Duisburg/Essen (sth). Rentnerinnen und Rentner, die zwischen 1940 und 1953 geboren wurden, sind im Durchschnitt mit jedem Jahrgang in einem höheren Alter in Rente gegangen. Das geht aus dem neuen “Altersübergangsreport” hervor, den Forscher des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen jetzt im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstellt haben. „Das mittlere Austrittsalter aus versicherungspflichtiger Beschäftigung älterer Erwerbstätiger hat sich bei den von uns untersuchten Jahrgängen von knapp 60 Jahren beim Jahrgang 1940 auf knapp 63 Jahre im Jahrgang 1953 deutlich erhöht", erklärte IAQ-Sozialforscher Max Keck bei der Veröffentlichung des Reports.
Das Durchschnittsalter, in dem sich Beschäftigte vom Arbeitsmarkt verabschiedeten, sei in den vergangenen Jahren “in hohem Tempo gestiegen”, heißt es im Altersübergangsreport. Dies gelte gleichermaßen für Frauen und Männer sowie für Beschäftigte “aller Anforderungsniveaus”. Zudem habe sich der Erwerbsaustritt aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der untersuchten Jahrgänge “über eine kürzere Altersspanne” erstreckt, stellten die Wissenschaftler fest. Dies sei “in erster Linie auf aufgeschobene und sehr frühe Erwerbsaustritte zurückzuführen”.
Regelaltersgrenze steigt schneller als das Renteneintrittsalter
Der im Untersuchungszeitraum im Schnitt deutlich gestiegene Rentenbeginn lasse aber nicht die Folgerung zu, dass die Regelaltersgrenze nach 2031 über das 67. Lebensjahr hinaus weiter angehoben werden sollte, meinen Brussig und Keck. So liege das mittlere Alter beim Austritt aus dem Erwerbsleben noch immer über zwei Jahre vor der für den jeweiligen Geburtsjahrgang geltenden Regelaltersgrenze. Grund dafür sei, dass das Arbeiten bis zur Rente “für viele nicht möglich” bleibe - etwa wegen unzureichender Arbeitsbedingungen, vorzeitigem körperlichem Verschleiß und fehlender gesundheitlicher Leistungsfähigkeit.
Angesichts des demografischen Wandels werde der Bedarf an älteren Arbeitskräften aber nicht zurückgehen - “eher im Gegenteil”, so Brussig und Keck. Ob ältere Erwerbstätige aber tatsächlich noch länger arbeiten könnten, “entscheidet sich an den Arbeitsbedingungen und hier insbesondere den gesundheitlichen Belastungen der Erwerbsarbeit”. Zudem gebe es einen “beträchtlichen Anteil" von Personen, der sehr früh aus dem Erwerbsleben ausscheidet, mahnen die IAQ-Forscher. Gerade sie zu identifizieren, sei für zielgenaue Arbeitsplatzanpassungen, für Umschulungen und für die sozialen Sicherung “von besonderer Bedeutung”.
