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Rat gegen Druck im Studium

Wann ist der Abschluss endlich geschafft – und mit welcher Note? Viele Studierende stehen unter Druck. Was hilft, wenn alles zu viel wird?

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Student hält sich ein Buch vors Gesicht.

© Nicht definiert

München/Bernburg (dpa/tmn). Studienjahre können die schönste Zeit im Leben sein. Die Schule ist geschafft, ungeliebte Fächer sind Vergangenheit. Selbst gewählte Studienfächer und möglicherweise auch der Auszug aus dem Elternhaus verheißen Freiheit und die Chance, die Weichen fürs Berufsleben zustellen.

Doch die Zeit an der Hochschule kann stressig werden. Selbst die motiviertesten Studierenden kämpfen nicht selten mit Selbstzweifeln, viele verspüren hohen Erwartungsdruck, ihr Studium zügig zu beenden.

So wie Chemiestudentin Anna Lee (Name geändert). „Obwohl ich das Fach selbst nach einer sorgfältigen Orientierungsphase ausgesucht habe, ist mir die Freude abhanden gekommen“, erzählt die 24-Jährige. Bis zum siebten Semester hat sie an der Technischen Universität München (TUM) durchgehalten.

Bei Problemen nicht zögern

Unter Mühen – die Arbeitslast mit vielen Präsenzstunden, der Leistungs- und Lerndruck und nicht zuletzt auch die Konkurrenz zu anderen Kommilitonen bedrückten die junge Frau. Sie teilte ihren Kummer zuerst mit Freunden, suchte dann Beratung beim Studentenwerk und schließlich, weil sie nicht weiterkam, beim Psychotherapeuten.

Mit dieser Begleitung traf sie die Entscheidung, ihrem Fach treu zu bleiben. Doch sie wechselte an die Ludwig-Maximilian-Universität (LMU). Dort hat sie nun ihr Pensum entschärft, sieht zu, dass sie ihre Kräfte besser einteilt. „Ich glaube, ich habe zu lang gezögert, mir Hilfe zu holen“, meint sie im Rückblick.

Druck von außen – und von innen

Zahlen des Deutschen Studentenwerks (DSW) machen deutlich, dass Bedarf besteht: Die psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke haben 108.800 Beratungskontakte im Jahr 2017 verzeichnet. Verglichen mit dem Jahr 2006 sei das eine Steigerung von 60 Prozent, betont DSW-Sprecher Stefan Grob.

Leistungsanforderungen, Geldsorgen und persönliche Probleme sind die häufigsten Gründe für den Beratungswunsch. Dementsprechend wird vor allem Hilfestellung zu Arbeitsorganisation und Zeitmanagement nachgefragt. Aber auch außeruniversitäre Probleme wie mangelndes Selbstbewusstsein oder Partnerschaftsprobleme werden in der Beratung angesprochen.

Annette Doll ist seit bald acht Jahren an der LMU in der akademischen Studienberatung tätig. Auch sie beobachtet, dass Studierende in Stress geraten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Der Prüfungs- und Zeitdruck ist gestiegen, es bleibt wenig Zeit, interessehalber in andere Studienfächer zu schauen.

Jagd nach Punkten und stromlinienförmigen Lebensläufen

Den Luxus, allein aus dem Grund der eigenen Horizonterweiterung zu studieren, gönnt sich kaum noch jemand. „Die Jagd nach Punkten und der Wunsch nach einem möglichst stromlinienförmigen Lebenslauf für die Karriere sind den meisten extrem wichtig. Einige bekommen Druck aus dem Elternhaus, andere machen ihn sich selbst“, schildert die Beraterin.

Suchten Studierende früherer Generationen Rat und Unterstützung vor der Zwischen- oder der letzten Prüfung, registriert Doll inzwischen, dass bereits Erstsemester anfragen. Sie nutzen die akademische Studienberatung als erste Anlaufstelle.

Die Einrichtungen bieten etwa Prüfungscoachings, Kurse zum Stressmanagement oder Hilfen bei Schreibblockaden an. Stefan Grob findet es gut, dass „Studierende heutzutage deutlich pragmatischer und auch selbstbewussterer damit umgehen, wenn sie in Krisensituationen Hilfe benötigen“.


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