Düsseldorf (sth). Etwas mehr als die Hälfte (54,2 Prozent) der über 55 Jahre alten Beschäftigten in Deutschland wechselt aus dem Berufsleben direkt in die Rente. Gut ein Viertel (26,7 Prozent) nutzt Vorruhestandsregelungen wie Altersteilzeitarbeit oder Lebensarbeitszeitkonten als Tor zur Rente, weitere 19,1 Prozent “sonstige Wege”. Das geht aus einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Die Studie beruht nach Angaben des WSI auf der “Betriebs- und Personalrätebefragung 2023".
Laut der Studie steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Betrieb neben dem direkten Weg in die Rente ein sogenanntes Altersübergangsinstrument für den Job-Ausstieg anbietet, “mit der Betriebsgröße: von 46,5 Prozent in Betrieben mit 20-49 Beschäftigten auf 74,8 Prozent in Betrieben mit über 500 Beschäftigten”. Auch die Zahl unterschiedlicher Instrumente für den vorzeitigen Austritt aus dem Job nimmt demnach mit der Betriebsgröße zu. Zudem seien in den alten Bundesländern “Altersübergangsinstrumente weiter verbreitet als in den neuen Ländern, wobei es generell deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt”, schreiben die Studienautoren.
Mehr als 60 Prozent der Betriebe machen Altersübergangsangebot
Insgesamt gab es nach den Erhebungen der WSI-Befragung im Jahr 2023 in etwa 62 Prozent der Unternehmen ein “betriebliches Altersübergangsangebot” - mit einer insgesamt leicht rückläufigen Tendenz gegenüber einer ähnlichen Untersuchung aus dem Jahr 2010. So seien “Altersteilzeitregelungen auf dem Rückzug”, während “die Nutzung von Zeitkonten zugenommen” habe. Allerdings sei der Zuwachs bei den Zeitkonten geringer als der gleichzeitige Rückgang bei der Altersteilzeit, stellten die WSI-Forschenden fest.
Erheblichen Einfluss auf die Möglichkeit, per Altersteilzeit, Zeitkonto oder ein anderes Altersübergangsinstrument vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden zu können, hat der Studie zufolge das Verhältnis zwischen Betriebs- oder Personalrat und dem Arbeitgeber: Ein gutes Verhältnis “führt zu relativ deutlich mehr Übergängen in Ruhestand und Vorruhestand und deutlich weniger Nutzung anderer Wege”, registrierten die Wissenschaftler. In solchen Betrieben sei eine reguläre Beendigung des Arbeitsverhältnisses “also wahrscheinlicher”. Zudem würden Beschäftigte in Unternehmen mit einer gültigen Betriebs- oder Dienstvereinbarung zum Thema „Vorruhestand und Altersteilzeit“ nahezu gleich oft per Vorruhestand oder per regulärem Ruhestand aus dem Job ausscheiden, heißt es.
