Nürnberg (sth). Sie war eine der Ideen, mit der die frühere Ampelkoalition im Sommer vergangenen Jahres noch einmal ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen wollte: die “Rentenaufschubprämie”. Diese Prämie sollte nach dem Willen des damaligen Bundesarbeitsministers Hubertus Heil (SPD) und von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) eine Alternative zum - seit Langem bestehenden - Rentenzuschlag für ältere Beschäftigte sein. Einen Rentenzuschlag von sechs Prozent für jedes Jahr des verspäteten Rentenbeginns erhalten Beschäftigte, die über die persönliche Regelaltersgrenze hinaus weiter arbeiten - und zusätzlich ein Rentenplus für die weiteren in dieser Zeit gezahlten Beiträge.
Die Rentenaufschubprämie gehörte zu den - letztlich nicht mehr umgesetzten - rentenpolitischen Maßnahmen in der Wachstumsinitiative der damaligen Bundesregierung. Mit ihrer Hilfe sollten Versicherte ihre bisher nicht in Anspruch genommene Rente bei Renteneintritt auf einen Schlag ausgezahlt bekommen - statt in Form eines dauerhaften Zuschlags. Voraussetzung sollte sein, dass der Rentenbeginn nach der persönlichen Regelaltersgrenze um mindestens 12 und höchstens 36 Monate aufgeschoben wurde. Zudem sollten Interessenten an der Prämie während der “Aufschubzeit” eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausüben. Und: Da in dieser Zeit keine Rente gezahlt worden wäre, wären für die Rentenversicherung auch keine Krankenversicherungsbeiträge angefallen. Auch diese sollten den Ampel-Plänen zufolge später ausgezahlt werden.
Rentenaufschubprämie könnte stärker zur Weiterarbeit motivieren
Bislang lagen laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der Bundesagentur für Arbeit “keine Erkenntnisse" vor, inwieweit die geburtenstarken Jahrgänge durch Einmalzahlungen in der Rentenversicherung motiviert werden könnten, über die eigene Regelaltersgrenze hinaus zu arbeiten. Jetzt hat eine Befragung der Nürnberger Arbeitsmarktforscher aber zutage gefördert: Bei einer Einführung der Rentenaufschubprämie würden viele ältere Beschäftigte “stärker als beim bestehenden Rentenzuschlag dazu tendieren, doch noch länger zu arbeiten”. Eine solche Prämie könne das Arbeitsangebot in dieser Altersgruppe sogar “signifikant erhöhen”, fanden die Forscher heraus.
Ob am Ende der Rentenzuschlag oder die Rentenaufschubprämie für ältere Beschäftigte finanziell lukrativer ist, hängt nach Berechnungen der IAB-Wissenschaftler “vom Einzelfall ab und lässt sich nicht pauschal beantworten”. Wer sehr alt werde, “profitiert eher von einem Rentenzuschlag, die anderen würden stärker von der Rentenaufschubprämie profitieren”, heißt es in ihrer Studie. In einem Punkt sind sich die IAB-Forscher aber einig: Die Idee einer Einmalzahlung aus der Rentenversicherung sollte ”weiterhin berücksichtigt werden – auch in der laufenden Debatte um die geplante Aktivrente".
