Gesundheit / 04.11.2019

Kinderreha ohne Eltern –Mutter rät: „Traut Euren Kindern mehr zu!“

Wenn Kinder und Jugendliche alleine zur Reha fahren, ist das nicht nur für sie selbst aufregend. Auch die Eltern sind zunächst oft unsicher, wie Sohn oder Tochter mit der ungewohnten Situation umgehen werden. Ihre-Vorsorge.de hat eine Familie aus Kiel bei der Entscheidung begleitet und die Tochter in der Fachklinik auf Sylt besucht. Diagnose: Meer, bitte!

Bild zum Thema Kinderreha ohne Eltern: Maja Schmidt sitzt mit anderen jugendlichen Mädchen am Strand von Sylt.

Die kranke Tochter wochenlang alleine fortschicken? Noch vor kurzem war dieser Gedanke für Susanne Schmidt (43) aus Kiel undenkbar. Denn daheim passt sie stets auf, dass die 13-jährige Asthmatikerin Maja sich nicht überanstrengt, dass sie regelmäßig den Peak Flow misst und ihren Inhalator immer dabei hat. Doch der Arzt der Familie war überzeugt davon, dass vier Wochen Kinderreha auf Sylt der Jugendlichen helfen würden, besser mit ihrer Krankheit zu leben.

Im Gespräch mit Ihre-Vorsorge.de erzählt Susanne Schmidt, warum sie sich trotz anfänglicher Zweifel schließlich doch für die Kinderreha entschied, was sie aus dieser Erfahrung gelernt hat – und warum sie sehr froh ist, dass sie sich getraut hat, loszulassen.

Frau Schmidt, Ihre 13-jährige Tochter Maja ist gerade allein in Reha. Wie schwer war es für Sie als Mutter, sie gehen zu lassen?

Susanne Schmidt: Der Kinderarzt hatte die Idee einer unbegleiteten Reha. Ich gebe zu, am Anfang war der Gedanke schlimm für mich. Allerdings kannte ich die Fachklinik Sylt schon, denn ich war als Kind selbst mal sechs Wochen dort zur Asthma-Reha und 2010 mit meinen beiden Töchtern dann nochmal zur Mutter-Kind-Kur. Diese beiden positiven Erfahrungen haben mir die Entscheidung einfacher gemacht.

Wie haben Sie den Abschied erlebt?

Susanne Schmidt: Es war schon schwer. Ich wollte gern die starke Mama sein, aber ich hatte gemischte Gefühle dabei, eine 13-Jährige allein auf Sylt zurückzulassen. So richtig entspannen konnte ich mich eigentlich erst, als Maja sich nach zwei Tagen per Handy gemeldet hat und schrieb, dass es ihr gut geht. Da wusste ich, dass wir alles richtig gemacht haben.

Welche Veränderungen können Sie bei Maja nach zweieinhalb Wochen Reha feststellen?

Susanne Schmidt: Maja ist noch offener geworden. Sie meistert hier selbstbewusst ihren Alltag und nimmt ihre Termine wahr, ohne dass jemand sie daran erinnert. Ich hoffe, dass sie diese Selbständigkeit auch nach der Reha beibehalten wird.

Inwiefern müssen Sie als Eltern sich umstellen?

Susanne Schmidt: Wir werden lernen müssen, ihr mehr zuzutrauen. In der Reha hat sie ja auch niemanden, der ihr das Asthmaspray hinterherträgt.

Was möchten Sie anderen Eltern sagen, die zögern, ihre Kinder alleine zur Reha zu schicken?

Susanne Schmidt: Ich möchte Ihnen raten, den Schritt zu machen. Denn die Kinder erfahren in der Gruppe, dass sie mit ihren Erkrankungen nicht alleine sind. Das tut ihnen sehr gut. Und auch die Eltern können die Zeit nutzen, denn mit dem Wissen, dass die Kinder in der Fachklinik gut aufgehoben sind, kann man sich auch selbst ein wenig erholen.

Video: Maja allein am Meer – meine Kinderreha in der Fachklinik Sylt

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Autor

Anne Zegelman