Jeder Reha-Kongress steht unter einem Motto. Weshalb haben die Veranstalter in diesem Jahr den Schwerpunkt bei „Arbeit-Gesundheit-Rehabilitation“ gesetzt?
Hubert Seiter: Es geht darum, dass wir alle länger gesund unserer qualifizierten Arbeit nachgehen. Die Rente mit 67 kommt. Insofern passt das Kongressthema „Arbeit – Gesundheit – Rehabilitation“ in die Zeit, in der wir darüber reden müssen, wie wir das schaffen. Dass wegen des demografischen Wandels und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel künftig Reha noch wichtiger wird, muss, denke ich, nicht weiter erklärt werden. Die Zukunft unserer Gesellschaft hängt entscheidend davon ab, dass der Generationenvertrag eingehalten wird. Ein funktionierender Sozialstaat – und Reha ist ein wichtiger Teil davon – ist Garant für den sozialen Frieden. Dem muss die Politik Rechnung tragen.
Reha braucht Finanzierungssicherheit, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können. Was wir also brauchen, ist keine lohnsummenorientierte Anpassung eines willkürlich festgesetzten Budgets mit einer minimalen demografischen Komponente. Das Reha-Budget muss den tatsächlichen Bedarf abbilden und die gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen berücksichtigen.
Neben der Demografie sind Veränderungen im Krankheitsspektrum zu berücksichtigen. Immer mehr psychosomatische Erkrankungen beispielsweise brauchen passende Reha-Maßnahmen. Die im Gesetzesvorhaben der Bundesregierung vorgesehene Budget-Erhöhung um 200 Millionen Euro jährlich ist zwar mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Für bedarfsgerecht halte ich das allerdings nicht. Die Diskussionen im Rahmen dieses Kongresses werden zeigen, dass die politische Erwartung, nämlich bis 67 zu arbeiten, kaum realisiert werden kann, wenn jährlich nur rund drei Prozent der Erwerbstätigen eine Reha in Anspruch nehmen.
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Weitere Informationen zum 23. Reha-Kolloquium und über frühere Reha-Kolloquien.
