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Altersvorsorge für Selbstständige: Diese Optionen gibt es

Um im Alter ausreichend versorgt zu sein, sollten Selbstständige sich frühzeitig um ihre Altersvorsorge kümmern. Ideal ist meist eine Kombination aus mehreren Bausteinen.

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Junge Frau sitzt nachdenklich vor ihrem Laptop im Homeoffice. Bild: IMAGO / Westend61 / Steve Brookland

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Wer selbstständig arbeitet, muss sich in den meisten Fällen selbst um seine Altersvorsorge kümmern. Anders als Angestellte sind viele Selbstständige nicht automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung abgesichert und erhalten auch keine Arbeitgeberbeteiligung zu den Beiträgen. Eine Ausnahme gilt etwa für Handwerker oder bestimmte Berufsgruppen wie Lehrer, Hebammen oder Pflegepersonen: sie sind oft rentenversicherungspflichtig.

Ohne eigene Vorsorge droht im Alter eine deutliche Versorgungslücke. Deshalb gilt: Frühzeitig aktiv werden und die Altersvorsorge auf mehrere Standbeine stellen.

Die Herausforderungen für Selbstständige:

  • Kein automatischer Anspruch auf gesetzliche Rente (außer in bestimmten Berufen, wie Handwerker, Künstlerinnen, Publizisten, freiberufliche Hebammen, Küstenschiffer oder Physiotherapeutinnen)
  • Hohe Eigenverantwortung für Absicherung und Planung
  • Schwankendes Einkommen erschwert langfristige Planung
  • Risiko von Altersarmut bei fehlender Vorsorge

Die gesetzliche Rentenversicherung für Selbstständige

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) kann für Selbstständige ein wichtiger Grundpfeiler sein: sowohl durch Pflicht- als auch durch freiwillige Mitgliedschaft.

Pflichtmitgliedschaft

Eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung gilt für bestimmte selbstständige Berufsgruppen. Dazu zählen unter anderem Handwerker mit Eintrag in die Handwerksrolle, die in der Regel über viele Jahre hinweg Beiträge leisten müssen. Auch selbstständig tätige Lehrer, Erzieher, Hebammen und Pflegepersonen sind beitragspflichtig. Für Künstler und Publizisten erfolgt die Absicherung über die Künstlersozialkasse, die wie ein Bindeglied zwischen Selbstständigen und der Deutschen Rentenversicherung funktioniert und zusätzlich einen Arbeitgeberanteil übernimmt.

Freiwillige Versicherung 

Wer als Selbstständiger nicht pflichtversichert ist, hat die Möglichkeit, freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Mit mindestens fünf Beitragsjahren haben Sie Anspruch auf eine Regelaltersrente. Wer solche freiwilligen Beiträge zahlt, ist flexibel. Es sind keine monatlichen Zahlungen notwendig, die Höhe und Anzahl der Überweisungen können sich unterscheiden.  Notwendig ist zunächst nur ein Antrag auf freiwillige Versicherung. Die Höhe der monatlichen Beiträge bestimmen die Selbstständige selbst. 

Private Versicherungen

Private Versicherungen sind für viele Selbstständige ein zentraler Bestandteil der Altersvorsorge. Sie können die Lücke schließen, die durch fehlende oder geringe Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung entsteht, und bieten – je nach Produkt – planbare Sicherheit oder höhere Renditechancen.

Private Rentenversicherung

Für viele Selbstständige ist die private Rentenversicherung ein fester Bestandteil der Altersvorsorge. Sie gibt es in zwei Grundvarianten: als klassische Form mit garantierter Mindestrente und Überschussbeteiligung oder als fondsgebundene Variante, bei der ein Teil der Beiträge in Kapitalmärkte investiert wird. Die klassische Form bietet Planungssicherheit und eine lebenslange Auszahlung, ist aber derzeit oft nur gering verzinst. Fondsgebundene Rentenversicherungen ermöglichen höhere Renditechancen, gehen jedoch mit einem höheren Anlagerisiko einher. Ein Vorteil beider Varianten ist die steuerlich günstige Ertragsanteilsbesteuerung in der Auszahlungsphase. Der größte Nachteil liegt in der eingeschränkten Flexibilität: Das gebundene Kapital steht während der Laufzeit in der Regel nicht frei zur Verfügung.

Rürup-Rente (Basisrente)

Die Rürup-Rente ist eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge, die für besserverdienende Selbstständige attraktiv ist. Die Beiträge lassen sich als Sonderausgaben steuerlich absetzen, was die laufende Belastung deutlich senken kann. Zudem ist das angesparte Kapital im Fall einer Privatinsolvenz geschützt. Ausgezahlt wird eine lebenslange Rente, die Sicherheit in der Ruhestandsplanung bietet. Auf der anderen Seite ist das Kapital vor Rentenbeginn nicht verfügbar, und ohne spezielle Zusatzoptionen ist die Rürup-Rente nicht vererbbar. Bei fondsgebundenen Varianten hängt die Rentenhöhe außerdem von der Kapitalmarktentwicklung ab.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Auch wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung kein klassisches Altersvorsorgeprodukt ist, spielt sie im Vorsorgekonzept für Selbstständige eine zentrale Rolle. Fällt das Einkommen des Selbstständigen aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls weg, sorgt die BU-Rente dafür, dass der Lebensunterhalt gesichert bleibt und Altersvorsorgebeiträge weitergezahlt werden können. Vorteile sind die individuell anpassbaren Leistungen und die finanzielle Absicherung im Ernstfall. Dem stehen Nachteile wie die Gesundheitsprüfung bei Vertragsabschluss mögliche Leistungsausschlüsse und teilweise hohe Beiträge bei bestimmten Berufsgruppen wie Handwerkern oder auch bei Vorerkrankungen gegenüber.

Lösungen ohne Versicherungsmantel

Wer flexibel bleiben möchte und keine lebenslange Rentenzahlung über einen Versicherungsvertrag anstrebt, kann direkt am Kapitalmarkt investieren. Eine beliebte Möglichkeit sind ETF- und Fondssparpläne. Diese ermöglichen es, regelmäßig kleine oder größere Beträge in breit gestreute Wertpapierportfolios zu investieren. Die Vorteile liegen in der hohen Flexibilität, der breiten Risikostreuung und oft geringen Kosten. Gleichzeitig sind die Renditechancen langfristig attraktiv, das gilt insbesondere bei einem langen Anlagehorizont. Der Nachteil: Die Wertentwicklung schwankt, und in schlechten Börsenjahren kann das Kapital vorübergehend an Wert verlieren.

Eine Alternative sind Direktinvestments in einzelne Aktien oder Anleihen. Sie bieten mehr Einfluss auf die Auswahl der Anlagen, erfordern jedoch auch mehr Fachwissen und Zeit. Wer diesen Aufwand scheut, kann auf digitale Vermögensverwaltungen, sogenannte Robo-Advisor, setzen. Diese übernehmen die Auswahl, Streuung und Anpassung der Anlagen automatisch, und das oft zu moderaten Kosten. Nachteilig ist hier, dass bei allen direkten Kapitalmarktanlagen die Disziplin entscheidend ist: Wer in Krisenzeiten unüberlegt verkauft, riskiert Verluste und verpasst mögliche Erholungen. 

Betriebliche Altersvorsorge für Selbstständige

Selbstständige, die ihre Tätigkeit in einer Kapitalgesellschaft wie einer GmbH ausüben, können auch betriebliche Vorsorgemodelle nutzen. Dazu gehören unter anderem Direktversicherungen, Pensionszusagen oder Unterstützungskassen. Diese Modelle bieten deutliche steuerliche Vorteile, da die Beiträge in der Regel als Betriebsausgaben absetzbar sind. Gleichzeitig kann die Altersvorsorge so direkt aus Unternehmensgewinnen finanziert werden.

Der große Vorteil liegt in der steuerlichen Optimierung und der Möglichkeit, auch hohe Beträge für die Altersvorsorge einzusetzen. Allerdings sind die Modelle komplex, erfordern fachkundige Beratung und verursachen Verwaltungsaufwand. Zudem binden sie Liquidität im Unternehmen, was in schwächeren Geschäftsjahren problematisch sein kann. Daher sind solche Lösungen eher für größere oder stabil aufgestellte Betriebe interessant, die langfristig planen können.

Alternative Anlageformen

Neben Versicherungs- und Kapitalmarktprodukten können auch Sachwerte eine Rolle in der Altersvorsorge spielen. Immobilien sind dabei die bekannteste Form. Sie können entweder selbst genutzt oder vermietet werden und bieten im Alter entweder mietfreies Wohnen oder zusätzliche Mieteinnahmen. Der Vorteil liegt in der Inflationsabsicherung und der langfristigen Wertentwicklung. Nachteilig sind die hohe Kapitalbindung, mögliche Wertschwankungen und laufende Instandhaltungskosten.

Andere Sachwerte wie Edelmetalle, Kunst oder Unternehmensbeteiligungen können ebenfalls zur Diversifizierung beitragen. Sie sind oft weniger von klassischen Börsenbewegungen abhängig, können aber illiquide sein und erfordern teilweise spezielles Fachwissen. 

Kosten im Blick behalten

Unabhängig von der gewählten Form der Altersvorsorge spielen die laufenden Kosten eine entscheidende Rolle für die spätere Rendite. Jeder Prozentpunkt auf der Kostenseite ist ein Prozentpunkt weniger auf der Renditeseite. Ein Effekt, der sich über Jahre und Jahrzehnte auf fünfstellige Unterschiede in den Ablaufsummen aufbauen kann. Bei Versicherungsprodukten fallen oft Abschluss- und Verwaltungskosten an, die primär in den ersten Jahren spürbar sind. Diese sollten im Verhältnis zur Laufzeit und den garantierten Leistungen stehen. Honorartarife helfen dabei, solche Kosten deutlich zu senken. Fondsgebundene Produkte beinhalten zusätzliche Fondskosten, die je nach Auswahl sehr unterschiedlich ausfallen können.

Kapitalmarktanlagen ohne Versicherungsmantel – etwa ETF- oder Fondssparpläne – sind in der Regel kostengünstiger, da es keine Abschlussprovisionen gibt und die jährlichen Verwaltungsgebühren (Gesamtkostenquote) oft deutlich niedriger liegen. Dennoch können auch hier Ordergebühren, Depotkosten oder Kosten für die Vermögensverwaltung anfallen. Außerdem muss der eigene Zeitaufwand für Recherche, Umsetzung und Controlling der Anlagestrategie in die Überlegungen einbezogen werden: Auch Zeit ist Geld. 

Den perfekten Mix finden

Die ideale Altersvorsorge für Selbstständige ist in den meisten Fällen eine Kombination verschiedener Bausteine. Eine gesetzliche Basisabsicherung kann mit privaten Rentenprodukten ergänzt werden, während Kapitalmarktanlagen und Sachwerte für Renditechancen und Inflationsschutz sorgen.

Entscheidend ist eine regelmäßige Überprüfung der Strategie: Einkommenssituation, Lebensphase und persönliche Ziele verändern sich, und damit sollte sich auch die Zusammensetzung der Vorsorge anpassen. Wer seine Anlagen streut, bleibt flexibel und kann Risiken gezielter steuern.


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