München (tö). Jetzt hat fast jeder eine: Die Krankenkassen in Deutschland haben bis Februar mehr als 70 Millionen elektronische Patientenakten (ePA) erstellt. Das teilte der GKV-Spitzenverband mit. „Jetzt sind praktisch alle gesetzlich Versicherten mit ihrer persönlichen elektronischen Patientenakte ausgestattet“, sagte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. Nur bei den Versicherten, die Widerspruch eingelegt hätten, werde keine ePA automatisch eingerichtet.
In der ePA lassen sich verschiedene Informationen zu Erkrankungen wie zum Beispiel Arztbriefe, Operationsbefunde, Bildbefunde wie Röntgenbilder oder auch die elektronische Medikationsliste speichern.
Technische Probleme an den Schnittstellen zu Arztpraxen
In der Praxis eingesetzt wird die Akte aber noch längst nicht bundesweit. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands wird die ePA zunächst in einzelnen Modellregionen (Franken, Hamburg, in Teilen von Nordrhein-Westfalen) getestet. „Wenn hier positive Erfahrungen gesammelt wurden, kommt sie bundesweit zum Einsatz“, heißt es in der Mitteilung des Verbands. Dieses schrittweise Vorgehen sei „gut so – denn wie bei allen großen IT-Projekten wird es am Anfang sicher noch ab und zu ruckeln“, sagt Vorstandschefin Pfeiffer.
Auch bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und dem E-Rezept habe nicht alles gleich von Beginn an völlig reibungslos geklappt. So soll es auch laut einem Bericht des Deutschen Ärzteblatts noch technische Probleme an der Schnittstelle zwischen Praxisverwaltungssystem und ePA-System bei IBM geben. Der US-Konzern, einer der Anbieter für das neue elektronische Aktensystem, hat einige der großen deutschen Krankenkassen als Kunden.
Fortschritte bei der Einführung sieht auch der AOK-Bundesverband. „Nun gilt es, Arztpraxen, Krankenhäuser und weitere Leistungserbringer sicher anzuschließen und in der praktischen Anwendung der ePA zu trainieren, damit die Akten der Versicherten rasch mit Inhalt gefüllt und sinnvoll zur Verbesserung der Versorgung genutzt werden“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann.
Die meisten Versicherten sind mit der ePA einverstanden
Laut dem Verband sind die meisten Versicherten damit offenbar einverstanden, dass ihre Daten in der ePA gespeichert werden können. So sind für die Versicherten der elf AOK insgesamt knapp 26,4 Millionen digitale Akten angelegt worden. Die Widerspruchsquote liege bei nur 3,8 Prozent. Mit der praktischen Anwendung der ePA und deren Befüllung solle es, so der AOK-Bundesverband, „nach letzten Informationen aus dem Bundesgesundheitsministerium voraussichtlich im April 2025“ losgehen.
