Rente / 06.11.2020

Senioren in Deutschland sind überwiegend gut versorgt

Die gesetzliche Rente bleibt die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle im Alter. Entwicklung bei betrieblichen und privaten Zusatzeinkünften stagniert.

Bild zum Beitrag "Senioren in Deutschland sind überwiegend gut versorgt". Das Bild zeigt ein älteres Paar, das im Herbst Arm in Arm in der Natur steht.

Berlin (sth). Die Senioren in Deutschland sind überwiegend gut versorgt. Zudem haben sich die Alterseinkommen in den vergangenen Jahren "insgesamt günstig" entwickelt. Das geht aus dem Alterssicherungsbericht 2020 der Bundesregierung hervor, der ihre-vorsorge.de vorliegt. Demnach sind die monatlichen Haushaltsnettoeinkünfte von Ehepaaren und Alleinstehenden ab 65 Jahren von 2015 bis 2019 um durchschnittlich 14 Prozent gestiegen, während die Lebenshaltungskosten im gleichen Zeitraum nur um 5,3 Prozent wuchsen. Damit zeige sich ein "deutlicher realer Einkommenszuwachs" bei den älteren Menschen, der in etwa gleich hoch sei wie in der Gesamtbevölkerung, heißt es.

Die gesetzliche Rente bleibt dem 275 Seiten starken Bericht zufolge für die große Mehrheit der Bevölkerung die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle im Alter. So erhalten 89 Prozent der über 65-Jährigen eine eigene gesetzliche Rente – "87 Prozent in den alten und 97 Prozent in den neuen Ländern". Die durchschnittlichen monatlichen Altersrenten (und Erwerbsminderungsrenten, die über das 65. Lebensjahr hinaus gezahlt werden, d. Red.) betragen laut Alterssicherungsbericht in den alten Ländern 1.040 Euro brutto, in den neuen Ländern 1.232 Euro. Westdeutsche Männer stellen sich den Angaben zufolge "mit durchschnittlich 2.041 Euro besser als Männer in den neuen Ländern mit im Durchschnitt 1.559 Euro". Dagegen erhielten Frauen in den neuen Ländern mit durchschnittlich 1.449 Euro höhere Alterseinkünfte als westdeutsche Seniorinnen mit im Durchschnitt 1.302 Euro. 

Alterseinkommen Selbstständiger sehr unterschiedlich

Die Alterseinkommen von Selbstständigen sind laut Alterssicherungsbericht "sehr heterogen". Ehemals Selbstständige verfügen demnach "im Durchschnitt über ein vergleichsweise hohes Alterseinkommen". Gleichzeitig gebe es in dieser Gruppe aber auch "viele Personen mit niedrigen Einkommen". So hätten fast die Hälfte der ehemals Selbstständigen ein Nettoeinkommen von weniger als 1.200 Euro zur Verfügung, während es bei Beschäftigten "nur gut ein Drittel" sei. Der Anteil der Bezieher von Grundsicherung sei unter den früher Selbstständigen mit 4,2 Prozent "deutlich höher" als unter ehemaligen Arbeitnehmern mit 2,5 Prozent, schreibt die Bundesregierung. "Offenbar überdurchschnittlich häufig" hätten Selbstständige, von denen die meisten in kein obligatorisches Alterssicherungssystem einbezogen sind, "nicht hinreichend für ihr Alter vorgesorgt".

Unzufrieden zeigt sich die Regierung mit der Verbreitung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Zwar hätte gut die Hälfte der Senioren ab 65 Einkommen aus der sogenannten zweiten oder dritten Säule der Altersvorsorge, zum Beispiel in Form einer Lebensversicherung. In den vergangenen Jahren sei die Entwicklung in diesem Bereich aber offenbar aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und dem ramponierten Ruf der Riester-Rente weitgehend zum Erliegen gekommen. "Insbesondere Bezieherinnen und Bezieher geringer Einkommen sorgen nach wie vor zu wenig zusätzlich für das Alter vor", heißt es in dem Bericht – obwohl die Zusatzvorsorge zunehmend wichtiger werde.

Der Alterssicherungsbericht beruht auf der alle vier Jahre vorgenommenen Erhebung "Alterssicherung in Deutschland", die zuletzt im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. 

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Autor

Stefan Thissen