kapitalmarkt – und damit auch die Zinsen für Immobilienkredite.
Für Wohnungskäufer und Hausbauerinnen ist es deshalb deutlich teurer geworden. Ein Beispiel: Wer am 1. März einen Baukredit über 300.000 Euro mit einer Laufzeit von zehn Jahren, 60 Prozent Beleihung und einer Anfangstilgung von 1,5 Prozent abgeschlossen hatte, zahlte dafür im Durchschnitt noch einen Zins von nominal 3,41 Prozent. Knapp sechs Wochen später, am 10. April, waren es schon 3,68 Prozent. Die monatliche Rückzahlungsrate erhöht sich dadurch von 1227,50 Euro auf rund 1295 Euro, der Zinsaufwand in den zehn Jahren von rund 93.765 Euro auf 101.103 Euro.
Knapp sechs Wochen später ist also eine um fast 70 Euro höhere Monatsrate fällig. Über die gesamte Laufzeit gerechnet ist der Zinsaufwand sogar um mehr als 7300 Euro höher. Oder anders ausgedrückt: Bei einer Darlehenssumme von 300.000 Euro, einem nominalen Zins von 3,41 Prozent und einer Rate von 1300 Euro im Monat bleiben nach zehn Jahren Laufzeit Restschulden von rund 236.115 Euro. Mit gleicher Rate, aber einem höheren Zins von 3,68 Prozent bleiben etwa 244.979 Euro offen – fast 9000 Euro mehr.
Bauzinsen könnten weiter steigen
Am Trend – Bauzinsen nach oben – dürfte sich in den kommenden Wochen nicht allzu viel ändern. So sehen es jedenfalls die vom Baufinanzierungsvermittler Interhyp befragten Expertinnen und Experten. Etwa zwei Drittel gaben an, dass sie in den kommenden Wochen mit steigenden Zinsen in Richtung vier Prozent für zehnjährige Darlehen rechnen. Etwa ein Drittel hält hingegen gleichbleibende Zinsen rund um das aktuelle Niveau für möglich. Die nun höheren Kreditzinsen liegen aber immer noch unter dem Niveau von Herbst 2023, als die Zinsen für zehnjährige Darlehen sich sogar auf durchschnittlich gut 4,2 Prozent beliefen.
Nun klingen Zinsen von mehr als vier oder mehr als drei Prozent als eher hoch – zumindest verglichen mit den niedrigen Zinsen, die es noch vor ein paar Jahren gab. Im Frühjahr 2020 etwa war es möglich, ohne Probleme einen Hypothekenkredit von unter 1,0 Prozent Zinsen zu bekommen. Im historischen Vergleich sind Zinssätze von deutlich unter vier Prozent aber niedrig. So lagen die Zinsen vor gut 30 Jahren bei knapp neun Prozent, im 30-Jahres-Durchschnitt belaufen sie sich auf etwa 4,5 Prozent.
