München (tö). Viele Menschen geben jeden Monat mehr Geld aus, als sie einnehmen und nutzen dafür den Dispokredit auf ihrem Girokonto. Das aber kann sehr kostspielig werden und schlimmstenfalls den Weg in die Schuldenfalle ebnen – insbesondere, wenn eine Bank weit überdurchschnittlich hohe Dispozinsen kassiert.
Eine Untersuchung des Verbraucherportals biallo.de zeigt nun: Nach wie vor lassen sich etliche Geldhäuser fürstlich entlohnen, wenn sie Verbrauchern im Rahmen eines vorher genehmigten Limits einen Kredit auf dem Girokonto gewähren. Demnach belaufen sich die Zinsen für solche Dispokredite bei einzelnen Anbietern in der Spitze auf mehr als 15 Prozent.
Dauer-Dispo-Nutzer besonders betroffen
Bankkunden und -kundinnen, die den Dispo nur kurz nutzen und mit ihrem Girokonto eher ausnahmsweise ein paar Tage im Jahr mit mehreren hundert Euro im Minus sind, können Dispozinsen von zehn Prozent plus x vielleicht verschmerzen. Wer aber dauerhaft in den Miesen ist, kann durch einen Vergleich, einen Kontowechsel oder eine Umschuldung mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.
Beispiel: Ein Bankkunde, der ein Jahr lang sein Girokonto um 5.000 Euro für 8,0 Prozent überzieht, zahlt dafür rund 400 Euro an Dispozinsen, was eigentlich schon viel zu viel ist. Bei 14 Prozent wären aber bereits 700 Euro fällig. Solche Dauer-Dispo-Nutzer sollten deshalb Banken mit sehr hohen Kreditzinsen besser meiden.
Rentner oft Leidtragende
Laut der aktuellen Marktuntersuchung von biallo.de gilt dies vor allem für „eher kleine Häuser in Orten ohne unmittelbare Konkurrenz einer Sparkasse oder einer überregionalen Bank“. Oder, so die Fachleute des Verbraucherportals, solche Kreditinstitute „haben eine ältere Kundschaft, der die Suche nach günstigeren Alternativen im Internet nicht so vertraut ist. Rentner sind oft die Leidtragenden solcher Geschäftspolitik“.
So zählen zu den 20 bundesweit besonders teuren Anbieter überwiegend Volks- und Raiffeisenbanken, die in ländlichen Regionen oft noch, wenn auch mit immer weniger Filialen vertreten sind. In dieser Gruppe verlangen manche Banken Zinssätze von mehr als 14, teilweise sogar über 15 Prozent. Andererseits sind unter den 20 günstigsten Banken in Deutschland auch zehn Volks- und Raiffeisenbanken. „Es geht also auch anders“, heißt es dazu bei biallo.de. Demnach gaben sich immerhin knapp 200 der gut 1.000 von biallo.de untersuchten Banken mit Zinssätzen von unter 10,0 Prozent zufrieden, manche Anbieter verlangten sogar weniger als sechs Prozent.
Überziehungszins besonders teuer
Noch teurer wird es, wenn man als Bankkunde oder Kundin mit dem eingeräumten Kreditrahmen von meist zwei oder drei Netto-Monatsgehältern nicht auskommt und diese Linie reißt. Dann verlangt immer noch etwa die Hälfte aller Banken und Sparkassen laut der Auswertung für diese „geduldete Überziehung“ einen Überziehungszins. Dieser liegt im Durchschnitt rund fünf Prozentpunkte über dem Dispozins, der Überziehungszins kann also an die Marke von 20 Prozent heranreichen. Solch enorm hohe Zinsen erschweren allerdings die Tilgung. Schlimmstenfalls ist der Weg in eine Schuldenfalle vorgezeichnet, aus der man ohne Hilfe, etwa von einer Schuldnerberatungsstelle, oft nicht mehr herauskommt.
Dauerhaft hohe Kosten lassen sich aber vermeiden. Mögliche Wege:
- Mit dem Girokonto zu einer anderen günstigeren Bank wechseln. Hilfreich ist dafür der Kontenvergleich der Finanzaufsicht Bafin.
- Wer Geld auf einem Tagesgeldkonto oder anderswo gebunkert hat, kann dies verwenden, um sein Girokonto auszugleichen. Auf die Sparzinsen zu verzichten, ist allemal besser als hohe Kreditzinsen zu zahlen.
- Einige Banken bieten sogenannte Rahmenkredite (bekannt auch als Abrufkredite) an. Diese sind niedriger als verzinst als teure Dispokredite. Vorteil: Mit diesem günstigen Kredit, der eine flexible Rückzahlung zulässt, lässt sich ein teurer Dispokredit auf einen Schlag ablösen.
- Möglich ist dies auch mit einem Ratenkredit mit fester monatlicher Tilgung. Doch Vorsicht: In der Praxis zeige sich, „dass Banken mit extrem hohem Dispozins ihren Kunden auch teure Ratenkredite anbieten“, heißt es bei biallo.de. Unabhängige Geldexperten raten deshalb, auch die Konditionen von Ratenkredite lieber zu vergleichen.
- Die Untersuchung zu Dispokrediten findet sich hier.
- Deutsche Finanzaufsicht startet Vergleich von Girokonten
- Ratenkredite: So sparen Sie mehrere hundert Euro Zinsen
