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Existenzgründer und Altersvorsorge: Von Anfang an richtig planen

Viele Existenzgründer stecken beim Start in die Selbstständigkeit ihre Energie allein in den Unternehmensaufbau - und vergessen die Altersvorsorge. Das kann fatale Folgen haben.

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Mann steht auf der Straße und hält ein Smartphone in der Hand. Bild: IMAGO / MASKOT

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Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, bringt viele Vorteile mit sich: Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und die Möglichkeit, das eigene Einkommen selbst zu steuern. Doch während viele Existenzgründer ihre gesamte Energie in den Aufbau ihres Unternehmens stecken, bleibt ein Thema oft auf der Strecke – die Altersvorsorge. Der Gedanke, die Vorsorge erst einmal hintenan zu stellen und sich „später“ darum zu kümmern, kann jedoch fatale Folgen haben. Wir erklären, warum eine frühzeitige Vorsorge entscheidend ist und welche Lösungen es gibt, um langfristig finanziell abgesichert zu sein.

Herausforderungen für Existenzgründer

Für Selbstständige gibt es keinen Automatismus der gesetzlichen Rentenversicherung wie bei klassischen Arbeitnehmern und einen Arbeitgeber, der sich um alles kümmert und automatisch Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung abführt. Es findet also kein Aufbau von Versorgungsansprüchen für das Alter statt. Viele Existenzgründer arbeiten in den ersten Jahren mit schwankenden Einkünften und stellen finanzielle Rücklagen hinten an. Doch je später mit der Altersvorsorge begonnen wird, desto größer wird die Lücke im Ruhestand. Ohne frühzeitige Planung droht Altersarmut oder der Zwang, deutlich länger als geplant arbeiten zu müssen. Umso wichtiger ist es, sich schon frühzeitig mit den verschiedenen Möglichkeiten der Altersvorsorge auseinanderzusetzen.

Welche Altersvorsorge-Optionen gibt es?

Die Altersvorsorge für Selbstständige ist keine einmalige Entscheidung, sondern ein dynamischer Prozess, der sich an die jeweilige Unternehmens- und Lebensphase anpassen sollte. In den verschiedenen Abschnitten der Selbstständigkeit stehen unterschiedliche finanzielle Herausforderungen und Prioritäten im Vordergrund. Während in den ersten Jahren vorwiegend die Sicherung der Liquidität entscheidend ist, rückt mit zunehmendem Geschäftserfolg die kontinuierliche Integration von Vorsorgemaßnahmen in die Finanzplanung in den Mittelpunkt. Gegen Ende der beruflichen Laufbahn gilt es schließlich, das aufgebaute Vermögen gezielt zu optimieren und einen sicheren Übergang in den Ruhestand zu gewährleisten.

Um eine langfristig erfolgreiche Altersvorsorge zu gewährleisten, ist es sinnvoll, die Planung in drei Phasen zu unterteilen:

Gesetzliche Rentenversicherung

Bestimmte selbstständige Berufe unterliegen der Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung – dazu gehören hauptsächlich:

  • Handwerker und Hausgewerbetreibende;
  • Lehrer, Hebammen, Erzieher und in der Pflege Beschäftigte;
  • Künstler und Publizisten;
  • Selbstständige mit einem Auftraggeber;
  • Seelotsen sowie Küstenschiffer und -fischer

In der gesetzlichen Rentenversicherung können Selbstständige aber auch vorsorgen, wenn sie nicht pflichtversichert sind. Mit freiwillig gezahlten Rentenbeiträgen erwerben und erhöhen Selbstständige Rentenansprüche oder können damit sicherstellen, bisherige Anwartschaften und Ansprüche nicht zu verlieren. Auch wenn Sie Ihre Versorgung im Alter oder bei Erwerbsminderung und die Ihrer Angehörigen im Falle Ihres Todes absichern wollen, ist es sinnvoll, sich über die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung bei der Deutschen Rentenversicherung zu informieren.

Neben der freiwilligen Versicherung steht Selbstständigen innerhalb der ersten fünf Jahre nach Aufnahme ihrer Tätigkeit auch die Versicherungspflicht auf Antrag offen. Gegenüber der freiwilligen Versicherung hat sie für Selbstständige den wichtigen Vorteil, dass sie auf diesem Weg nicht nur für das Alter, sondern nach entsprechender Vorversicherungszeit auch gegen das Risiko der Erwerbsminderung versichert sind. Zudem haben sie nach ausreichender Versicherungsdauer bei gesundheitlichen Problemen einen Anspruch auf eine von der Rentenversicherung finanzierte Reha-Leistung. Besonders für Frauen ist wichtig: In der so genannten Kinderberücksichtigungszeit bis zum 10. Lebensjahr eines Kindes kann der Rentenanspruch der selbstständigen Mutter durch Erwerbstätigkeit um bis zu 50 Prozent aufgewertet werden. 

Die Versicherungspflicht auf Antrag beginnt mit dem Tag nach der Antragstellung und endet in aller Regel erst, wenn die Betroffenen nicht mehr selbstständig sind. Die Kosten richten sich danach, ob die oder der Selbstständige den sogenannten Regelbeitrag (2025: monatlich 696,57 Euro) oder einen einkommensgerechten Beitrag wählt (2025: mindestens 103,42 Euro, höchstens 1497,30 Euro monatlich). Geregelt ist die Versicherungspflicht auf Antrag in § 4, Absatz 2 des sechsten Sozialgesetzbuchs.

Private Rentenversicherung

Private Rentenversicherungen werden hauptsächlich als fondsgebundene Rentenversicherungen angeboten. Sie investieren in Kapitalmärkte und bieten attraktive Renditechancen, gehen jedoch mit einem gewissen Risiko einher. Sie ermöglichen eine lebenslange Rente und lassen sich flexibel gestalten, beispielsweise durch Zuzahlungen oder individuelle Entnahmeoptionen.

Basisrente (Rürup-Rente)

Besonders für Selbstständige ist die Basisrente attraktiv, da sie steuerlich stark gefördert wird. Die Beiträge sind bis zu einer bestimmten Höchstgrenze als Sonderausgaben absetzbar, was die Steuerlast erheblich senken kann. Ein weiterer Vorteil ist der Schutz vor Pfändung: Das angesparte Kapital ist nicht übertragbar und bleibt auch im Falle einer Insolvenz unantastbar. Allerdings sind die Rentenzahlungen im Alter voll zu versteuern, und eine Kapitalauszahlung ist nicht möglich – das Geld kann ausschließlich als lebenslange Rente ausgezahlt werden.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Selbstständige, die sich nicht als Einzelunternehmer, sondern in einer Rechtsform wie einer GmbH organisieren, können über eine Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionszusage eine betriebliche Altersvorsorge aufbauen. Diese Modelle bieten steuerliche Vorteile, da Beiträge unter bestimmten Bedingungen aus dem Bruttogehalt gezahlt werden können, wodurch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gespart werden. Insbesondere eine Pensionszusage kann für Gesellschafter-Geschäftsführer eine interessante Möglichkeit sein, um Altersvorsorge und Unternehmensplanung zu kombinieren. Allerdings ist eine genaue steuerliche und rechtliche Prüfung ratsam, um Risiken zu vermeiden.

Weitere Vorsorgemöglichkeiten

ETF- und Fondssparpläne

Wer eine flexible und renditestarke Altersvorsorge sucht, kann sich mit breit gestreuten Fonds oder ETFs (börsengehandelten Indexfonds) ein Vermögen aufbauen. Diese Anlageform ermöglicht es, bereits mit kleinen monatlichen Beiträgen langfristig Kapital zu sammeln. Allerdings unterliegt diese Strategie Marktschwankungen, weshalb eine langfristige Perspektive und Risikobereitschaft erforderlich sind.

Immobilien als Altersvorsorge

Eine vermietete Immobilie kann eine attraktive Möglichkeit sein, sich eine regelmäßige Einkommensquelle für den Ruhestand zu sichern. Die Mieteinnahmen können langfristig zur Finanzierung des Lebensunterhalts beitragen, während sich der Wert der Immobilie mit der Zeit steigern kann. Allerdings gibt es auch Risiken: Wertschwankungen, Leerstand, steigende Instandhaltungskosten oder regulatorische Eingriffe können die Rendite beeinträchtigen. Wer in Immobilien investieren möchte, sollte sich daher gut informieren und auf eine solide Finanzierungsstrategie setzen.

Strategien für unterschiedliche Phasen der Selbstständigkeit

Je nach Phase der Selbstständigkeit gibt es unterschiedliche Prioritäten bei der Altersvorsorge:

Beginn der Selbstständigkeit

In der Anfangsphase liegt der Fokus auf Liquiditätssicherung und günstigen Vorsorgelösungen. Da das Einkommen oft noch nicht stabil ist, sind kostengünstige und flexible Modelle sinnvoll. Dazu gehören unter anderem ETF-Sparpläne oder die Basisrente mit geringen Beiträgen. Auch eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit sollte frühzeitig eingeplant werden, um finanzielle Engpässe im Ernstfall zu vermeiden.

Nach der Etablierung

Sobald das Geschäft stabil läuft und regelmäßige Einnahmen erzielt werden, sollte die Altersvorsorge fester Bestandteil des Finanzplans werden. Es empfiehlt sich, kontinuierlich Beiträge in private Rentenversicherungen, betriebliche Altersvorsorge oder langfristige Fondsinvestments zu leisten. Zudem kann die Diversifikation des Vermögens durch Investitionen in Immobilien oder alternative Anlageformen sinnvoll sein.

Späte Phase

In den letzten Jahren vor dem Ruhestand rückt die Optimierung des vorhandenen Vermögens in den Vordergrund. Es gilt, bestehende Anlagen abzusichern, die Entnahmephase zu planen und steuerliche Vorteile zu nutzen. Hierbei kann eine Umstrukturierung des Portfolios sinnvoll sein, um das Risiko zu minimieren und die Liquidität für den Ruhestand sicherzustellen.

Fehler vermeiden – Dos & Don’ts in der Altersvorsorge für Selbstständige

Viele Selbstständige machen entscheidende Fehler bei ihrer Altersvorsorge. Hier sind einige der häufigsten Fehler - und wie man sie vermeiden kann:

  • Zu spät beginnen: Einer der größten Fehler ist es, die Altersvorsorge aufzuschieben. Wer früh mit dem Sparen beginnt, kann mit kleineren monatlichen Beträgen eine stabile Altersvorsorge aufbauen. Je später man beginnt, desto höher sind die notwendigen Beiträge, um dieselbe Versorgung zu erreichen. Der Zinseszinseffekt spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
  • Nur auf ein Produkt setzen: Wer sich auf eine einzige Anlageform verlässt, setzt sich unnötigen Risiken aus. Eine breite Streuung auf verschiedene Vorsorgeformen, wie die gesetzliche Rentenversicherung, private Rentenversicherungen, ETFs, Immobilien und betriebliche Altersvorsorge, minimiert das Risiko und erhöht die Chancen auf eine stabile finanzielle Zukunft im Alter.
  • Fehlende Absicherung bei Berufsunfähigkeit: Die Altersvorsorge ist eng mit der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit verbunden. Wer aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr arbeiten kann, verliert nicht nur sein Einkommen, sondern kann auch keine Beiträge zur Altersvorsorge mehr leisten. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt vor diesem Szenario und stellt sicher, dass im Ernstfall weiterhin Geld für die Altersvorsorge zur Verfügung steht.
  • Keine regelmäßige Überprüfung der Strategie: Die wirtschaftliche Situation, gesetzliche Rahmenbedingungen und persönliche Lebensumstände ändern sich im Laufe der Jahre. Eine einmal getroffene Vorsorgeentscheidung sollte daher regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, um sicherzustellen, dass sie weiterhin optimal auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist.
  • Steuervorteile ungenutzt lassen: Viele Selbstständige verpassen die Möglichkeit, ihre Altersvorsorge steuerlich zu optimieren. Vorsorgeprodukte wie die Basisrente oder betriebliche Altersvorsorge bieten erhebliche Steuervorteile, die genutzt werden sollten, um langfristig mehr Kapital für die Rente aufzubauen.

Es gibt keinen Grund zu warten

Eine durchdachte Altersvorsorge ist für Selbstständige essenziell. Wer frühzeitig plant, profitiert von steuerlichen Vorteilen, langfristigem Kapitalaufbau und finanzieller Sicherheit im Alter. Die beste Strategie hängt von der individuellen Lebenssituation ab – daher ist eine professionelle Beratung empfehlenswert. Unabhängig davon, ob man die gesetzliche Rentenversicherung, eine private Vorsorge oder Immobilieninvestitionen wählt: Wer sich frühzeitig mit dem Thema befasst, kann entspannter in die Zukunft blicken.

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