Köln (iw/sth). Trotz Corona-Pandemie und Inflation ist die Lebenszufriedenheit der Deutschen in den vergangenen Jahren gewachsen. Das geht nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus einer Auswertung des Sozioökonomischen Panels (SOEP) hervor. Demnach stieg die durchschnittliche Lebenszufriedenheit zwischen 2005 und 2021 von 6,8 auf 7,4 Skalenpunkte. In diesem Zeitraum stellte das SOEP regelmäßig zwischen knapp 14.000 und mehr als 30.000 Personen die Frage: „Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig, alles in allem, mit Ihrem Leben?“. Die Befragten ordneten sich für die Antwort auf einer zehnstufigen Antwortskala (0 = ganz und gar unzufrieden, 10 = ganz und gar zufrieden) ein.
Besonders zufrieden waren der Studie zufolge Menschen, die auch jenseits der früheren Regelaltersgrenze von 65 Jahren noch erwerbstätig sind. Die Gruppe der 66- bis 70-Jährigen ("Silver worker") erreichte demnach im Jahr 2021 einen Mittelwert von 7,6 Skalenpunkten.
Soziale Kontakte spielen wichtige Rolle für Weiterarbeit
Vor allem soziale Kontakte spielen laut der IW-Auswertung eine wichtige Rolle für die Weiterarbeit im Alter - denn sie könnten zu einer höheren Zufriedenheit beitragen. “Ein Arbeitsplatz gibt den Menschen die Möglichkeit, sich auszutauschen, in der Pause einen Kaffee zu trinken und gemeinsam etwas zu generieren”, schreiben die IW-Autorinnen Ruth Maria Schüler und Jennifer Potthoff. Dieses soziale Netz fehle, wenn Menschen in den Ruhestand gehen. Auch ein strukturierter Tagesablauf falle dann weg, und ein neuer Alltag müsse beim Eintritt in die Rente vielfach erst noch aufgebaut werden.
Finanzielle Gründe spielten bei der Entscheidung für oder gegen Weiterarbeit dagegen keine große Rolle, so das IW. „Spaß und soziale Kontakte sind wichtige Motive bei der Entscheidung weiterzuarbeiten“, erklärt IW-Rentenexpertin Schüler. Das Gegenteil zu den “Silver Workern” bilde allerdings die Gruppe arbeitsloser 61-65-Jähriger: Hier sei die Lebenszufriedenheit am niedrigsten und in den letzten zehn Jahren kaum gestiegen. „Unsere Zahlen zeigen, dass der frühe Erwerbsausstieg keine Garantie für eine hohe Lebenszufriedenheit ist“, ergänzt IW-Verhaltensökonomin Jennifer Potthoff.
