Ihre-Vorsorge Logo

Grundrentenberechtigte arbeiten öfter als andere Rentner

DIW zieht Bilanz des 2021 eingeführten Rentenzuschlags für langjährige Niedriglohnbezieher. Viele Berechtigte sind neben dem Bezug der Altersrente noch erwerbstätig, meist auf Minijob-Basis.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Rentnerin hält Brief von der DRV in den Händen. Bild: IMAGO / Joko

© Nicht definiert

Berlin (diw/sth). Rund 1,4 Millionen Menschen oder gut fünf Prozent aller Rentnerinnen und Rentner erhalten Grundrente. Von diesem Zuschlag, der Rentenbeziehenden mit langen Erwerbsverläufen und niedrigen Renten als Anerkennung für die lange Beitragszeit zusteht, profitieren insbesondere Frauen. Und Frauen erhalten mit 102 Euro monatlich auch im Schnitt etwas höhere Zuschläge als Männer mit 82 Euro. Auf Basis von Daten der Deutschen Rentenversicherung haben Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) jetzt eine erste umfassende Bilanz der im Jahr 2021 eingeführten Grundrente gezogen und dabei einen Schwerpunkt auf die Erwerbstätigkeit gelegt. 

„Viele Grundrentenberechtigte sind auch in der Altersrente noch erwerbstätig, zum überwiegenden Teil auf Minijob-Basis“, fasst Studienautor Peter Haan zusammen. „Die hohe Erwerbstätigenquote deutet darauf hin, dass der Grundrentenzuschlag nicht ausreicht, um vor Einkommensarmut zu schützen.“ Unter den 63- bis 74-Jährigen arbeiten demnach 22 Prozent der Grundrentenbeziehenden, während es unter denjenigen ohne Grundrentenanspruch nur 16 Prozent sind.

„Erwerbstätigkeit in der Altersrente kann den Grundrentenzuschlag mindern oder sogar verhindern“, sagt Studienautor Hermann Buslei. Neben den 1,4 Millionen Grundrentenbeziehenden seien weitere rund 1,3 Millionen Rentnerinnen zwar aufgrund ihrer Erwerbsbiografie generell anspruchsberechtigt, erhielten den Zuschlag zur Rente aber wegen zu hoher Einkommen nicht. Neben den Versicherungsverläufen entscheidet auch das aktuelle Einkommen und gegebenenfalls das Partnereinkommen über den Bezug der Grundrente.

Job direkt vor Rentenbeginn erhöht Erwerbswahrscheinlichkeit

Besonders häufig sind Grundrentenbeziehende der DIW-Studie zufolge neben dem Bezug der Altersrente erwerbstätig, wenn sie noch im Jahr vor Renteneintritt gearbeitet haben (29,5 Prozent) – und zwar häufiger als Rentner ohne Grundrentenanspruch (25,3 Prozent) und viel öfter als Grundrentenbeziehende, die bei Renteneintritt nicht mehr erwerbstätig waren (9,4 Prozent). „Personen, die kurz vor Ren­teneintritt aktiv am Arbeitsmarkt teilnahmen, verfügen nicht nur über bessere Anbindungen, sondern auch über aktuelle Berufserfahrung, was eine Wei­terbeschäftigung erleichtert“, erläutert Studienautor Lukas Harder.

Die Erwerbstätigkeit ist aber für Grundrentenbeziehende eine Gratwanderung, da dadurch ihr Einkommen steigt und sie ihre Anspruchsberechtigung verlieren könnten. Um den Arbeitsanreiz zu erhalten, empfehlen die Autoren einen höheren Steuerfreibetrag auf das Erwerbseinkommen. „Die aktuell diskutierte Aktivrente, die Erwerbseinkommen von Rentnern bis zu einem gewissen Betrag steuerfrei stellt, könnte für Grundrentenbeziehende eine lohnende Option sein“, sagt Studienautor Johannes Geyer. Die steigende Zahl von Grundrentenempfängern zeige aber auch, dass die Erwerbsbiografien selbst bei kontinuierlichen Versicherungsverläufen kein ausreichend hohes Einkom­men im Alter gewährleisten. „Altersarmut ist eine Folge von niedrigen Löhnen und geringem Erwerbsumfang, die aber die Rentenpolitik nicht allein ausgleichen kann“, erklärt Geyer.

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Setzt die Koalition die Rentenreform um oder überlegt es sie sich bei der populären „Rente mit 63“ noch einmal anders? Die Sozialministerin will die Reform – und macht ein Versprechen.

Time
2 Minuten

Der Kanzler macht auch nach der CDU-Schlappe in Sachsen-Anhalt klar, dass große Gesetzesvorhaben weitergehen sollen. Bei der Rente signalisiert er Gesprächsbereitschaft über eine heikle Frage.

Time
2 Minuten

Gesellschaftsforscher haben sich eine wichtige Zahl zur Rente genauer angeschaut: die statistische Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren. Wie nah liegt sie an der Wirklichkeit?

Time
6 Minuten

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt mehren sich Stimmen in der Regierungskoalition, die viele Reformpakete wieder aufschnüren wollen. Im Zentrum der Kritik: die Vorschläge der Alterssicherungskommission.

Time
2 Minuten

Der erstmalige Bezug von Altersrente lag 2025 laut Jahresbericht der deutschen Rentenversicherung bei durchschnittlich 64,7 Jahren.

Time
1 Minuten

Angst vor Lücken in der Rentenbiografie durch lange Krankheit oder private Krankenversicherung? Das lässt sich vermeiden.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026