Rente / 04.11.2020

Rendite von Rentenbeiträgen beträgt etwa 3 Prozent

Neue DIW-Studie: Frauen profitieren generell von längerer Lebenserwartung, Mütter zudem von Beiträgen aus Kindererziehungszeiten.

Bild zum Beitrag "Rendite von Rentenbeiträgen beträgt etwa 3 Prozent". Das Bild zeigt die Hände eines Mannes, der Geldscheine aufgefächert über einem Taschenrechner hält.

Düsseldorf/Bad Homburg (sth). Schon seit ein paar Jahren gibt es keine aktuellen Berechnungen zur Rendite von Rentenbeiträgen mehr – weder seitens der Deutschen Rentenversicherung (DRV) noch von der Stiftung Warentest, Verbraucherzentralen oder wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. Aber auch die Rendite der betrieblichen Altersvorsorge (bAV), die für die Alterseinkünfte vieler Beschäftigter eine wichtige Nebenrolle einnimmt, wird von Unternehmen und Finanzdienstleistern angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase nur noch leise diskutiert. Dabei spielen Renditefragen in der Diskussion um die künftige Ausrichtung der deutschen Alterssicherung – und die Bedeutung von gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Altersvorsorge – eine wesentliche Rolle. 

In dieser Situation dürfte einer neuen Studie zur Rendite-Frage, die jetzt von drei Forschern am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans Böckler-Stiftung vorgelegt wurde, die Aufmerksamkeit von Fachleuten und Öffentlichkeit sicher sein. Zentrales Ergebnis der Wissenschaftler: Die Rendite für gesetzliche und betriebliche Altersversorgung gibt es nicht. Es könnten aber „individuelle Erträge bzw. Renditen aus der Alterssicherung errechnet werden, die sich je nach Geburtsjahrgang, Erwerbsverlauf einschließlich Einkommensniveau, Familienstand und demografischer und ökonomischer Entwicklung“ erheblich voneinander unterscheiden, so die Forscher.

Dennoch kommen die DIW-Experten für heute 40 bzw. 50 Jahre alte Frauen, die langjährig durchschnittlich hohe Beiträge in die Rentenkassen eingezahlt haben, auch zu einem gemeinsamen Ergebnis: Alleinstehende können demnach für ihre Rentenbeiträge mit einer Rendite von etwa 3 bis 3,5 Prozent, Mütter des Geburtsjahrgangs 1980 mit zwei Kindern sogar von mehr als 4 Prozent rechnen.   

Die Bedeutung des Barwerts

Rendite-Berechnungen von Rentenbeiträgen sind aufgrund der Umlagefinanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) nur mit Einschränkungen möglich – denn ein Ansparvorgang wie bei der betrieblichen oder privaten Altersvorsorge findet bei der gesetzlichen Rente nicht statt. Fachleute behelfen sich deshalb mit der Berechnung einer „internen Rendite“. Das ist der Zinssatz, „bei dem der auf einen Zeitpunkt bezogene Barwert aller Einzahlungen in die GRV dem auf denselben Zeitpunkt bezogenen Barwert der Auszahlungen aus der GRV entspricht“, wie die DIW-Forscher erläutern.

Für ihre Studie nahmen die Wissenschaftler nicht nur die Brutto-, sondern auch die Nettorenditen der untersuchten Frauenjahrgänge in den Blick – denn die unterscheiden sich je nach Berücksichtigung der Kostenbelastung durch Kranken- und Pflegeversicherung erheblich. Aber auch zwischen Ehefrauen mit Kindern und Alleinstehenden sowie zwischen Gut- und Geringverdienerinnen gibt es laut der DIW-Analyse deutliche Renditedifferenzen. So profitieren Mütter von zwei Kindern erheblich von der Anrechnung von insgesamt sechs Jahren Kindererziehungszeiten auf ihre Rente. Zudem stellen die Wissenschaftler fest, dass sich „Brutto- und Nettorendite bei den höheren Einkommen stärker unterscheiden und die Renditen der beiden Kohorten (die Geburtsjahrgänge 1970 und 1980, d. Red.) ähnlich ausfallen“.

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Autor

Stefan Thissen