Ihre-Vorsorge Logo

Rentenplus: Wie kommt es zustande? – Wie geht es weiter?

Ein sattes Rentenplus gibt es für Ruheständler in diesem Jahr: Knapp 6 Prozent mehr Rente in den neuen Bundesländern, 4,25 Prozent in den alten Ländern. Unser Sozialexperte Rolf Winkel erklärt, wie es dazu kommt und wie es mit der Rente weitergeht.

Artikel vorlesen

Autor / Quelle

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

Seniorin jongliert – Bildnachweis: wdv © J.Lauer

© Nicht definiert

Wie sehen die Rechenregeln aus?
Interviewer
Zunächst kommt es darauf an, wie sich die Bruttoentgelte der beitragspflichtig Beschäftigten entwickelt haben. Stiegen die Löhne stark, so steigt auch die Rente stark.
Rolf Winkel
Das Zinsniveau spielt also keine Rolle?
Interviewer
Nein. Und das ist in der derzeitigen Zinsflaute auch der große Vorteil der gesetzlichen Rentenversicherung gegenüber der privaten Altersvorsorge. Letztere dümpelt im Moment – und voraussichtlich noch für längere Zeit – wegen der niedrigen Zinsen vor sich her. Die gesetzliche Rente kann derzeit jedoch punkten.
Rolf Winkel
Wie genau wirken sich Lohnerhöhungen auf die Rente aus?
Interviewer
Es zählt immer die Entwicklung des Vorjahrs. 2016 kommt es darauf an, wie sich die Löhne 2015 gegenüber 2014 entwickelt haben. Dabei wird getrennt für die alten und für die neuen Bundesländer gerechnet. Aufgrund der Daten des Statistischen Bundesamts ergibt sich für 2015 im Vergleich zum Vorjahr rechnerisch eine Lohnsteigerung um 3,78 Prozent in den alten und 5,48 Prozent in den neuen Bundesländern.

Dass diese Werte dieses Mal so hoch ausfallen, liegt aber auch an einem einmaligen statistischen Sondereffekt. 2014 gab es eine Änderung der Beschäftigtenstatistik. Diese hat 2015 zunächst zu einer Dämpfung des Rentenanstiegs geführt. In diesem Jahr wird dies durch einen höheren Anstieg ausgeglichen. Das bringt ein Plus von etwa einem Prozentpunkt: In den genannten Prozentzahlen ist dieses Plus bereits enthalten.
Rolf Winkel
Das Rentenplus fällt aber noch kräftiger aus als 3,78 Prozent im Westen bzw. 5,49 im Osten. Wie kommt das?
Interviewer
Es gibt noch weitere Stellschrauben für das Rentenniveau. Das ist zum einen der so genannte Nachhaltigkeitsfaktor. Damit soll die demografische Entwicklung bei der Rente berücksichtigt werden. Generell rechnen die Statistiker damit, dass es künftig zunehmend mehr Rentner und immer weniger Beitragszahler geben wird. Das zahlenmäßige Verhältnis beider Gruppen wird durch den Nachhaltigkeitsfaktor abgebildet. „Verschlechtert“ sich dieser Wert – gibt es also weniger Arbeitnehmer und mehr Rentner – so dämpft das den Rentenanstieg. Und umgekehrt. Auch hier kommt es auf Entwicklung im letzten Jahr gegenüber dem vorletzten Jahr an.
Rolf Winkel
Hat der Nachhaltigkeitsfaktor zuletzt eine Rentensenkung bewirkt?
Interviewer
Nein. Dieses Mal ein Rentenplus. Durch die relativ günstige Arbeitsmarktentwicklung gab es im Vergleichszeitraum mehr Beschäftigte. Das bringt den Rentnern in diesem Jahr einen um 0,18 Prozentpunkte höheren Rentenanstieg.
Rolf Winkel
Kann sich der Nachhaltigkeitsfaktor auch künftig positiv auf die Rentenentwicklung auswirken?
Interviewer
Insgesamt ist eher mit dem Gegenteil zu rechnen. Positiv für die Ruheständler kann sich allerdings der Zuzug von Flüchtlingen bzw. generell die Zuwanderung nach Deutschland auswirken. Die Zuwanderung wird in den nächsten Jahrzehnten kaum Einfluss auf die Zahl der Rentenbezieher haben, wohl aber – auf Dauer – zu einem Zuwachs an versicherungspflichtig Beschäftigten führen.
Rolf Winkel
Wirkt sich auch der Beitragssatz der Rentenversicherung auf die Rentenentwicklung aus?
Interviewer
Auch das. Im Prinzip gilt: Steigt der Beitragssatz, dann ist das für die Rente schlecht. Sinkt er, dann ist das gut für die Rente. Dafür sorgt der Beitragssatz-Faktor, der bei der Berechnung der Rentenanpassung einfließt. Allerdings kommt es auch hier nicht auf den aktuellen Beitragssatz an, sondern darauf, wie sich der Beitragssatz im letzten gegenüber dem vorletzten Jahr entwickelt hat. 2015 lag der Beitrag – genau wie heute – bei 18,7 Prozent. 2014 waren es noch 18,9 Prozent. Das bringt dann nach der gesetzlichen Rechenanweisung ein kleines weiteres Rentenplus von 0,26 Prozentpunkten.
Rolf Winkel
Ist noch mit einer weiteren Senkung des Rentenbeitrags zu rechnen?
Interviewer
Eher mit einer Steigerung, spätestens im nächsten Jahrzehnt. Das wird dann dazu führen, dass der Rentenanstieg gebremst wird.
Rolf Winkel
Wie funktioniert dann die genaue Berechnung der Rentenanpassung?
Interviewer
Die drei Faktoren werden miteinander multipliziert. Wer will, kann die Probe machen, etwa für die Anpassung Ost: 1,0548 (Bruttolohnentwicklung) x 1,0018 (Nachhaltigkeitsfaktor) x 1,0026 (Beitragssatzfaktor) bringt eine Erhöhung um den Faktor 1,0595, anders ausgedrückt: um 5,95 Prozent.
Rolf Winkel
Welche Rentenentwicklung ist künftig zu erwarten?
Interviewer
Die Bundesregierung sagt in ihrem Rentenversicherungsbericht 2015 (Bundestags-Drucksache 18/6870) bei den gesetzlichen Renten eine jährliche Steigerung von deutlich über 2 Prozent voraus. Bei der „mittleren Lohnvariante“ erwartet sie im Zeitraum von 2015 bis 2029 eine Steigerung von 41 Prozent.
Rolf Winkel
Aber alle Welt spricht von der Senkung des Rentenniveaus …
Interviewer
Das ist auch nicht ganz falsch. Gemeint ist damit aber nicht, dass die Rente gekürzt wird. Die Rente wird auch künftig deutlich steigen. Das Rentenniveau wird jedoch – anders als früher – nicht mehr mit der Lohnentwicklung Schritt halten, sondern wird der Lohnentwicklung hinterher hinken. Dafür werden die demografische Entwicklung (die über den Nachhaltigkeitsfaktor eingefangen wird) und die Entwicklung des Rentenbeitrags sorgen. Der Rentenbeitrag wird nach den Erwartungen der Bundesregierung bis 2023 auf 20 Prozent ansteigen. Schon diese Anhebung wird dazu führen, dass der kommende Rentenanstieg um 1,7 Prozentpunkte gebremst wird.
Rolf Winkel
Gibt es schon Prognosen, womit die Rentner in den kommenden Jahren rechnen können?
Interviewer
Die Bundesregierung rechnet auch für die kommenden Jahre jeweils mit einem Rentenplus zwischen 2 und 3 Prozent. Das geht aus dem Rentenversicherungsbericht 2015 hervor.
Rolf Winkel

Weitere Artikel

Time
7 Minuten

Zum 1. Juli 2026 steigen alle gesetzlichen Renten um 4,24 Prozent – auch die Hinterbliebenenrenten. Zugleich steigt der Einkommensfreibetrag für Hinterbliebene. Aufpassen müssen vor allem arbeitende Witwen und Witwer, deren Arbeitseinkommen in diesem Jahr gesunken ist.

Time
5 Minuten

Zum 1. Juli steigen alle gesetzlichen Renten um 4,24 Prozent. Das ist weitaus mehr als die aktuelle Teuerungsrate von knapp 3 Prozent. Was das konkret im Geldbeutel bringt – und wie es langfristig weitergeht.

Time
6 Minuten

Rund 1,2 Millionen Minijobber sind 65 Jahre oder älter – so weist es die Statistik der Minijob‑Zentrale aus. Seit Anfang 2026 lohnt es sich für viele von ihnen, aus dem Minijob einen Midijob zu machen.

Time
7 Minuten

Rentenlücke, Inflation, steigende Lebenshaltungskosten – viele Menschen haben das Gefühl, beim Thema Rente den Überblick zu verlieren. Die Folge ist oft nicht schlechte Planung, sondern gar keine. Das ist fatal, denn entscheidend ist, überhaupt anzufangen.

Time
5 Minuten

Ab Anfang 2026 sollen Senioren, die ihr reguläres Rentenalter erreicht haben, 2000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen dürfen. Das soll ein Anreiz zur Weiterarbeit im Alter sein. Doch welche Folgen hat das in der Sozialversicherung?

Time
5 Minuten

Mütterrente III wird das Projekt salopp genannt. Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, soll es künftig die gleiche Leistung geben wie für später Geborene. Wir zeigen, womit Mütter (und erziehende Väter) demnächst rechnen können.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026