Nachgefragt / 09.10.2017

Radeln, walken, schwimmen: Hauptsache bewegen

Bewegungsmangel begünstigt chronische Erkrankungen. Dabei braucht es nicht viel Zeit und Aufwand, um sich insgesamt fitter und wohler zu fühlen, weiß Prof. Dr. Klaus Pfeifer. Er hat den Lehrstuhl Gesundheit und Bewegung an der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg inne und gerade die „Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung“ herausgebracht.

Eine Frau macht Übungen beim Joggen. Bildnachweis: wdv © Lauer. Jan

Herr Prof. Pfeifer, Sie werben für mehr Bewegung, warum?

Prof. Dr. Pfeifer: Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO rangiert Bewegungsmangel auf Platz vier der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von chronischen Krankheiten und ist damit genauso gefährlich wie das Rauchen. Bewegungsmangel begünstigt die Entstehung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen.

Wie viel sollten wir uns denn bewegen?

Prof. Dr. Pfeifer: Die „Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung“ raten zu 150 Minuten moderater körperlicher Aktivität pro Woche. Wer sich fünfmal die Woche jeweils 30 Minuten am Tag bewegt, kann dieses Tagespensum auch in dreimal zehn Minuten aufteilen. „Moderat“ bedeutet, dass die Herzfrequenz und die Atmung etwas ansteigen. Unter „Bewegung“ fallen also schon Aktivitäten wie der Mittagsspaziergang ums Bürogebäude.

Und bei höherer Intensität?

Prof. Dr. Pfeifer: Wenn man sich „sportlicher“ bewegt, reichen laut der Empfehlungen schon 75 Minuten pro Woche. Auch Menschen, die nur am Wochenende Sport treiben, profitieren von den positiven Effekten.

Gibt es auch kurzfristige Effekte?

Prof. Dr. Pfeifer: Ausdauersport steigert die Kondition. Moderate körperliche Aktivität mindert die Infektanfälligkeit. Man wird insgesamt leistungsfähiger und steigert das psychische Wohlbefinden.

Ihre Tipps für Wiedereinsteiger?

Prof. Dr. Pfeifer: Ausdauersportarten sind gut: Schwimmen, Nordic Walking, Laufen, Radfahren. Diese Sportarten lassen sich leicht umsetzen und in den Alltag integrieren. Wichtig: Nicht zu schnell und zu intensiv wieder einsteigen. Es soll Spaß machen. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck sollten zuvor ärztlichen Rat einholen.

Viele nutzen Fitnesstracker und Apps ...

Prof. Dr. Pfeifer: So beobachten sie das eigene Aktivitätsverhalten. Viele teilen ihre Daten auch über soziale Netzwerke und erhalten dort Unterstützung. Man sollte es aber nicht zu wettbewerbsorientiert angehen – man muss nicht immer Erster sein.

Wie startet man am besten?

Prof. Dr. Pfeifer: Im Kalender eintragen, welche Aktivitäten man wann und wo plant. Dann bedenken, was einen abhalten könnte – etwa Regenwetter – und entsprechend Alternativen planen. Stellen sich erste Erfolge ein, fallen Bewegung und Sport immer leichter.

Weitere Informationen

  • www.bewegungsempfehlungen.de
    Die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung zum Herunterladen auf der Internetseite der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg. Die Empfehlungen wurden von einer Gruppe von Wissenschaftlern erarbeitet und sollen eine wissenschaftliche Orientierung im Feld der Bewegungsförderung bieten.
Autorenbild

Autor

Michael J. John