Rente / 27.07.2020

Rentenerhöhung und Steuer: wann das Finanzamt mitkassiert

Die Steuer frisst einen Teil der Rentenerhöhung auf – diese Behauptung kommt jeden Sommer wieder auf. Was ist an dieser Geschichte dran? Droht die Enteignung der Rentner durch das Finanzamt? Ein Faktencheck zur „dunklen Seite der Rentenerhöhung“.

Stempel mit Aufschrift Rente liegt auf einem aufgeschlagenen Ordner mit einem Formular der Einkommensteuererklärung, Ausschnitt Renten und sonstige Leistungen.

Inhalt

Wie viele Rentenbezieher zahlen bisher Steuern?

Derzeit gibt es etwa 5,12 Millionen „Steuerpflichtige mit Rentenbezug“, teilte das Bundesfinanzministerium Ende letzten Jahres mit. Umgekehrt bedeutet das: Knapp 16 Millionen Rentenbezieher sind derzeit nicht steuerpflichtig.

Bei den gut fünf Millionen handelt es sich überwiegend um Ruhegeldbezieher, bei denen die Rente eher ein Zusatzeinkommen ist. Sprich: Steuern zahlen die Betroffenen vor allem aufgrund ihrer anderen Einkünfte – etwa aufgrund ihrer Beamtenpension, für Einkünfte aus Vermietung oder wegen ihrer Kapitaleinkünfte.

Doch auch Bezieher einer höheren Altersrente werden vom Finanzamt häufig zur Kasse gebeten, wenn sie nicht entsprechend viel von der Steuer absetzen können.

Diejenigen, die derzeit in Rente gehen, müssen selbst dann Steuern zahlen, wenn sie nur eine durchschnittliche Rente beziehen. Das ist eine Folge der gesetzlichen Regelungen zum steuerlichen Rentenfreibetrag. Für jeden neuen Rentnerjahrgang erhöht sich der steuerpflichtige Teil der Rente. Wer 2019 in Rente gegangen ist, für den liegt die Grenze zur Steuerpflicht nach den Berechnungen des Bundesfinanzministeriums bei einer Jahresrente von brutto 13.708 Euro (gilt für einen Alleinstehenden).

Müssen wegen der Rentenhöhung mehr Rentner Steuern zahlen?

Ja, allerdings nur geringfügig. Die Zahl der steuerpflichtigen Rentner soll um ca. 51.000 steigen, hat das Bundesfinanzministerium Ende 2019 berechnet. Da die Rentenerhöhung etwas höher ausfällt als damals vorausgesagt, dürften es noch ein paar tausend mehr sein. Von den knapp 16 Millionen Rentenbeziehern, die derzeit keine Steuern zahlen müssen, werden wohl etwa 60.000 durch ihr Rentenplus zu Steuerpflichtigen.

Umgerechnet bedeutet das: Nur etwa drei von 1.000 Rentnern, die bislang keine Steuern zahlen mussten, werden wohl 2021 vom Finanzamt aufgefordert, eine Steuererklärung abzugeben – für ihre 2020 bezogenen Renteneinkünfte. Das heißt allerdings nicht, dass sie auch tatsächlich Steuern zahlen müssen.

Wieso werden Rentner durch das Rentenplus im Juli steuerpflichtig?

Die Rentenerhöhung ist komplett steuerpflichtig. Hier gibt es – anders als bei der ursprünglich bewilligten Rente – keinen Freibetrag.

Ein Beispiel: Wenn die komplette Jahresrente 2020 gegenüber 2019 um insgesamt 500 Euro steigt, sind diese 500 Euro voll steuerpflichtig.

Wie hoch ist die zusätzliche Steuerlast durch die Rentenerhöhung?

Die gute Nachricht: Zugleich ist auch der Grundfreibetrag für 2020 gestiegen, für Alleinstehende um 240 Euro auf jetzt 9.408 Euro. Dieser Grundfreibetrag steht allen Steuerzahlern zu, also auch Rentnern. So bleiben von den 500 Euro Rentenhöhung nur 260 Euro übrig, die steuerpflichtig sind.

Das bedeutet: Ein Rentner, der 2019 an der Grenze zur Steuerpflicht war, und durch ein Rentenplus von 500 Euro zum Steuerpflichtigen wird, muss davon nur 260 Euro versteuern. Das macht etwa 34 Euro Steuern – für das ganze Jahr 2020. Auf den Monat bezogen würden dafür also etwa drei Euro an Steuern fällig.

Für die 5,12 Millionen derzeitigen „Steuerpflichtigen mit Rentenbezug“ dürfte die Steuerbelastung etwas stärker steigen, weil bei ihnen wohl häufig die Steuerprogression stärker zuschlägt. Bei einem durchschnittlichen Steuersatz von 20 Prozent würden bei einer um 500 Euro steigenden Jahresrente circa 52 Euro Steuer anfallen – für das komplette Jahr 2020. Bei dieser Rechnung ist der gestiegene Grundfreibetrag berücksichtigt.

Wie Rentner Steuern sparen können

Steuerpflicht heißt aber noch nicht, dass Sie tatsächlich Steuern zahlen müssen. Denn das hängt vom Einzelfall ab. So können auch Rentner eine Reihe von Kosten von der Steuer absetzen und so ihre tatsächliche Steuerlast drücken. Dazu zählen zum Beispiel die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Mehr dazu in unserem Beitrag Rentenbesteuerung: Diese Regeln gelten für Rentner bei der Steuererklärung.

Fazit: Rentenerhöhung wirkt sich kaum auf die Steuer aus

Durch die Rentenerhöhung werden nur wenige Rentner steuerpflichtig. Auf den Monat umgerechnet dürfte sich ihre Belastung auf etwa drei Euro belaufen. Bei den 5,12 Millionen, die schon bisher Steuern zahlten, dürften es weniger als fünf Euro sein. Rentner können zudem einige Kosten beim Finanzamt absetzen. Allzu furchterregend ist die „dunkle Seite“ der Rentenerhöhung also nicht.

Rentenversicherung hilft mit Steuerbescheinigung

Hilfe bei der Steuererklärung für Rentner

Wenn Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen, hilft die Deutschen Rentenversicherung mit der kostenlosen „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt“. Der Experte erklärt, wie das geht.

Die Deutsche Rentenversicherung stellt Rentnern auf Wunsch eine kostenlose Bescheinigung aus, die beim Ausfüllen der Steuervordrucke „Anlage R“ und „Anlage Vorsorgeaufwand“ der Steuererklärung hilft. Die Bescheinigung können Sie einfach bei Ihrem Rentenversicherungsträger anfordern

Wichtig: Geben Sie dabei Ihre persönliche Rentenversicherungsnummer an. Haben Sie die Bescheinigung einmal beantragt, so wird sie Ihnen in den Folgejahren jeweils automatisch zugeschickt.

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Autor

Rolf Winkel