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„Ein längeres und gesünderes Leben für alle“

Der Ökonom Thomas Straubhaar will beim Renteneintrittsalter auch die geringere Lebenserwartung von Geringverdienern berücksichtigt sehen.

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Hamburg (sth). Für eine grundlegende Umorientierung in der Debatte um eine weiter verlängerte Lebensarbeitszeit hat sich der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar ausgesprochen. In einem Beitrag für die Zeitung "Die Welt" forderte der an der Universität Hamburg lehrende Ökonom, ein "längeres und gesünderes Leben für alle und nicht nur für die ökonomisch Bessergestellten" müsse das "Ziel der Wirtschafts-, Sozial- und Rentenpolitik in einer digitalisierten Datenökonomie des 21. Jahrhunderts" sein.

Angesichts der technologischen Veränderungen in der Arbeitswelt und des zunehmenden Abbaus von Industriearbeitsplätzen widerspreche eine längere Arbeitszeit für Menschen mit geringem Einkommen, die zudem eine deutlich geringere Lebenserwartung hätten als Besserverdienende, "einem allgemeinen Fairnessgebot", schreibt Straubhaar. Hinzu komme: "Wer unter diesen neuen Umständen nur des Rentensystems wegen mit Menschen statt Automaten produziert, verliert insgesamt seine Wettbewerbsfähigkeit und gefährdet damit die Zukunft der Beschäftigung aller."

Straubhaar räumt persönliche Kehrtwende ein

Straubhaar räumt ein, dass auch er noch vor wenigen Jahren für eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung plädiert habe. Mit Blick darauf, dass Geringverdiener aber eine deutlich geringere Lebenserwartung hätten, deshalb weniger Rente und zudem auch noch über eine wesentlich kürzere Zeit bekämen, könne die Forderung nach einer generell längeren Lebensarbeitszeit "schwerlich als gerecht und fair bewertet werden", so Straubhaar. Vielmehr wirke sie "wie sozioökonomischer Sprengstoff".  

Gegen eine Rente mit 68 oder noch später spreche aus heutiger Sicht vor allem, "dass es künftig eigentlich gar nicht mehr so vieler Arbeitskräfte bedarf", argumentiert der Forscher. Deshalb mache es wenig Sinn, "ältere Menschen (noch) länger an ihre Jobs zu binden". Gesundheitsschädigende Tätigkeiten sollten künftig von Maschinen statt von Menschen erledigt werden, mahnt der Wissenschaftler an. "Wo das nicht möglich ist, müssen Lebensarbeitszeiten verkürzt und nicht verlängert werden, damit alle eine faire Chance auf eine unabhängig vom Arbeitseinkommen gleichermaßen steigende Lebenserwartung haben."

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