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Debatte um das künftige Rentenalter geht weiter

Ein Ökonom und die Bundesarbeitsministerin haben ein neues Rentenalter ins Spiel gebracht. Deutschlands Arbeitgeber halten davon wenig. Und CSU-Chef Söder ist beim Gedanken an eine Ausweitung des Versichertenkreises skeptisch.

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Debatte um das künftige Rentenalter geht weiter

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Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Foto: BDA/Michael Hübner

Berlin (dpa/sth). Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) lehnt den Vorschlag einer neuen Berechnung des Rentenalters nach Beitragsjahren ab. “Der von Bas unterstützte Vorschlag eines einzelnen Beraters ist eine Neuauflage der Rente mit 63 unter einer neuen Überschrift. Dieses war falsch, bleibt falsch – und wird auch zukünftig unter einer neuen Überschrift falsch”, sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Mit der sogenannten Rente mit 63 ist die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren gemeint, die in den Jahren 2014 und 2015 ab einem Alter von 63 möglich war.

Kampeter bezeichnete es als “mehr als überraschend”, dass Bundesministerin Bas bereits zwei Tage nach der Verabschiedung des Rentenpakets von einer notwendigen grundlegenden Rentenreform spreche. “Wäre diese Einsicht ein paar Tage früher gekommen, wäre die Koalition in einer besseren Verfassung”, sagte der BDA-Vertreter. Und weiter: “Wir sind gespannt auf die Vorschläge der bisher fiktiven Rentenkommission und wie sich die Politik dazu verhält.” Langjährig Beschäftigte hätten jedenfalls Anspruch auf eine anständige Rente. “Deshalb ist es nur logisch, dass unser Rentenrecht längeres Arbeiten und damit zusätzliche Beitragszahlungen mit höheren Renten belohnt.”

Der Wirtschaftsprofessor Jens Südekum hatte sich dafür ausgesprochen, den Renteneintritt nicht mehr an das Alter, sondern an die Zahl von Beitragsjahren zu knüpfen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sagte dazu am Sonntag im ARD-"Bericht aus Berlin": “Ich finde die Idee grundsätzlich ganz gut.” SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf schloss sich dem an. “Ich finde erst mal, dass es eine Idee ist, die deutlich besser geeignet ist, darüber zu diskutieren als eine schnöde Anhebung des Renteneintrittsalters”, sagte Klüssendorf im «Frühstart» von RTL/ntv. Auch Söder zeigte sich hier offen. Diesen Grundgedanken finde er “sympathischer” als es an ein bestimmtes Alter zu koppeln. Auch hier gebe es aber noch viele Dinge zu bedenken, etwa wie in den Beitragsjahren wirklich gearbeitet worden sei, etwa durch Teilzeit.

Was Kritiker dagegen hervorbringen

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, lehnt die Idee einer Koppelung hingegen ab. “Der Vorschlag wird die Altersarmut nicht reduzieren, sondern Ungleichheiten verstärken”, sagte der Ökonom der “Rheinischen Post”. Aus seiner Sicht würden auf diese Weise auch “Menschen und vor allem Frauen, die viele Jahre ehrenamtlich tätig waren oder sich um die Familie gekümmert haben, schlechter gestellt”.

Eine noch für Dezember angekündigte Rentenkommission soll bis zum Sommer Vorschläge zur langfristigen Sicherung der Alterseinkommen machen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: “Die Rentenkommission muss jetzt ohne Denkverbote und Vorfestlegungen arbeiten, ansonsten macht es keinen Sinn, sie einzurichten.” Er fügte hinzu: “Die Überlegung, das Renteneintrittsalter an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln, gehört da sicherlich dazu.”

Linke-Fraktionsvize Nicole Gohlke lehnte Südekums Vorschlag als “vergiftetes Angebot” ab. “Wer körperlich hart arbeitenden Menschen einen früheren Ruhestand ermöglichen will, rennt bei uns offene Türen ein. Aber das darf nicht gegen diejenigen ausgespielt werden, die sich für ein Studium entschieden haben.” Weil Akademiker wegen der Studienjahre in der Regel deutlich später zu arbeiten anfangen, könnte für sie eine Umsetzung von Südekums Vorschlag von Nachteil sein.


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