Berlin/Bad Homburg (sth). Rentnerinnen und Rentner, die noch nicht die persönliche Regelaltersgrenze erreicht haben, sollen offenbar dauerhaft deutlich mehr Geld aus Nebentätigkeiten zu ihrer Rente hinzuverdienen dürfen als in der Vergangenheit. Das berichtet das Internet-Portal t-online.de unter Berufung auf Fachpolitikerkreise der SPD- und Grünen-Bundestagsfraktion. Demnach soll die seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich angehobene Hinzuverdienstgrenze für Frührentenbeziehende von derzeit 46.060 Euro pro Jahr beibehalten werden. Bis zum Frühjahr 2020 lag die Hinzuverdienstgrenze für Altersrentner, die bereits vor ihrer Regelaltersgrenze Rente bezogen, bei 6.300 Euro pro Jahr; anschließend stieg sie zunächst auf 44.590 Euro, im vergangenen Jahr weiter auf 46.060 Euro.
Die bisher nur als Ausnahmeregelung geltende Erhöhung der Nebenverdienstgrenze für Frührentner – sie sollte ursprünglich Ende dieses Jahres auslaufen – soll nun offenbar zum Standard werden. Im Koalitionsvertrag (S. 74)von SPD, Grünen und FDP heißt es dazu, die Ampel-Bundesregierung wolle „die Regelung zum Hinzuverdienst bei vorzeitigem Rentenbezug entfristen“. Der Grünen-Rentenpolitiker Markus Kurth wird zu der geplanten Gesetzesänderung mit den Worten zitiert: „Wir schaffen damit mehr Flexibilität beim Rentenübergang und ersparen der Rentenversicherung erheblichen Verwaltungsaufwand.“ Bisher muss die Rentenversicherung individuell prüfen, ob ein Frührentner tatsächlich nicht mehr als die erlaubte Summe hinzuverdient hat.
Abschläge zahlen und früher in Rente gehen oder weiter arbeiten und die Rente steigern – mit der Flexirente können Arbeitnehmer den Übergang in die Rente flexibler gestalten.
„Unternehmen können sich wichtige Berufserfahrungen sichern“
Bernd Rützel (SPD), neuer Vorsitzender des Bundestags-Sozialausschusses, bestätigte laut dem Bericht den Regierungsplan. „Ich finde es gut, dass Frührentnerinnen und Frührentner mehr Gestaltungsspielraum bekommen und gleichzeitig Unternehmen sich wichtige Berufserfahrungen sichern können“, wird Rützel zitiert. Die Erfahrungen, die der Bund seit der Anhebung der Hinzuverdienstgrenze auf 46.060 Euro gemacht habe, seien so gut, dass man diese Hinzuverdienstmöglichkeit dauerhaft schaffen wolle. Damit begegne man dem Fachkräftemangel auch für die Zukunft, nicht nur in Corona-Zeiten. Wann dieses Vorhaben zeitlich umgesetzt wird, sei indes noch nicht klar, sagte Rützel den Angaben zufolge. Ein Sprecher des Bundessozialministeriums erklärte, man könne „heute noch keine näheren Details nennen“.