Würzburg (drv/sth). Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hat am Donnerstag mit einem Festakt das 50-jährige Bestehen der Datenstelle der Rentenversicherung (DSRV) in Würzburg gefeiert. Die Datenstelle ist die zentrale Drehscheibe für Sozialdaten in Deutschland. Mit ihrer Eröffnung am 1. Juli 1975 wurde “ein Grundstein für die Modernisierung der deutschen Rentenversicherung gelegt”, heißt es in einer Mitteilung der DRV. Hauptziel der DSRV sei es gewesen, “Versicherungsdaten und -nummern der Versicherten zusammenzuführen und jedem Versicherten eine eindeutige Versicherungsnummer zuzuordnen”. Die Datenstelle habe die “Grundlage für einen einheitlichen und zuverlässigen Datenbestand (geschaffen), der für eine moderne Verwaltung unerlässlich ist”.
DSRV im Alltag: Das digitale Rückgrat der Sozialversicherung
Im Alltag vieler Menschen spielt die DSRV eine zentrale, wenn auch oft unbemerkte Rolle. Sie vergibt Versicherungsnummern, meldet Entgeltzeiten und verwaltet Zeiten des Wehr- oder Zivildienstes. Zudem koordiniert sie den Datenaustausch zwischen Arbeitgebern, Sozialversicherungsträgern, dem Zoll und internationalen Behörden. Die DSRV sorgt für lückenlose Rentenkonten, selbst wenn Versicherte über Jahre hinweg bei verschiedenen Arbeitgebern tätig waren, und ist die Anlaufstelle für die Ausstellung von Sozialversicherungsausweisen.
„Wenn wir über die Deutsche Rentenversicherung sprechen, denken viele zuerst an die monatliche Rente, an Reha-Leistungen oder an Beratungsgespräche. Doch hinter all diesen sichtbaren Leistungen steckt ein komplexes und hochpräzises Räderwerk, dessen Herzstück die Datenstelle der Rentenversicherung ist“, erklärte Lilian Tschan, Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Ohne die DSRV wäre der Alltag vieler Menschen in Deutschland deutlich komplizierter. Auch bei der digitalen Transformation spielt die DSRV eine entscheidende Rolle. „Die Datenstelle ist ein Motor für die Modernisierung der Verwaltung, für die Entwicklung neuer digitaler Services und für eine noch bürgerfreundlichere Gestaltung unseres Sozialsystems“, so Tschan.
DSRV verarbeitet täglich 40 Millionen Datensätze
Aktuell verwaltet und schützt die DSRV die persönlichen Daten von über 50 Millionen Versicherten und rund 22 Millionen Rentnern – und verarbeitet täglich über 40 Millionen Datensätze von 150 Millionen Menschen, die Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung haben oder hatten. „Die DSRV hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu einem unverzichtbaren digitalen Rückgrat des Sozialstaats entwickelt“, erklärte Hans-Werner Veen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Bund, der die DSRV untersteht.
Die DSRV nimmt eine besondere rechtliche Stellung innerhalb der deutschen Sozialversicherung ein. Sie ist als gemeinsame Institution aller 16 Träger der Rentenversicherung konzipiert und wird von der Deutschen Rentenversicherung Bund verwaltet. „Die DSRV ist wie ein Notar im Datensystem. Sie sorgt dafür, dass alle relevanten Informationen korrekt, vollständig und datenschutzkonform weitergegeben werden“, erläuterte Veen. Das werde auch bei Zuständigkeitswechseln zwischen den einzelnen Trägern der Rentenversicherung sichergestellt.
Ein fundamentales Merkmal der DSRV ist das datenschutzrechtliche Trennungsgebot. Die Datenbestände der Datenstelle müssen dabei von den Datenbeständen der DRV Bund und der anderen Rentenversicherungsträger getrennt bleiben. Die Übermittlung von Daten an die DSRV erfolgt ausschließlich zweckgebunden. Das heißt, sie dürfen nur für Aufgaben verwendet werden, die aus dem Sozialgesetzbuch hervorgehen.
Grundrente und PUEG: Digitaler Kraftakt erfolgreich gemeistert
Zusätzlich hat sich die Datenstelle in den letzten fünf Jahrzehnten auch für die erfolgreiche Umsetzung komplexer Gesetzesvorhaben etabliert, etwa bei der Einführung des Grundrentenzuschlags. Trotz kurzer Frist – Gesetz im Sommer 2020 verabschiedet, Umsetzung ab Januar 2021 – ermöglichte eine automatisierte, behördenübergreifende „Datenautobahn“ die schnelle und fristgerechte Auszahlung. „Die DSRV war die unverzichtbare Schaltzentrale dieses Mammutprojekts – ein Paradebeispiel für eine behördenübergreifende Kooperation“, betonte Dr. Stephan Fasshauer, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund. Auch beim Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) setzte die DSRV auf Digitalisierung: So wurde ein digitales Verfahren zur Abfrage der Kinderanzahl beim Bundeszentralamt für Steuern eingeführt. „Dieses Verfahren ist ein digitaler Vorteil für über 40 Millionen Menschen“, so Fasshauer.
Mit 27 Mitarbeitern nahm die DSRV vor 50 Jahren den Betrieb in Würzburg auf. Danach ist die Datenstelle stetig gewachsen, auch personell. Mittlerweile sind hier 710 Mitarbeiter beschäftigt, davon 58 Nachwuchskräfte. „Ich freue mich sehr, dass die Deutsche Rentenversicherung ihre Datenstelle 1975 in Würzburg aufgebaut und seither viele wertvolle Arbeitsplätze hier geschaffen hat“, erklärt Martin Heilig, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg. „Das 50-jährige Jubiläum der DSRV ist auch ein Anlass all jenen zu danken, die täglich mit großer Sorgfalt und Professionalität an der Sicherung unseres Rentensystems arbeiten. Sie sind die stillen Helden, die im Hintergrund dafür sorgen, dass unser Sozialstaat funktioniert und die Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, ihre ihnen zustehende Rente erhalten.“
