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Leichtes Wirtschaftswachstum und etwas weniger Arbeitslose

Stagnation statt starker Frühjahrserholung: Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zu; die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,4 Prozent.

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Bewerber sitzen auf Stühlen und warten auf Vorstellungsgespräch. Bild: IMAGO / Panthermedia / Andrey Popov

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Frühjahr 2026: Die Wirtschaft zögert, Arbeitssuchende einzustellen

Wiesbaden (dpa). Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn deutlicher gewachsen, als der vielen Krisen wegen befürchtet worden war. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten errechnet hat. Zwar handelt es sich nur um ein Mini-Wachstum, aber nicht zuletzt wegen des Iran-Kriegs waren die Erwartung deutlich pessimistischer. Auf dem Arbeitsmarkt zeigte sich hingegen keine Erholung, wie die Bundesagentur für Arbeit berichtete. Die Zahl der Arbeitslosen ist zwar im April im Vergleich zum Vormonat um 13.000 gesunken, liegt aber mit 3,008 Millionen weiterhin über der Drei-Millionen-Grenze, und auch die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,4 Prozent. Im Vergleich zum April 2025 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 77.000 und die Quote um 0,1 Prozentpunkt. 

Iran-Krieg bremst Aufschwung aus.

Die wirtschaftlichen Daten des ersten Quartals könnten ohne den fortwährenden Krieg am Persischen Golf durchaus hoffnungsfroh stimmen: Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben waren nach Angaben der Wiesbadener Statistiker in den ersten drei Monaten höher als im Schlussquartal 2025, in dem die deutsche Wirtschaft nach neu berechneten Zahlen nur um 0,2 Prozent zulegte. Auch die Exporte nahmen den vorläufigen Erkenntnissen zufolge im ersten Quartal zu. „Das war ein überraschend guter Jahresauftakt, zumal auch schon das erste Quartal von Grönland-Wirren und Iran-Krieg belastet war“, sagte Sebastian Wanke, Konjunkturexperte bei der Förderbank KfW. „Die Daten zeigen, dass es für die deutsche Konjunktur ein starkes Jahr hätte werden können. Bleibt die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus, sodass die Wachstumskräfte wieder atmen können.“

Doch die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft bekommt die Folgen des Iran-Kriegs, der am 28. Februar begonnen hatte und in dem es keine Zeichen einer nachhaltigen Entspannung gibt, allmählich massiv zu spüren: Steigende Ölpreise, zunehmende Probleme in den Lieferketten und wachsende Unsicherheiten in Export- wie Importmärkten belasten die Stimmung und die Geschäftszahlen. 

Kauflaune im Keller  

Volkswirte gehen davon aus, dass das von Energieimporten abhängige Deutschland länger mit den Folgen des Konflikts im Nahen Osten zu schaffen haben wird. Höhere Energiepreise, gerade an Tankstellen, belasten Verbraucher und Unternehmen, das bremst Konsum und Investitionen. 

Die Kauflaune der Menschen war zuletzt so niedrig wie vor zwei Jahren. Und das Ifo-Geschäftsklima bei Unternehmen sank im April deutlich. “Die Hoffnungen auf einen Aufschwung sind vorerst dahin“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Beflügelt das Milliarden-Paket die Konjunktur?

Reihenweise senkten Ökonomen ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2026 nur um 0,6 Prozent zulegen wird. Die Bundesregierung ist mit 0,5 Prozent Plus noch pessimistischer. 2027 sollte mit 0,9 Prozent etwas besser werden. Vor dem Iran-Krieg hatten viele Experten ein Wachstum von rund einem Prozent in diesem Jahr erwartet, einige auch mehr.

Nun versprechen vor allem die schuldenfinanzierte Infrastrukturoffensive und mehr Arbeitstage 2026, weil Feiertage auf ein Wochenende fallen, noch Wachstum im laufenden Jahr.

Die Hoffnung ist groß, dass 2027 das noch vom alten Bundestag beschlossene gewaltige 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket für Infrastruktur und Klimaschutz sowie Mehrausgaben für Verteidigung die Konjunktur deutlicher anschieben werden. 

Industrie wandert ab

Im vergangenen Jahr war Deutschland mit 0,2 Prozent Plus knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum in Folge vorbeigeschrammt. Doch die Zuversicht zu Jahresbeginn ist Ernüchterung gewichen. In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem März berichteten 43 Prozent der befragten 964 Firmen aus Industrie, Dienstleistung und Bau von schlechteren Geschäften als vor einem Jahr. Vier von zehn Firmen wollen weniger investieren, mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Industrieunternehmen plant mit weniger Personal.

Immer häufiger investiert die deutsche Industrie im Ausland, wie eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ergab: 43 Prozent der 1.700 befragten Unternehmen planen demnach im laufenden Jahr Investitionen außerhalb von Deutschland – oft, um Kosten zu sparen. „Die Betriebe verlieren das Vertrauen in die Standortbedingungen hierzulande“, warnte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Keine Trendwende am Arbeitsmarkt in Sicht

Ohne Vertrauen in die Zukunft keine Investition in nachhaltige Arbeitsplätze: Dieser Zusammenhang zeigt sich auch in der Entwicklung am Arbeitsmarkt. „Die Frühjahrsbelebung fällt auch im April schwach aus“, konstatiert die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles. „Eine Trendumkehr am Arbeitsmarkt ist noch nicht in Sicht.“ Im April 2025 war die Frühjahrsbelebung mit einem Minus von 36.000 Arbeitslosen im April deutlich größer ausgefallen, galt aber damals schon als schwach. Für die Statistik griff die Bundesagentur auf Datenmaterial zurück, das bis zum 13. April vorlag.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist zumindest nicht mehr signifikant weggebrochen, sondern stabilisierte sich auf niedrigem Niveau. Im April waren bei den Arbeitsagenturen 641.000 offene Stellen gemeldet. Das sind 5.000 weniger als vor einem Jahr.

Arbeitslosengeld für über eine Million Menschen

Im April erhielten den Angaben der Nürnberger Statistiker zufolge 1,07 Millionen Menschen in Deutschland Arbeitslosengeld. Das sind 93.000 mehr als vor einem Jahr. 3,826 Millionen erwerbsfähige Menschen erhielten Bürgergeld. Das sind 125.000 weniger als noch vor einem Jahr. Bürgergeld erhalten Menschen nicht nur, wenn sie gar nicht arbeiten, sondern auch dann, wenn sie ihren geringen Lohn aufstocken müssen, um das Existenzminimum zu erreichen.

Auf dem Ausbildungsmarkt sind noch immer 211.000 junge Leute ohne eine Ausbildungsstelle oder eine andere Alternative. Gleichzeitig sind bei den Arbeitsagenturen von den 380.000 gemeldeten Lehrstellen noch 217.000 unbesetzt. Häufig können die freien Stellen aber nicht besetzt werden, weil die Bewerber entweder räumlich zu weit entfernt sind, oder das Qualifikationsprofil nicht erfüllen.

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