Im Fokus / 26.11.2018

Rentenbesteuerung: Diese Regeln gelten für Rentner bei der Steuer

Durch die Rentenerhöhung müssen 2019 mehr Rentner Steuern zahlen. Was wie besteuert wird, wie Rentner die Anlage R richtig ausfüllen und wie sie Steuern sparen können.

Ältere Frau füllt Formular mit Kugelschreiber aus. Bild: wdv.de © Anna Peisl

Inhalt

Mit dem Ruhestand endet für die meisten Rentner das Arbeitsleben. Das Thema Steuererklärung ist allerdings noch nicht vom Tisch. Denn Altersbezüge sind nicht steuerfrei, wobei das Finanzamt hier zwischen Renten und Pensionen unterscheidet. Im Gegenzug können Arbeitnehmer die Aufwendungen für die Altersvorsorge steuerlich geltend machen. Aber auch Rentner dürfen in ihrer Steuererklärung bestimmte Kosten ansetzen – und manchmal müssen sie auf Dauer gar keine Formulare beim Finanzamt einreichen.

Renten, Pensionen und Steuern

So funktioniert das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Welche Renten müssen versteuert werden und was bleibt steuerfrei?

Pensionen sind seit jeher in voller Höhe steuerpflichtig. Denn hier handelt es sich um nachträgliche Einnahmen aus nichtselbstständiger Tätigkeit. Pensionen bekommen nicht nur Beamte, sondern auch Richter und Soldaten im Ruhestand sowie deren Witwen. Renten zählen dagegen zu den so genannten sonstigen Einkünften.

Wie hoch der steuerpflichtige Anteil jeweils ist, hängt von der Art der Rente ab. Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden nachgelagert besteuert, wie es im Fachjargon der Finanzverwaltung heißt.

Nachgelagerte Besteuerung bedeutet im Prinzip: Für Berufstätige sind Beiträge zur Basis-Altersvorsorge bis zu einem Höchstbetrag steuerfrei. Wer in den Ruhestand geht, muss seine Altersbezüge dafür versteuern.

Damit aber niemand doppelt besteuert wird, wird das System durch das Alterseinkünftegesetz Schritt für Schritt umgestellt: Für jeden neuen Rentnerjahrgang wird in einer Übergangsregelung bis zum Jahr 2040 die Rente aus der sogenannten Basisversorgung stufenweise höher besteuert.

Zu dieser Basisversorgung zählen nicht nur die Auszahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern

  • auch Renten aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen,
  • Renten aus landwirtschaftlichen Alterskassen sowie
  • Renten aus einer privaten Rürup-Rente.

Ebenfalls nachgelagert besteuert werden Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten sowie die gesetzliche Rente für Bergleute.

Über die Höhe des steuerpflichtigen Anteils entscheidet das Jahr des Rentenbeginns. Welcher Anteil von der Rente besteuert wird, wird für jeden Rentner individuell bis zum Lebensende festgeschrieben – und zwar in Form eines Freibetrags in Euro und Cent. Der Besteuerungsanteil bleibt also für den jeweiligen Rentnerjahrgang bis ans Lebensende gleich.

Ein Rentner, der im Jahr 2017 in den Ruhestand geht, muss beispielsweise 74 Prozent seiner Rente versteuern. Als Rente gilt der Rentenbetrag laut Rentenbescheid, die jährliche Rentenanpassung zum 1. Juli hat keinen Einfluss auf die Höhe des Rentenfreibetrags. Eine Rentenerhöhung ist dagegen voll steuerpflichtig.

Im Gegenzug zur nachgelagerten Besteuerung sind die Vorsorgeaufwendungen für die Basisversorgung für Berufstätige erst im Jahr 2025 komplett steuerfrei – allerdings auch dann gedeckelt bei einem Maximalbetrag von 20.000 Euro pro Person und Jahr.

Bestimmte Renten werden weiterhin mit dem günstigen Ertragsanteil besteuert, da die Beiträge aus bereits versteuertem Einkommen gezahlt wurden. Zu diesen Renten zählen beispielsweise

  • Renten aus einer privaten Rentenversicherung
  • Renten aus einer privaten Unfallversicherung sowie
  • Renten aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung.

Gänzlich steuerfrei bleiben

  • Leistungen aus einer Pflegeversicherung
  • die Grundsicherung im Alter
  • Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung
  • Kriegs- und Schwerbeschädigtenrenten
  • Wiedergutmachungsrenten

Steuererklärung für Rentner

Nicht alle Rentner müssen Steuern zahlen. Entscheidend ist der Anteil der Rente, der steuerpflichtig ist. Wer eine Steuererklärung machen muss, füllt die Anlage „R“ aus.

Steuerpflichtig sind alle – Steuern zahlen muss deswegen aber noch lange nicht jeder Rentner. Zunächst ist wie bei allen Steuerpflichtigen nur das Einkommen zu versteuern, was oberhalb des Grundfreibetrags liegt. Dieser beträgt derzeit 9.000 Euro (Stand November 2018) und für Verheiratete 18.000 Euro. 2019 steigt der Grundfreibetrag auf 9.168 Euro

Das Bundesfinanzministerium rechnet regelmäßig aus, bis zu welcher Jahres-Bruttorente keine Steuern entrichtet werden müssen – immer vorausgesetzt, dass der Betreffende keine weiteren Einkünfte erzielt. Wenn Sie beispielsweise 2016 in Rente gegangen sind, müssen Sie bis zu einer Jahres-Bruttorente bis zu 14.099 Euro keine Steuern zahlen. Bruttorente meint den Betrag vor Abzug des Eigenanteils zur Kranken- und Pflegeversicherung. Für verheiratete Rentner verdoppeln sich die Beträge.

Achtung: Das Finanzamt erhält von den rentenauszahlenden Stellen für jedes Kalenderjahr, wie hoch die Renten waren und kann damit genau feststellen, ob bei Ihnen grundsätzlich eine Steuererklärungspflicht vorliegt.

Ob ein Rentner künftig Steuern zahlen muss, hängt auch davon ab, welche sonstigen Einkünfte er noch hat. Denn mancher Ruheständler erhält neben den Bezügen aus der gesetzlichen Rentenversicherung Einnahmen aus einer Eigentumswohnung, einem privaten Vorsorgeprodukt oder Zinserträgen. Liegt der Gesamtbetrag der Einkünfte damit über dem Grundfreibetrag, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben.

Unterstützung bieten Lohnsteuerhilfevereine oder Steuerberater. Denn auch Rentner können Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen geltend machen – und müssen auf diese Weise am Ende unter Umständen keine Steuern zahlen.

Liegen die Einkünfte unter der Grenze, können Sie beim Finanzamt eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung beantragen. Im Formular tragen Sie alle Einnahmen ein, die Sie erwarten.

Ganz wichtig: Weder eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung noch der entsprechende Hinweis im Steuerbescheid sind ein Steuer-Freibrief für die Ewigkeit. Rentner sind verpflichtet, erneut Steuererklärungen abzugeben, sobald sie weitere Einkünfte erzielen.

Tipp: Selbst wenn Sie nicht verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben, kann sich eine freiwillige Steuererklärung lohnen, zum Beispiel bei

  • hohen Beiträgen für die private Krankenversicherung
  • Aufwendungen für Arztbehandlungen und Medikamente
  • Heimkosten
  • haushaltsnahen Dienstleistungen

Auf diese Weise können Rentner auf eine Steuererstattung hoffen. Und selbst wenn das Finanzamt stattdessen eine Steuernachzahlung festsetzt, können Sie Einspruch einlegen und den Antrag auf Steuerveranlagung zurücknehmen.

Für die Steuererklärung nutzen Rentner das Formular Anlage R. Dort werden die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung sowie andere Bezüge aus Altersvorsorgeverträgen eingetragen. Da Renten unterschiedlich besteuert werden, ist die Anlage R in mehrere Teile aufgeteilt: In den Zeilen 4 bis 13 auf der Vorderseite tragen Sie die Zahlungen aus

  • gesetzlichen Renten,
  • berufsständischen Versorgungswerken,
  • Rürup-Renten und
  • landwirtschaftlichen Alterskassen

ein. In die Zeilen 14 bis 20, ebenfalls auf der Vorderseite des Formulars, schreiben Sie die Beträge, die Sie aus privaten Renten- oder sonstigen privaten Renten erhalten.

Auf der Rückseite der Anlage gehören in die Zeilen 31 bis 49 Leistungen aus

  • Riester-Renten
  • Betriebs-Renten sowie
  • Zusatzversorgungen des öffentlichen Dienstes.

Ab Zeile 50 können Sie dann Ihre Werbungskosten eintragen.

Steuerspar-Tipps für Rentner

Auch Ruheständler können Ausgaben von ihrer Steuerlast abziehen. Außerdem gibt es einen Werbungskosten-Pauschbetrag für Renten.

Genau wie Arbeitnehmer und andere Steuerzahler dürfen auch Rentner Werbungskosten von ihren Einkünften abziehen. Ohne Nachweis erhalten Sie einen Werbungskosten-Pauschbetrag. Dieser beläuft sich pro Jahr auf 102 Euro.

Wenn Sie höhere Ausgaben geltend machen wollen, müssen Sie diese nachweisen. Werbungskosten im Zusammenhang mit Renten können beispielsweise sein:

  • Gewerkschaftsbeiträge
  • Ausgaben für einen Renten- oder Versicherungsberater,
  • Ausgaben für Rechtsberatung und Prozesskosten (im Zusammenhang mit der Rente, etwa bei der Beantragung).
  • Fachliteratur zum Thema Rente
  • Steuerberatungskosten
  • Kontoführungsgebühren

Steuerberatungskosten können Sie absetzen, wenn Ihnen der Berater beim Ausfüllen der Anlage R geholfen hat. Bei den Gebühren fürs Girokonto akzeptiert das Finanzamt in aller Regel Ausgaben in Höhe von pauschal 16 Euro pro Jahr.

Neben den Werbungskosten können Sie außerdem noch Sonderausgaben und möglicherweise außergewöhnlichen Belastungen geltend machen. Die Versicherungsbeiträge, die Sie für Kranken- und Pflegeversicherung abführen müssen, dürfen Sie in der Steuererklärung als sonstige Vorsorgeaufwendungen angeben. Weitere Sonderausgaben sind zum Beispiel Spenden oder gegebenenfalls gezahlte Kirchensteuer.

Krankheitskosten oder die Ausgaben für Pflege und Heimunterbringung fallen steuerlich gesehen in die Rubrik außergewöhnliche Belastungen. Das bedeutet, dass Sie die Aufwendungen zwar steuerlich ansetzen dürfen, das Finanzamt aber einen Eigenanteil abzieht. Diese zumutbare Belastung richtet sich nach der Höhe der Gesamteinkünfte und Ihrer familiären Situation:

Sie haben ... Einkünfte bis
15.340 Euro
Einkünfte zwischen
15.340 und 51.130 Euro
Einkünfte über
51.130 Euro
kein Kind und es gilt der Grundtarif 5 % 6 % 7 %
kein Kind und es gilt der Splittingtarif 4 % 5 % 6 %
ein oder zwei Kinder 2 % 3 % 4 %
drei oder mehr Kinder 1 % 1 % 2 %

Die Zumutbarkeitsgrenze wird also in drei Stufen nach einem bestimmten Prozentsatz des Gesamtbetrags der Einkünfte bemessen. Tipp: Der Bundesfinanzhof hat vor kurzem entschieden, dass nur noch der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der den im Gesetz genannten Stufengrenzbetrag übersteigt, mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet wird. Damit können Steuerpflichtige nun in der Regel in größerem Umfang außergewöhnliche Belastungen steuerlich ansetzen.

Bei Rentnern kann dies vor allem bei Pflegekosten interessant werden. Denn die Pflege in einem Heim ist teuer – Geld, das die Pflegeversicherung nur zum Teil übernimmt. Pflegekosten, die Sie selbst getragen haben, können Sie als außergewöhnliche Belastung absetzen. Haben Sie Ihren Haushalt aufgelöst, müssen Sie aber beachten, dass eine Haushaltsersparnis abgezogen wird. Diese Haushaltsersparnis richtet sich nach dem Unterhaltshöchstbetrag und beläuft sich ab 2017 auf 8.820 Euro jährlich.

Jenseits des zumutbaren Eigenanteils dürfen Sie sämtliche Arzt- und Pflegekosten steuerlich geltend machen. Einen Höchstbetrag gibt es nicht. Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen zum Beispiel auch

  • Kosten für Medikamente
  • Hilfsmittel wie Prothesen oder der Rollator und
  • Krankenhausaufenthalte.

Tipp: Wenn Sie einen ambulanten Pflegedienst bezahlen, der Sie zuhause pflegt, die Wohnung putzt oder Essen bringt, können Sie einen Teil davon als haushaltsnahe Dienstleistung in der Steuererklärung angeben.

Achtung: Der Umzug in ein Heim ist nur dann steuerlich begünstigt, wenn Sie pflegebedürftig, behindert oder krank sind. Allein aus Altersgründen können Sie für sich selbst keine Steuerersparnis geltend machen – das können nur Ihre Kinder, wenn Sie Ihnen Unterhalt überweisen und Ihr eigenes Vermögen nicht ausreicht.

Andere Einkünfte

Häufig haben Rentner neben ihren Altersbezügen noch andere Einkünfte. Etwa die Mieteinnahmen aus einer Eigentumswohnung oder das Entgelt aus einem Minijob. Welche Auswirkungen das auf die Steuererklärung hat.

Mancher Ruheständler will sich etwas dazu verdienen, mancher sucht einfach nur Beschäftigung. Wenn Rentner zusätzliche lohnsteuerpflichtige Einkünfte haben, müssen sie in einigen Fällen ebenfalls eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn die positive Summe der einkommensteuerpflichtigen Nebeneinkünfte über 410 Euro liegt.

Ebenfalls verpflichtet zur Abgabe einer Steuererklärung sind Sie, wenn Sie von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn bezogen oder eine Abfindung erhalten haben. Sollten Sie verheiratet sein und die Steuerklassenkombination III/V oder das Faktor-Verfahren gewählt haben, müssen Sie eine Steuererklärung machen.

Gleiches gilt, wenn Sie sich einen Lohnsteuerfreibetrag haben eintragen lassen oder Ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt haben. In all diesen Fällen müssen Sie meist mit einer Steuernachzahlung rechnen.

Mehr zum Thema

Altersvorsorge und Steuern
Info auf ihre-vorsorge.de

www.bdl-online.de oder www.nvl.de
Lohnsteuerhilfevereine helfen bei der Abfassung der Steuererklärung

www.test.de
Steuerschätzer für Rentner auf der Internetseite der Stiftung Warentest

Autorenbild

Autor

Constanze Elter