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Mehr Reha für Kinder und Jugendliche bewilligt

Deutsche Reha-Tag: Kinder- und Jugendreha für chronisch kranke Kinder immer gefragter. Aber noch landen Kinder auch in falschen Maßnahmen

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Bad Salzungen (dpa/th) In Deutschland werden wieder mehr Reha-Behandlungen für chronisch kranke Kinder in Kurkliniken bewilligt. Nach kontinuierlichen Rückgängen bis 2016 sei seit 2017 ein Anstieg zu verzeichnen, sagte Alwin Baumann, Sprecher des Bündnisses Kinder- und Jugendreha, vor dem Auftakt zum diesjährigen Deutschen Reha-Tag am Montag in Bad Salzungen (Wartburgkreis).

Verantwortlich dafür sei in erster Linie eine Gesetzesänderung. Diese habe unter anderem die Möglichkeiten für Eltern verbessert, ihre Kinder in die Reha-Klinik begleiten können. Baumann zufolge hat allein die Deutsche Rentenversicherung 2018 rund 40 000 Anträge bewilligt, knapp 33 000 Kinder und Jugendliche traten eine stationäre Reha an. Dies seien zehn Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Die Ausgaben der Rentenversicherung dafür beliefen sich auf 205 Millionen Euro. Hauptgründe für die vier- bis sechswöchige Behandlung in einer Reha-Klinik waren

  • psychosomatische Erkrankungen wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung),
  • chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma sowie
  • krankhaftes Übergewicht (Adipositas).

Kinderreha statt Eltern-Kind-Kuren

In Deutschland sind nach Schätzungen 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen chronisch krank. Von diesen wiederum erhielten nur etwa zwei Prozent eine medizinische Rehabilitation, so das Bündnis. Diese Dimension verdeutlicht nach Ansicht des hauptsächlich von Kliniken getragenen Bündnisses ein bestehendes Informationsdefizit. Auch verordnende Ärzte wüssten häufig nicht gut genug Bescheid über die Möglichkeiten.

"So landen viele Kinder in der falschen Maßnahme, nämlich einer Eltern-Kind-Kur statt in einer Kinder- und Jugend-Reha", sagte Baumann. Bei Eltern-Kind-Kuren stünden aber die gesundheitlichen Belastungen der Eltern im Vordergrund, nicht die der Kinder.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beobachtet teilweise auch eine Scheu von Eltern, eine Kur für ihre chronisch kranken Kinder in Anspruch zu nehmen. "Sie trauen sich nicht zu fragen", sagte Verbandssprecher Hermann Josef Kahl.

Eltern stoßen selten auf Ablehnung bei Ärzten und Nachwuchs

Dabei stoßen Eltern selten auf Ablehnung, berichtet Thomas Büttner, Oberarzt in der Edelsteinklinik der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz: "Der Arzt muss nur einen kurzen Befundbericht schreiben. Den Antrag auf eine Kinderreha oder Jugendreha können sich Eltern selbst aus dem Netz herunterladen."  Bei Fragen zum Antrag helfe die Krankenversicherung und Deutsche Rentenversicherung entweder über das kostenfreie Servicetelefon unter 0800 - 1000 4800 oder in den Auskunfts- und Beratungsstellen

Auch beim Nachwuchs sollten Eltern keine Scheu haben, eine Reha zu thematisieren. "Viele Kinder wollen sie", so Büttner: "Gerade chronisch kranke Jugendliche sind gut vernetzt und kennen andere, die so eine Jugendreha schon gemacht haben." Allerdings sollten sich Eltern darauf gefasst machen, dass der Nachwuchs alleine verreisen will: "Ab etwa 13 oder 14 Jahre wollen Jugendliche eher ohne Begleitung in eine Reha-Klinik fahren. Für sie zählt, dass sie in der Klinik auf viele andere treffen, die das selbe Thema haben wie sie. Sie fühlen sich verstanden und davon profitieren sie ungemein", so der Mediziner.

Die Kosten für eine Kinder- und Jugendreha übernehmen entweder die Deutsche Rentenversicherung, gesetzliche Krankenkassen oder die private Krankenversicherung. Begleiten die Eltern ihren Nachwuchs, erhalten sie dafür einen Verdienstausfall, die Kostenträger übernehmen auch Reisekosten und die Kosten ihres Aufenthalts in einer Klinik.

Über 50 Reha-Kliniken für Kinder und Jugendliche

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bündnisses 50 auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Rehabilitationskliniken. Beim Deutschen Reha-Tag informieren Vertreter von Kliniken, Patientenverbänden, Rentenversicherung und Krankenkassen über Voraussetzungen für Kinderreha und Jugendreha sowie Behandlungsmöglichkeiten.

Mehr Informationen

www.deutsche-rentenversicherung.de

Informationen der Deutschen rentenversicherung zur Kinder- und Jugendreha

www.kinder-und-jugendreha-im-netz.de

Bündnis Kinder- und Jugendreha




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