Berlin/Bad Homburg (sth). Eine schrittweise Ergänzung des gesetzlichen Rentensystems durch kapitalgedeckte Altersvorsorge fordern die Experten von fünf Wirtschaftsinstituten. Zwar könne die umlagefinanzierte Rentenversicherung „durch eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung” gestärkt werden, schreiben die Ökonomen in ihrem am Donnerstag vorgestellten Herbstgutachten. Zudem sei innerhalb des Rentensystems eine „einmalige Potenzialsteigerung durch eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligungsquote” – etwa durch mehr Beschäftigung von Frauen oder Zuwanderern – möglich. Ein solcher Schritt würde die Finanzprobleme der Rentenversicherung jedoch nur kurz- und mittelfristig mindern, „löst aber die langfristigen Problem nicht”, heißt es in dem Gutachten.
Für eine allmähliche Umstellung des Rentensystems gebe es zwei Möglichkeiten, so die Wirtschaftsforscher. Zum einen könnten die Beiträge an die umlagefinanzierte Rentenversicherung schrittweise reduziert und „Arbeitnehmer verpflichtet werden, einen Teil ihres Lohns in kapitalgedeckte Altersvorsorge zu investieren”, heißt es in dem 86-seitigen Papier. Dabei nehmen die Forscher Bezug zum schwedischen Rentenmodell, in dem die Beschäftigten derzeit 2,5 Prozent des Rentenbeitragssatzes von 18,5 Prozent in eine sogenannte Prämienrente einzahlen. „Anders als beim bestehenden Riestersystem sollten die Anlagen vor allem am renditeträchtigeren Aktienmarkt erfolgen”, fordern die Ökonomen eine Abkehr von der bisherigen staatlichen Altersvorsorgeförderung. Dabei würden die Ansprüche der Versicherten an die umlagefinanzierte Rentenversicherung schrittweise reduziert.
Staat könnte mithilfe von Schulden Aktien kaufen
Alternativ könne der Staat „schuldenfinanziert Aktien kaufen und sich dabei die niedrige Rendite für Staatsanleihen zunutze machen”, schreiben die Wirtschaftswissenschaftler. Dies sei auch mit den Regeln der im Grundgesetz festgeschriebenen Schuldenbremse vereinbar, „weil sich hier finanzielle Transaktionen nicht auswirken”. Die künftige Rolle der Schuldenbremse dürfte auch bei den Sondierungsgesprächen von SPD, Grünen und FDP eine wichtige Rolle gespielt haben. Die aus den Aktien im Staatsbesitz erzielten Dividenden „könnten für Zahlungen an Rentner genutzt werden”, schlagen die Ökonomen vor.
Die Schuldenbremse würde bei einem solchen Modell zudem verhindern, dass der Staat auf die zur Altersvorsorge gekauften Aktien zugreifen und sie zur Finanzierung des staatlichen Haushalts heranziehen könne, meinen die Forscher. Ein Risiko staatlich gemanagter Aktienfonds bleibe jedoch, „dass diese genutzt werden, um ohne parlamentarische Kontrolle Industriepolitik zu betreiben oder auf Kosten der Rendite andere politische Ziele zu erreichen”. Deshalb müsse die Bundesregierung bei einem solchen System „auf einen adäquaten Ordnungsrahmen” achten, fordern die Forscher. Damit es für die Finanzierung der zusätzlichen Altersvorsorge zudem nicht zu einer „schleichenden Verstaatlichung der Wirtschaft” komme, solle „ein Großteil der Anlagen im Ausland getätigt” werden, heißt es in der sogenannten Gemeinschaftsdiagnose.
