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Warum es gut ist, den eigenen Lipoprotein(a)-Wert zu kennen

Beim nächsten Hausarzt-Besuch könnte es eine gute Idee sein, den Lipoprotein(a)-Wert messen zu lassen. Denn der Blutwert verrät viel über persönliche Krankheitsrisiken.

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Arzt steht mit älterem Patienten in der Praxis und zeigt ein Tablet. Bild: IMAGO / Westend61 / Joseffson

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Einmal Blutabnehmen, im Labor testen lassen und dann mit dem Arzt besprechen: Der kurz „Lipo-A" genannte Wert ist genetisch bedingt und ändert sich im Leben kaum.

München/Kirchheim (dpa/tmn). Schon einmal von Lipoprotein(a) gehört? Keine Sorge, wenn nicht. So heißt der Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den tatsächlich viele nicht kennen. 

Zwei Experten verraten, warum genau es sinnvoll ist, diesen Wert einmal durch einen Bluttest bestimmen zu lassen, und worauf es ankommt, sollte er aus der Reihe tanzen. 

Was genau ist Lipoprotein(a)?

Lipoprotein(a) ist ein Bestandteil des Blutes. „Es ist wie das "schlechte" LDL-Cholesterin aufgebaut“, sagt Anja Vogt, Fachärztin für Innere Medizin und stellvertretende Vorsitzende der DGFL – Lipid-Liga. Der Unterschied: Zusätzlich ist daran noch ein Eiweiß gebunden, das Apolipoprotein(a). Vergleichen lassen sich Lipoproteine der Fachgesellschaft zufolge mit „Lasttaxis“, die Fett und fettähnliche Substanzen im Blut transportieren.

Wie viel Lipoprotein(a) im Blut unterwegs ist, ist genetisch bedingt. Ernährung oder Bewegung können den Wert nicht beeinflussen. „Wahrscheinlich hatte Lipoprotein(a) einst eine physiologische Rolle, brachte vielleicht sogar einen evolutionären Vorteil, heute allerdings hat es keinen bekannten Nutzen“, sagt Anja Vogt.

Im Gegenteil: Ein hoher Lipoprotein(a)-Wert ist keine gute Nachricht, denn der ist ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen. 

Warum genau gilt Lipoprotein(a) als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall?

„Zirkuliert zu viel davon im Blut, wird es genauso wie LDL-Cholesterin in die Arterienwände eingelagert. Kommen noch weitere Risikofaktoren dazu, wie beispielsweise Rauchen, verstärkt sich dieser Effekt“, sagt Anja Vogt. 

Folge dieser Ablagerungen in den Blutgefäßen ist ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und auch für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), also für Durchblutungsstörungen in den Beinen. „Letztlich kann jede Arterie davon betroffen sein, zum Beispiel in der Niere, oder auch die Aortenklappe“, so Vogt. 

Lipoprotein(a) wirkt zudem entzündungsfördernd. Und: „Bei einem höheren Wert bilden sich schneller Gerinnsel und lösen sich langsamer auf“, sagt Norbert Smetak, erster Vizepräsident des Berufsverbands Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI).

Die Krankheitsverläufe sind allerdings sehr unterschiedlich, wie es von der Deutschen Herzstiftung heißt. Manche Menschen mit erhöhten Lipoprotein(a)-Werten erleiden schon in vergleichsweise jungen Jahren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andere bleiben lange ohne Beschwerden. 

Ab welchem Lipoprotein(a)-Wert wird es kritisch?

Erst einmal muss man wissen, dass es zwei verschiedene Arten der Messung gibt, die nicht direkt vergleichbar oder umrechenbar sind. Norbert Smetak gibt einen Überblick: 

  • Der sogenannte Normalwert liegt bei 30 mg pro Deziliter (mg/dl) oder 75 Nanomol pro Liter (nmol/l).
  • Bei 30-50 mg/dl oder 75-105 nmol/l ist das Risiko moderat, darüber gehört man bereits zur Risikogruppe.
  • Von einem sehr hohen Risiko sprechen Mediziner wie Smetak ab 180 mg/dl oder ab 430 nmol/l.

Der Internist fasst zusammen: „Je höher der Wert, desto höher das Risiko.“

Allerdings spielen auch andere Blutwerte und der Gesundheitszustand an sich eine Rolle. „Vor allem in Kombination mit einem hohen LDL-Cholesterinwert oder Bluthochdruck erhöht sich die Chance auf beispielsweise einen Herzinfarkt“, sagt Smetak. Für eine gute Risikoeinschätzung braucht es also den Blick aufs große Ganze – nicht nur auf das Lipoprotein(a). 

Wie häufig kommen erhöhte Lipoprotein(a)-Werte vor?

Norbert Smetak: „Rund 20 bis 30 Prozent aller Menschen haben zu hohe Lipoprotein(a)-Werte – dieses Problem ist also keineswegs selten und betrifft viele Menschen.“

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Lipoprotein(a)-Test?

Das hängt vom Einzelfall und dem medizinischen Hintergrund ab. Oft aber übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten – zum Beispiel dann, wenn es in der Familie bereits Herzinfarkte, Schlaganfälle und Co. gegeben hat. 

In anderen Fällen muss der Test selbst bezahlt werden. Die Kosten liegen, je nach Labor, meist unter 25 Euro. Am besten bespricht man die Kostenfrage vorab mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt.

Muss ich den Wert in regelmäßigen Zeitabständen bestimmen lassen? 

Nein, einmal reicht in aller Regel. „Da die Größe des Lipoproteinpartikels zu großen Teilen genetisch bedingt ist, muss man ihn in der Regel nur einmal im Leben bestimmen lassen. So empfehlen es auch die Leitlinien“ sagt Anja Vogt, Leiterin der Lipidambulanz am LMU-Klinikum in München

Mein Wert tanzt aus der Reihe, ist zu hoch. Und nun? 

Mit einem Schulterzucken zurücklehnen? In Fatalismus verfallen? Keine hilfreichen Strategien in so einer Situation. Denn sicher ist: Gerade bei einem hohen Lipoprotein(a)-Wert lohnt es sich, die Lebensführung anzupassen. 

Oder konkreter gesagt: „Gesunde Ernährung, Verzicht auf Tabak und Alkohol, viel Bewegung und Muskeltraining sowie ein gesundes Körpergewicht verringern die Relevanz des Wertes enorm“, erklärt Anja Vogt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es derzeit für Menschen mit sehr hohen Lipoprotein(a)-Werten?

Zurzeit gibt es noch kaum Möglichkeiten, den Lipoprotein(a)-Spiegel signifikant zu senken, sieht man von der Möglichkeit einer Lipidapherese ab. Das ist eine Art „Blutwäsche“, die aber nur in Extremfällen angewandt wird, da sie sehr aufwendig ist. 

Ist auch der LDL-Cholesterinwert erhöht, kommen Statine zum Einsatz, die diesen Wert – und damit auch das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – senken.

Allerdings gibt es auch Hoffnung auf neue medikamentöse Behandlungsmethoden, so Norbert Smetak: „Medikamente, die gezielt Lipoprotein(a) senken können, befinden sich in der letzten Phase klinischer Studien.“ 

Bis dahin gilt unbedingt: andere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel möglichst minimieren und regelmäßig beim Arzt nachfragen, ob es neue Therapieoptionen gibt. Wer stark erhöhte Werte oder bereits Gefäßablagerungen hat, sollte besonders aufmerksam sein – und die Chance nutzen, aktiv an der eigenen Gesundheit zu arbeiten.

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