Rente / 11.07.2022

Steigender Anteil der Selbstständigen ist rentenversichert

Die Quote der Unternehmer, die sich über die Rentenkassen für das Alter absichern, wuchs 2020 wegen einer rückläufigen Zahl deutlich.

Steigender Anteil der Selbstständigen ist rentenversichert. – Mann im Homeoffice. Bild: wdv / Jan Lauer.

Berlin/Frankfurt (sth). Der Anteil der gesetzlich rentenversicherten Selbstständigen ist im Jahr 2020 deutlich gestiegen. Grund dafür ist die im ersten Pandemie-Jahr erheblich gesunkene Zahl von Unternehmerinnen und Unternehmern hierzulande. Mit rund 3,5 Millionen habe sie um etwa elf Prozent unter der Zahl von 2019 gelegen, heißt es in einer jetzt vom Bundesarbeitsministerium veröffentlichten Studie. Dagegen stieg die Zahl der über die Rentenversicherung für das Alter, gegen das Erwerbsminderungsrisiko und für den Todesfall abgesicherten Selbstständigen auch 2020 gegenüber dem Vorjahr leicht auf 322.500 an.

Zwar seien die Selbstständigenzahlen bereits seit 2012 leicht rückläufig gewesen, schreiben die drei Studienautoren vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Der starke Rückgang im Jahr 2020 sei aber "auch im europäischen Vergleich als bemerkenswert hoch einzuschätzen". Damit habe die Zahl der auf eigenes wirtschaftliches Risiko Erwerbstätigen im vorvergangenen Jahr ein so geringes Niveau erreicht, wie es "zuletzt im Jahr 1997 gemessen wurde". Wegen Ungenauigkeiten bei der Datenerhebung im ersten Corona-Jahr lasse sich der gemessene Rückgang der Unternehmerzahlen aber "nicht eindeutig als Folge der Corona-Pandemie interpretieren", so die IZA-Wissenschaftler. 

Knapp 30 Prozent der Unternehmer obligatorisch altersversichert

Der Anteil der obligatorisch für das Alter abgesicherten Selbstständigen - zu denen neben den rentenversicherten auch berufsständisch versicherte Unternehmer und Landwirte gehören - lag der Studie zufolge im Jahr 2019 bei 28,9 Prozent. Die mit den gleichen Methoden für 2017 ermittelte Quote hatte 27,5 Prozent betragen. Neben den 321.000 gesetzlich rentenversicherten Selbstständigen registrierten die IZA-Forschenden für das letzte Jahr vor Beginn der Pandemie 563.000 Freiberufler in den sogenannten verkammerten Berufen und rund 130.000 Landwirte. Die Gesamtzahl der obligatorisch altersversicherten Unternehmer lag der Studie zufolge 2019 bei etwas mehr als einer Million.

Ob sich an der - im Vergleich zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern - noch immer geringen Quote der zur Altersvorsorge verpflichteten Selbstständigen in naher Zukunft etwas ändern wird, scheint derzeit fraglich. Zwar haben sich die Ampel-Parteien in ihrem Koalitionsvertrag auf eine "Pflicht zur Altersvorsorge mit Wahlfreiheit" geeinigt. So sollen Selbstständige künftig automatisch in der Rentenversicherung pflichtversichert sein, wenn sie nicht ein insolvenz- und pfändungssicheres privates Vorsorgemodell wählen, das zu Alterseinkünften oberhalb des Grundsicherungsniveaus führt. Doch die Erfahrungen mit den bisherigen politischen Anläufen für eine obligatorische Unternehmer-Altersvorsorge lassen Zweifel aufkommen, ob die jetzige Bundesregierung auf diesem umstrittenen Feld wirklich einen entscheidenden Schritt weiter kommt.

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen