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Impostor-Syndrom: So besiegen Sie das Hochstapler-Gefühl

Das ständige Gefühl, im Job als Hochstapler entlarvt zu werden, hat einen Namen. Wie man mit Selbstzweifeln umgeht.

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Junge Frau sitzt in einem Großraumbüro vor einem Bildschirm und hält einen Kugelschreiber in der Hand.

© Nicht definiert

München (dpa/tmn). Ein Impostor ist ein Blender und Hochstapler. Und das Impostor-Syndrom lässt Betroffene genau unter dieser Vorstellung leiden: Ich habe den Erfolg doch nicht verdient und gebe nur vor, etwas zu können.

Doch schon kleine Schritte können dieses Denkmuster durchbrechen, sagt Business-Coachin Nina Lizon. Im Interview erklärt sie, wie das geht und wie Betroffene diese Schwäche sogar für sich nutzen können.

Frage: Wie äußert sich das Impostor-Syndrom?
Interviewer
Ein ganz klassisches Beispiel aus meiner Coaching-Praxis ist, dass Klienten und Klientinnen zu mir kommen, wenn es eigentlich gerade richtig gut läuft. Ein erfolgreiches Projekt ist abgeschlossen, es gab ein großes Lob vom Chef, und vielleicht ist sogar ein Karriereschritt in Aussicht.

Doch dann meldet sich diese fiese Stimme im Kopf und sagt: Stopp! So gut bin ich gar nicht, habe ich das überhaupt verdient, es ist doch nur Zufall, dass das geklappt hat. Dazu kommt ein Katastrophendenken nach dem Motto: Morgen fliegt das alles auf und dann werden alle merken, dass ich gar nichts kann.

Das Hauptmerkmal ist, dass Betroffene so stark von Selbstzweifeln geplagt sind, dass sie sich ihren eigenen Erfolg nicht nur nicht zutrauen, sondern glauben, sie hätten ihn nicht verdient. Und dass sie ihn dadurch auch nicht genießen können. Wichtig ist mir aber zu sagen: Impostor ist keine Krankheit und keine psychische Störung.
Nina Lizon
Frage: Kann das auch andere Bereiche als den Job betreffen?
Interviewer
Es ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das stärker oder schwächer ausgeprägt sein kann, es kann in Lebensphasen variieren und auch in einem Lebensbereich vorhanden sein und im anderen eher nicht.

Impostor ist überall da, wo Selbstbild und Fremdbild auseinanderklaffen und ich denke: Ich bin die Anerkennung und den Erfolg gar nicht wert. Zum Beispiel versichert mir mein Partner, wie sehr er mich liebt, aber ich zweifle daran. Nicht, weil ich meinem Partner misstraue, sondern weil ich denke: Diese Liebe habe ich gar nicht verdient. Auch die Frage, ob ich wirklich eine gute Mutter oder ein guter Vater bin, geht in die Richtung. Perfektionismus spielt beim Impostor eine große Rolle.
Lizon
Frage: Die meisten Menschen kennen Selbstzweifel. Woran merke ich, dass ich am Impostor-Syndrom leide?
Interviewer
Den Impostor bemerkt man vor allem im Laufe der Zeit. Wenn ich einen neuen Job beginne, ist es normal, dass ich erstmal unsicher bin und mich frage, ob ich das schaffe. Dann kommen die ersten Erfolge. Die machen in der Regel gelassener, ich werde sicherer und die Selbstzweifel werden weniger.

Beim Impostor werden die Selbstzweifel nicht weniger. Stattdessen mache ich mir mit zunehmendem Erfolg noch mehr Druck. Mein Anspruch an mich wird noch größer und ich finde im weiteren Vorwärtsgehen keine Entlastung, sondern alles wird zur Belastung. Verbunden mit dem Gedanken: Mein Erfolg war nur Zufall und keine eigene Leistung.
Lizon
Frage: Sie coachen vor allem Frauen – sind die besonders betroffen?
Interviewer
Sehr lange hat man das tatsächlich gedacht. Aber mittlerweile weiß man, dass Impostor ganz gleichmäßig zwischen Männern und Frauen verteilt ist. Ich finde das wenig überraschend, denn Selbstzweifel sind nicht männlich oder weiblich, sondern menschlich. Stattdessen könnte man sagen: Eher introvertierte und perfektionistische Menschen sind anfälliger für Impostor.
Lizon
Frage: Wie kommt man am besten da raus?
Interviewer
Ich habe drei ganz niederschwellige praktische Schritte. Das Erste ist ein Bewusstmachen dieser Gedanken. Denn dann kann ich anfangen, damit zu arbeiten. Der zweite Schritt ist, darüber zu sprechen. Das ist eine der wichtigsten Waffen gegen Selbstzweifel. Wer anderen erzählt, dass er sich gerade unzulänglich fühlt und glaubt, den Erfolg nicht verdient zu haben, wird überrascht sein über das positive Feedback. Das kann die Lücke zwischen Selbst- und Fremdbild helfen zu schließen.

Das Darüber-Reden wird auch zeigen, wie viele Menschen diese Gedanken kennen. Umfragen zeigen, dass 70 Prozent der Menschen immer wieder von solchen Zweifeln im Leben betroffen sind. Und das Dritte ist: Führen Sie ein Erfolgstagebuch! Halten Sie darin Ihre Erfolge, Komplimente und Feedbacks fest. Blättern Sie immer mal darin, um den Selbstzweifeln im Kopf etwas entgegenzusetzen. Da haben Sie es schwarz auf weiß.
Lizon
Frage: Sie sagen, man kann Impostor sogar für sich nutzen – wie das?
Interviewer
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder lähmt und blockiert uns der Impostor oder wir nutzen ihn als Motor und Anschub, um erfolgreich nach vorne zu gehen. Ich rate immer zu einem Perspektivwechsel: Was hat Ihnen der Impostor schon Gutes gebracht?

Wenn ich in meinen Coachings frage, sticht eine Antwort heraus: Impostor-Betroffene bereiten sich extrem gut vor. Sie sind oft motivierter zu lernen, weil Selbstzweifel anspornen. Sie sind geübter, schädliche Gedankenmuster zu erkennen, auch bei anderen. Sie sind neugierig, stellen Fragen und sind offener dafür, Lösungen zu finden, als im Alten zu verharren.

Wenn ich versuche, eine Schwäche für statt gegen mich zu nutzen, kann ich damit outperformen und meinen Erfolg auch genießen – auf eine empathische Weise, ohne Konkurrenzdenken.
Lizon

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