Rostock (sth). Investitionen in Bildung können bei einem kleiner werdenden Potenzial von Arbeitskräften die Produktivität des Einzelnen erhöhen und so die negativen Folgen einer sinkenden Zahl verfügbarer Arbeitskräfte ausgleichen. Zu diesem Ergebnis sind jetzt Mikko Myrskylä, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock, und eine Gruppe von Forschenden des Instituts in einer Studie auf der Grundlage finnischer Daten gekommen. Eine “ehrgeizige, aber einfache Strategie” für Bildungsinvestitionen könne die negativen Auswirkungen einer geringeren Erwerbsbevölkerung auf Indikatoren etwa wie die Rentenbelastung ausgleichen, stellten die Wissenschaftler fest. Bei dieser Strategie wird die Gesamtsumme der Investitionen trotz der sinkenden Zahl von Kindern pro Geburtsjahr konstant gehalten und dadurch die Pro-Kopf-Investitionen erhöht.
Investitionen in Bildung erhöhen Zahl der Arbeitsjahre und die Rente
“Investitionen in Bildung verringern nicht nur die Rentenlast, sondern erhöhen auch die Anzahl der Arbeitsjahre, das Renteneinkommen, die Anzahl der Ruhestandsjahre und die Lebenserwartung”, lautet der Befund der Rostocker Wissenschaftler. Solche Investitionen hätten bei einer sinkenden Geburtenrate "das Potenzial, die Gesundheit und das Wohlbefinden des Einzelnen zu verbessern und die wirtschaftlichen Herausforderungen einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung in Ländern mit niedriger Geburtenrate zu mildern“, so MPDIR-Chef Myrskylä.
In ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift “Demography” veröffentlicht wurde, simulierten die Wissenschaftlerinnen und Forscher eine moderate Erhöhung der Bildungsinvestitionen pro Kind. Sie hielten die Gesamtinvestition in Bildung in einem Szenario mit niedriger Geburtenrate auf dem gleichen Niveau wie in einem Szenario mit höherer Geburtenrate. „Wenn die Zahl der Kinder im Szenario mit höherer Geburtenrate beispielsweise bei 100 liegt und wir über den gesamten Lebensverlauf 100 Euro in die Bildung eines Kindes investieren, belaufen sich die Gesamtinvestitionen auf 10.000 Euro. Wenn die Geburtenrate auf 80 Kinder sinkt, wir aber immer noch die gleichen 10.000 Euro in diese Kinder investieren, erhält nun jedes Kind über den gesamten Lebensverlauf hinweg 125 Euro Bildungsinvestition“, erläutert Myrskylä. In der Simulation mit den echten Zahlen aus Finnland würde die zusätzliche Investition pro Kind zu etwa einem extra Bildungsjahr pro Kind führen.
Höhere Bildung steigert das Wohlbefinden
„Eine Vielzahl von Studien dokumentiert in vielen Lebensbereichen, dass höhere Bildung das Wohlbefinden des Einzelnen steigert“, sagt Mikko Myrskylä. Daher sei höhere Bildung nicht nur mit höherer Produktivität und längerer Erwerbstätigkeit verbunden, sondern gehe auch mit besserer Gesundheit, insgesamt längerem Leben, höherem subjektiven Wohlbefinden und Glück für den Einzelnen einher.
Wenn weniger Menschen erwerbstätig, aber aufgrund ihrer höheren Bildung produktiver sind und später in Rente gehen, was passiert dann mit der makroökonomischen Zukunftsfähigkeit, wie etwa der Rentenlast? Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen nach Angaben des MPIDR, “dass die Rentenausgaben im Verhältnis zur Lohnsumme in etwa gleich hoch sind wie in einer Simulation mit höheren Geburtenraten". Die Rentenlast bleibe demnach gleich hoch.
„Wir sind zuversichtlich, dass unsere Ergebnisse im Allgemeinen auf andere europäische Länder übertragbar sind, es sei denn, man findet einen Kontext, in dem das allgemeine Bildungsniveau bereits so hoch ist, dass die Produktivität nicht durch Investitionen in die Bildung gesteigert werden kann", so Mikko Myrskylä. Er ergänzt: "Ich bin mir nicht sicher, ob es solche Länder gibt – daher denke ich, dass sich unsere Ergebnisse gut über Grenzen hinweg übertragen lassen.“
