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Was Patienten beim Zahnarzt selbst zahlen müssen

Zahnreinigung, Prothesen, Kronen: Schon heute kommt kaum ein gesetzlich Versicherter um Zuzahlungen herum, manchmal müssen die Kosten sogar komplett selbst getragen werden. Doch die Debatte heizt den Wahlkampf weiter an.

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Junge Frau wird beim Zahnarzt untersucht. Bild: IMAGO / Westend61 / NOVELLIMAGE

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Deutschlands größte Krankenkassen warnen davor, die Zahnarztkosten aus dem Leistungskatalog für die gesetzlich Versicherten zu streichen. Auch von Verbraucherschützern, SPD und auch aus der CDU gibt es anhaltende Kritik an den Forderungen des CDU-Wirtschaftsrats, eines parteinahen Unternehmer-Vereins. Doch bereits heute zahlen Versicherte große Anteile beim Zahnarzt aus der eigenen Tasche – wie Beispiele zeigen.

Die umstrittene Forderung

Zahnarztbehandlungen sollten „nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen“, forderte der Wirtschaftsrat. Sie müssten dann privat abgesichert und bezahlt werden. Der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, verteidigte den Vorstoß. Sozialabgaben dürften nicht immer weiter steigen, es dürfe nicht immer weniger Netto vom Brutto bleiben, sagte er der dpa. Der nicht zur Partei gehörende CDU-Wirtschaftsrat fordert auch weitere Einschnitte bei Sozial- und Versicherungsleistungen. Er nennt dies „Agenda für die Arbeitnehmer in Deutschland“.

Was die Patienten heute selbst zahlen

Beim Zahnarzt zahlen sie bereits Eigenanteile und viele Dinge, die die gesetzlichen Kassen nicht zahlen. So kostet eine professionelle Zahnreinigung laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung 80 bis 120 Euro, viele Kassen zahlen einen Zuschuss. Generell zahlen die Kassen laut Verbraucherzentrale Zuschüsse für die Regelversorgung. Wer Gold oder Keramik oder Implantate möchte, muss dies selbst zahlen.

Was heißt dies bei kaputten Zähnen?

Bei Zahnersatz mit Brücken, Prothesen und Kronen zahlen die Kassen von den Durchschnittskosten laut Verbraucherzentrale NRW 60 Prozent, mit Bonusheft bis 75 Prozent. Ist eine Krone oder Brücke im Seitenzahnbereich nötig, ist Nicht-Edelmetall die Regelversorgung. Im sichtbaren Zahnbereich bezuschussen die Kassen eine zahnfarbene Teilverblendung.

Für eine Brücke werden 369 Euro fällig

Konkret heißt das: Muss ein Zahn mit Hilfe einer Brücke ersetzt werden, sind als Gesamtkosten laut Verbraucherzentrale für die Regelversorgung ab diesem Jahr 921,60 Euro angesetzt. Davon zahle die Kasse 552,96 Euro – 368,64 bleiben für Patienten ohne Bonusheft. Bei einer Krone würden von 398,39 ohne Bonus 239,03 Euro übernommen, bei maximalem Bonus 298,79 Euro.

Was für Geringverdienende gilt

Hier übernehmen die gesetzlichen Kassen die sämtlichen Kosten der Regelversorgung. Diese sogenannte Härtefallregelung muss beantragt, das Einkommen nachgewiesen werden. Wer leicht über der Einkommensgrenze liegt, kann einen höheren Festzuschuss bekommen. Formulare dafür gibt es bei der Krankenkasse oder von der Praxis. Die Krankenkasse prüft den Antrag. 

Kritik der Krankenkassen: Keine Frage des Geldbeutels

Der Wirtschaftsrat schreckte – nach einer ersten Welle der Kritik – auch die Krankenkassen auf. „Gesunde Zähne dürfen keine Frage des Geldbeutels sein“, sagte Ulrike Elsner, die Chefin des Verbands der Ersatzkassen, der unter anderem Techniker und Barmer vertritt. „Eine gute Zahngesundheit ist essenziell für die körperliche und geistige Gesundheit und gehört deshalb zwingend in den Leistungskatalog der GKV.“ 

Der Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Martin Hendges, und die Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, Romy Ermler, nannten die Vorschläge „medizinisch falsch, unsozial und ökonomisch kurzsichtig“. Elsner sowie die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, betonten, statt solcher Vorstöße seien Strukturreformen nötig. 

„Die schrille Sozialdebatte mit Kürzungsideen im Drei-Tages-Takt wird zunehmend zum Wachstumsrisiko“, warnt Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. „Indem sie Verunsicherung bei Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern sät, macht sie es schwerer, nicht leichter, aus der wirtschaftlichen Krise herauszukommen.“ So stütze der Privatkonsum derzeit die Wirtschaft weniger deutlich, als es möglich wäre. 

Debatte befeuert den Wahlkampf

Der rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder wies die Forderungen als „absurd“ zurück. Der Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer sagte: „Derartige Pläne gibt es in der Bundesregierung nicht.“ 

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Dennis Radtke, warnte in der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir müssen aufpassen, dass die Debatten keine Schlagseite bekommen.“ So wie es derzeit laufe, dürfe man sich nicht wundern, dass „bei den Umfragen für die Union bei 27 Prozent eine gläserne Decke eingezogen ist“, sagte Radtke weiter. Die Union stand im Januar in bundesweiten Umfragen zwischen 24 und 28 Prozent – zum Teil Kopf an Kopf mit der AfD oder sogar knapp hinter ihr. 

Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat den Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrats kritisiert, dass Kassenpatienten ihre Zahnbehandlung künftig selbst zahlen sollen. „Unser Ziel muss es sein, notwendige Leistungen effizienter zu erbringen, nicht sie zu privatisieren“ , sagte der SPD-Politiker der „Rheinischen Post“ . „Die ständige Verunsicherung der Bevölkerung mit Vorschlägen zum Sozialabbau ohne Reformvorschläge für mehr Wirtschaftswachstum könnte sogar die AfD stärken.“ 

Scharfe Kritik äußerte auch die Fraktionschefin der Grünen, Katharina Dröge. „Ich finde es absolut elitär, zu behaupten, dass eine Zahnbehandlung ein Luxus sei, der privat bezahlt werden sollte“ , sagte Dröge der „Augsburger Allgemeinen“ .

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