München (dpa/tmn). Ein Impostor ist ein Blender und Hochstapler. Und das Impostor-Syndrom lässt Betroffene genau unter dieser Vorstellung leiden: Ich habe den Erfolg doch nicht verdient und gebe nur vor, etwas zu können.
Doch schon kleine Schritte können dieses Denkmuster durchbrechen, sagt Business-Coachin Nina Lizon. Im Interview erklärt sie, wie das geht und wie Betroffene diese Schwäche sogar für sich nutzen können.
Doch dann meldet sich diese fiese Stimme im Kopf und sagt: Stopp! So gut bin ich gar nicht, habe ich das überhaupt verdient, es ist doch nur Zufall, dass das geklappt hat. Dazu kommt ein Katastrophendenken nach dem Motto: Morgen fliegt das alles auf und dann werden alle merken, dass ich gar nichts kann.
Das Hauptmerkmal ist, dass Betroffene so stark von Selbstzweifeln geplagt sind, dass sie sich ihren eigenen Erfolg nicht nur nicht zutrauen, sondern glauben, sie hätten ihn nicht verdient. Und dass sie ihn dadurch auch nicht genießen können. Wichtig ist mir aber zu sagen: Impostor ist keine Krankheit und keine psychische Störung.
Impostor ist überall da, wo Selbstbild und Fremdbild auseinanderklaffen und ich denke: Ich bin die Anerkennung und den Erfolg gar nicht wert. Zum Beispiel versichert mir mein Partner, wie sehr er mich liebt, aber ich zweifle daran. Nicht, weil ich meinem Partner misstraue, sondern weil ich denke: Diese Liebe habe ich gar nicht verdient. Auch die Frage, ob ich wirklich eine gute Mutter oder ein guter Vater bin, geht in die Richtung. Perfektionismus spielt beim Impostor eine große Rolle.
Beim Impostor werden die Selbstzweifel nicht weniger. Stattdessen mache ich mir mit zunehmendem Erfolg noch mehr Druck. Mein Anspruch an mich wird noch größer und ich finde im weiteren Vorwärtsgehen keine Entlastung, sondern alles wird zur Belastung. Verbunden mit dem Gedanken: Mein Erfolg war nur Zufall und keine eigene Leistung.
Das Darüber-Reden wird auch zeigen, wie viele Menschen diese Gedanken kennen. Umfragen zeigen, dass 70 Prozent der Menschen immer wieder von solchen Zweifeln im Leben betroffen sind. Und das Dritte ist: Führen Sie ein Erfolgstagebuch! Halten Sie darin Ihre Erfolge, Komplimente und Feedbacks fest. Blättern Sie immer mal darin, um den Selbstzweifeln im Kopf etwas entgegenzusetzen. Da haben Sie es schwarz auf weiß.
Wenn ich in meinen Coachings frage, sticht eine Antwort heraus: Impostor-Betroffene bereiten sich extrem gut vor. Sie sind oft motivierter zu lernen, weil Selbstzweifel anspornen. Sie sind geübter, schädliche Gedankenmuster zu erkennen, auch bei anderen. Sie sind neugierig, stellen Fragen und sind offener dafür, Lösungen zu finden, als im Alten zu verharren.
Wenn ich versuche, eine Schwäche für statt gegen mich zu nutzen, kann ich damit outperformen und meinen Erfolg auch genießen – auf eine empathische Weise, ohne Konkurrenzdenken.
