Altersvorsorge: Wegschauen und liegen lassen hilft nicht
Altersvorsorgeprodukte, insbesondere private Rentenversicherungen, stellen für viele Menschen eine zentrale Säule der finanziellen Absicherung im Ruhestand dar. Dennoch werfen viele Produkte viel weniger Rendite ab, als die meisten Menschen denken und hoffen. Bemerkt wird das oft viel zu spät. Sinnvoll ist es, die Altersvorsorge von Anfang an immer im Blick zu behalten – und damit auch die drei größten Herausforderungen: zu hohe Kosten, falsche Anlagemodelle und mangelnde Transparenz.
Hohe Kosten: Die stille Belastung der Altersvorsorge
Ein wesentlicher Nachteil vieler Altersvorsorgeprodukte sind die hohen Kosten, die mit ihnen einhergehen. Diese können sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen:
- Abschlusskosten: Zu Beginn eines Vertrags fallen oft hohe Abschlusskosten an. Diese Kosten werden zwar über die ersten Jahre verteilt, dennoch fehlt dieses Geld für die Altersvorsorge und kann an der Wertentwicklung der Versicherung nicht teilhaben.
- Verwaltungskosten: Während der Laufzeit entstehen weitere Kosten, die sogenannten Verwaltungskosten. Diese werden häufig als Prozentsatz der Beitragssumme oder des angesparten Kapitals berechnet und mindern die Rendite langfristig.
- Fondsgebühren: Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen kommen zusätzliche Kosten für die Verwaltung der Fonds hinzu. Insbesondere bei aktiv gemanagten Fonds können diese Gebühren sehr hoch sein, ohne dass der Kunde davon direkt profitiert.
Ein Problem ist, dass diese Kosten dem Kunden oft nicht klar sind. Viele Versicherte erkennen erst (zu) spät, wie stark diese Gebühren ihre Rendite schmälern.
Falsche Anlagemodelle: Chancen werden nicht genutzt
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Wahl der Anlagestrategie. Mittlerweile dürften die meisten Kunden auf fondsgebundene Produkte setzen, aber das alleine garantiert keine attraktive Rendite.
- Garantien kosten Rendite: Wer in Fonds investieren möchte, gleichzeitig aber eine Kapitalgarantie wünscht, der will mit angezogener Handbremse im Porsche auf die Autobahn. Gerade junge Menschen sollten der Beitragsgarantie weniger Gewicht beimessen, es reicht in der Regel völlig, ab dem 50. Geburtstag den Faktor Kapitalerhalt in den Fokus zu rücken.
- Fehlender Zugang zu modernen Anlageformen: Aktive Anlagestrategien, die auf breitere Diversifikation, ETFs oder alternative Anlageklassen wie Immobilien oder nachhaltige Investments setzen, fehlen oft oder werden vom Kunden nicht wahrgenommen. Dadurch wird das Potenzial für höhere Renditen nicht ausgeschöpft.
- Unzureichendes Risikomanagement: Häufig fehlt es an flexiblen Lösungen, die Kunden eine ausgewogene Balance zwischen Risiko und Ertrag bieten. Viele Produkte sind entweder zu konservativ oder zu risikoreich, ohne eine Anpassung an die individuellen Bedürfnisse des Kunden zu ermöglichen.
Diese Probleme verhindern, dass viele Kunden langfristig von positiven Marktentwicklungen profitieren, und führen dazu, dass vor allem Rentenversicherungen hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.
Intransparenz: Die Blackbox der Altersvorsorge
Ein großes Problem vieler Altersvorsorgeprodukte ist die mangelnde Transparenz. Viele Kunden wissen nicht genau, wie ihre Versicherung funktioniert, welche Kosten entstehen und welche Renditen sie erwarten können. Diese Intransparenz hat verschiedene Ursachen:
- Komplexe Produktgestaltung: Die Vertragsbedingungen und Produktbeschreibungen sind häufig so kompliziert, dass sie selbst für versierte Anleger schwer zu verstehen sind. Begriffe wie „Kostenquote“ oder „Rentenfaktor“ werden selten erklärt.
- Fehlende Kommunikation: Versicherer informieren ihre Kunden oft unzureichend über den Status ihres Vertrags. Jahresabrechnungen oder Berichte sind komplex und enthalten kaum hilfreiche Erläuterungen.
- Eingeschränkte Entscheidungsfreiheit: Kunden wissen häufig nicht, welche Möglichkeiten sie haben, um ihre Anlagestrategie zu beeinflussen. In vielen Fällen werden Optionen wie Fondswechsel, Zuzahlungen oder Beitragsfreistellung nicht aktiv kommuniziert.
Die mangelnde Transparenz führt dazu, dass Kunden keine fundierten Entscheidungen treffen können. Sie wissen nicht, ob ihr Vertrag gut aufgestellt ist, welche Anpassungen sinnvoll wären oder ob ein Wechsel zu einem anderen Produkt vorteilhafter wäre.
Die Folgen
Wer seine private Rentenversicherung nicht regelmäßig überprüft, riskiert erhebliche finanzielle Einbußen. Ein ineffizienter Vertrag mit einer falschen Anlagestrategie, hohen Kosten und niedriger Rendite kann über Jahrzehnte hinweg große Summen kosten. Zum Beispiel kann ein Vertrag mit 5,5 Prozent Rendite über 35 Jahre bei 250 Euro Sparbeitrag 310.000 Euro bringen, während es bei vier Prozent nur rund 225.000 Euro sind.
Dabei spielt die Zeit eine entscheidende Rolle: Je länger man abwartet, desto größer wird der finanzielle Nachteil, denn selbst kleine Verbesserungen bei den Kosten oder der Rendite entfalten über lange Zeiträume eine erhebliche Wirkung durch den Zinseszins-Effekt.
Was Kunden tun können
Es lohnt sich also, von Anfang an aktiv zu werden und die Altersvorsorge nicht einfach liegen zu lassen in der Hoffnung, dass das Ergebnis schon passen wird. Dazu gehören die folgenden Schritte:
Kosten bei Vertragsschluss bewusst hinterfragen
Kunden sollten sich von Anfang an genau informieren, welche Kosten mit dem gewählten Produkt verbunden sind. Dazu gehört, die Abschlussprovision, Verwaltungskosten und mögliche Fondsgebühren gezielt zu hinterfragen. Versicherer sind verpflichtet, diese Informationen offenzulegen – Kunden müssen jedoch aktiv danach fragen. Eine Alternative sind Netto-Tarife: Manche Versicherer bieten solche Tarife an, bei denen die Kostenstruktur transparenter und die Rendite oft höher ist. Diese Tarife sind vorwiegend für Kunden geeignet, die bereit sind, eine Beratungsgebühr separat zu zahlen.
Transparenz einfordern
Kunden sollten sich die Mühe machen, die Jahresberichte oder Abrechnungen ihres Anbieters zu analysieren. Falls diese zu kompliziert sind, können sie ihren Vermittler oder Anbieter um eine Erklärung bitten. Auch während der Vertragslaufzeit sollten Kunden immer wieder den Vertrag einsehen und die Rendite sowie die ausgewählten Anlage-Vehikel überprüfen.
Anlagestrategie optimieren
Wer das Gefühl hat, mit seinem Vertrag nicht klarzukommen oder mit einer zu schlechten Rendite arbeiten zu müssen, sollte auch einen Anbieterwechsel in Betracht ziehen. Verbraucherschützer raten dazu aus Kostengründen meist ab, denn immerhin sind die Abschlusskosten nach ein paar Jahren bereits vollständig bezahlt. Durch einen Wechsel kann sich allerdings eine deutlich günstigere Kostenstruktur ergeben – und das bei einem Anlageinstrument, das im besten Fall auch eine höhere Rendite ermöglicht. Es kann aber auch helfen, die Fonds innerhalb eines Produkts zu wechseln, zusätzliche Beiträge zu leisten oder die Anlagestrategie zu verändern.
